Dauert Sex durchschnittlich fünf, zehn oder 20 Minuten? Oder doch viel mehr – oder weniger? Mit einer Schätzung liegt man schnell daneben. Zu dem Thema lässt ein Bericht des Männergesundheitsdienstes "Pilot" aufhorchen. Er zeigt, wie sexuelle Vorstellungen die Leistungsfähigkeit und psychische Gesundheit beeinflussen können.
Eine der auffälligsten Erkenntnisse der Untersuchung ist die Frage nach der tatsächlichen Dauer des Geschlechtsverkehrs – im Vergleich zu dem, was Menschen glauben, wie lange er dauern sollte.
Laut dem Gesundheitsdienst beträgt die durchschnittliche Dauer des Sex bei Männern etwa fünfeinhalb Minuten. Die Daten gehen auf eine Studie von "IC Urology" zurück. Dabei haben Männer die sogenannte "intravaginal ejaculation latency time" (zu Deutsch: intravaginale Ejakulationslatenzzeit) über den Zeitraum von vier Wochen gemessen.
Bei der Studie kam man auf einen Durchschnittswert von 5,4 Minuten. Laut der Untersuchung von "Pilot" denken jedoch viele Menschen, dass der Sex doppelt so lange dauern sollte. Doch wie kommt es zu der falschen Einschätzung?
Diese Diskrepanz könnte laut dem Bericht auf den Konsum von Pornografie zurückzuführen sein. Die Untersuchung legt nahe, dass der Pornokonsum zu unrealistischen Erwartungen, Druck und Frustration führen kann.
Fachpersonen bestätigen den Verdacht. "Pornos, vor allem wenn es keine ausreichende Sexualerziehung gibt, fördern unrealistische und ungesunde Erwartungen an Sex und intime Beziehungen", so Dr. Ben Condon gegenüber "News.com.au." Er sagt: "Dies erhöht unnötigerweise das Auftreten von Scham und Angst in Bezug auf die eigene Leistung und fördert gleichzeitig ungesunde und gar respektlose Beziehungen."
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Er weist darauf hin, dass Pornografie und Selbstbefriedigung oft miteinander verbunden sind, was zu positiven Assoziationen bei Männern führt. Allerdings können Pornos auch unrealistische Vorstellungen von den Erwartungen an Männer und Frauen erzeugen. Der Experte sagt: "Männer glauben, dass sie die Person, mit der sie zusammen sind, befriedigen können, wenn sie die in Pornos gezeigten Handlungen nachahmen."
Doch laut Condon können Pornos auch aggressives Verhalten gegenüber Frauen normalisieren und die sexuelle Erregung verringern. Er betont: "Im Grunde genommen repräsentieren Pornos keine gesunden sexuellen Beziehungen. Sie schüren unrealistische Erwartungen an Leistung und Körperbild, normalisieren Aggression und extremes Verhalten und können in einigen Fällen sogar Gewalt darstellen."
Aus den Darstellungen in Pornos komme auch die Überschätzung der durchschnittlichen Dauer von Sex. Der Experte erklärt: "Im Laufe der Zeit wirkt sich das auf unsere Wahrnehmung gesunder sexueller Beziehungen und dessen, was normal ist, aus und kann zu verminderter Erregung, Leistungsangst und erektiler Dysfunktion führen."