So schlimm steht es um Bosniens Flüchtlingslager

Die Behörden haben in Bosnien Hunderte Flüchtlinge in ein Lager gebracht. Dort herrschen laut Europarat, UNO und EU katastrophale Zustände.
Seit Mittwoch blickt Europa nach Bosnien: In den sozialen Medien wurden Videos veröffentlicht, die Hunderte Flüchtlinge in langen Schlangen und begleitet von Polizisten auf dem Weg ins Flüchtlingslager Vucjak an der kroatischen Grenze zeigen. Über 1.500 sollen an nur einem Tag dorthin gebracht worden sein – in ein Lager, das schon bisher als schwer unterversorgt galt.

Die Behörden warnten vor einer drohenden Krise im Angesicht des bevorstehenden Winters. Rund 2.300 Flüchtlinge befanden sich schon bisher in dem Lager, nun kommen offenbar täglich Hunderte dazu. Europarat, Vereinte Nationen und Europäische Union haben nun Stellung genommen und eine Schließung des Flüchtlingslagers sowie eine Verteilung der Flüchtlinge in geeignete Unterkünfte gefordert.

Kein Wasser, kein Strom, dafür Minen

Laut einer Mitteilung gibt es in dem Flüchtlingslager kein fließendes Wasser, keinen Strom, kaum hygienische Umgebungen und in unmittelbarer Nähe befindet sich ein mit Landminen übersätes Gebiet. "Ungeeignet für die Unterbringung von Menschen", befindet das UNO-Team für Bosnien-Herzegowina. Das Lager selbst befindet sich auf einer ehemaligen Mülldeponie.

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"Nach wie vor gibt es erhebliche Sicherheits- und Gesundheitsrisiken in Vucjak, der Standort ist von internationalen humanitären Normen weit entfernt", so die UNO. Angesichts der verheerenden Zustände im Flüchtlingslager Vucjak warnt SPÖ-Europaabgeordnete Bettina Vollath erneut vor einer massiven humanitären Katastrophe.

"Eine Schande für Bosnien und die EU"

"Nur einen Steinwurf von der EU-Außengrenze entfernt, offenbart sich die ganze Dramatik der ungelösten Migrationsfrage", so Vollath. Sie hatte das Camp vor rund einem Monat selbst besucht: "Eine menschenwürdige Versorgung ist dort nicht möglich – das Lager ist eine Schande für die EU und Bosnien." Vollath stellte deshalb eine dringliche Anfrage an die EU-Kommission.



"Niemand kann ein Interesse haben, wenn Menschen so leben müssen und es aufgrund fehlender humanitärer Unterstützung und Handlungswillen zu Toten an den Außengrenzen kommt", so Vollath. Das Camp Vucjak selbst besteht seit 14. Juni 2019. "Laut Angaben von Freiwilligen und laut Medienberichten werden Menschen gegen ihren Willen dort hingebracht", so Vollath. Betroffene würden auch von Gewalt von Grenzbeamten berichten.

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