So sollen Reisen wieder möglich werden

Mit diesen Konzepten sollen Urlaube und Reisen wieder möglich werden.
Mit diesen Konzepten sollen Urlaube und Reisen wieder möglich werden.Getty Images
Beim Gipfel der Wirtschaftskammer kamen auch fünf Experten zum Thema "Reisewirtschaft" zum Handkuss und erklärten folgende Lösungsvorschläge.

Seit einem Jahr kam es bei der Tourismus-Branche, insbesondere Reiseanbietern zu komplettem Stillstand. Bittere Bilanz?  Umsatzrückgänge von 95 Prozent. Nun käme es eigentlich vermehrt schon zu Urlaubsbuchungen der Österreicher in ferne Länder, doch natürlich - niemand traut sich. Fünf Experten haben im Zuge des Öffnungsgipfels der WKÖ diverse Lösungsvorschläge genannt, die einen baldigen Urlaub auch wieder möglich werden lassen sollen.

Unter der Moderation von Simone Hoepke vom Kurier brachten folgende Personen ihre Konzepte zum Thema "Reisesicherheit" ein:

Obmann des Fachverbandes für Reisebüros und Geschäftsführer der MONDIAL Gruppe, Gregor Kadanka:

"Die Besonderheit der Reisebürobranche ist natürlich komplex. Wir stehen am Beginn der Wertschöpfungskette und nehmen frühzeitig schon Kontakt zum Kunden auf und haben demzufolge natürlich einen längeren Planungshorizont. Reisen werden in der Regel von Privatpersonen vier bis sechs Monate im Vorfeld gebucht, im beruflichen Umfeld sogar oft zwölf Monate vorher. Ohne Reisefreiheit, sprich offener Grenzen kann unsere Branche gar nicht existieren. Obwohl es für unsere Branche nie einen Lockdown gab und wir offen hatten, finden natürlich keine Buchungen statt - weder im Incoming, noch im Outgoing. Die Quarantäneregeln bedeuten den Tod für unsere Branche, da niemand Lust hat für einen Urlaub zwei Wochen in Quarantäne zu gehen - oft ist dies ja beruflich auch gar nicht möglich. Hier gilt es Perspektiven national wie international zu schaffen und den Blick auf den nahenden Sommer und Herbst zu richten. Ich unterstütze hier die Idee des Bundeskanzlers mit dem sogenannten "Grünen Pass" und das es dadurch zu Sonderregelungen kommen kann. Wir müssen JETZT dem Kunden sagen, womit sie rechnen können. Primär brauchen wir die Aussicht auf eine Planungssicherheit."

Geschäftsführer von SATOtours, Markus Martinek:

"Jedes Jahr bringen wir normalerweise ungefähr 10.000 Gäste nach Österreich. Im Corona-Jahr 2020 hatten wir drei (!) mit einer jeweils Sondergenehmigung. Durch die Reisebeschränkungen können momentan einfach keine Süd- und Nordamerikaner in die europäische Union einreisen. Jeden Tag bekommen wir Anfragen von Amerikanern, die nach Europa möchten und müssen sie vertrösten, da wir nicht wissen wie es weiter geht. Diese Kunden sind dann meistens verloren, weil sie sich für Reisen nach Ägypten oder die Malediven entscheiden.  Unser Anliegen ist, Pensionistengruppen die bereits geimpft wurden eine Einreisemöglichkeit zu bieten. In den meisten Ländern herrscht Reisewarnstufe sechs, die bedeutet, dass Kunden in Quarantäne gehen müssen. Hier gilt zu differenzieren und man könnte die Reisewarnstufen in diversen Ländern durchaus schon herab setzen. Solange das so bleibt, sind wir zu stark eingeschränkt. Nicht die ganze Welt ist 'böse' und gefährlich."

Vizepräsidentin der WKÖ, Fachgruppe Reisebüros, Martha Schultz:

"Unser Reisebüro betrifft hauptsächlich das Incoming-Geschäft. Hier haben wir seit November null Buchungen aus dem Ausland und auch Incentive-Gruppen mussten teilweise schon dreimal umgebucht werden. Für uns zählt auch die Planungssicherheit mit einfachen Regeln innerhalb Europas. Überall gibt es Ampelsysteme und verschiedene Ein- und Ausreisebestimmungen, die zu kompliziert sind. Wir sind bereits in der Planung für das Jahr 2022 und müssen mit unseren Partnern auch Verträge abschließen. Der einheitliche Impfass wäre natürlich ein großer Wunsch, aber es muss nun endlich eine Äusserung geben zum nächsten Jahr, um die Incentives wie Schulsportgruppen zumindest mit Perspektive planen zu können. Für dieses Jahr wäre einfach die Öffnung vorranging. Wir wollen alles tun um ein baldiges Öffnen zu gewährleisten."

Vorstandsmitglied der Verkehrsbüro Group und Eurotours, Helga Freund:

"Prinzipiell ist zu sagen, dass die Österreicher reisehungrig und urlaubswillig sind. Viele wollen nach einem Jahr Pandemie einfach ans Meer. In den Reisebüros konnten wir feststellen, dass die entscheidenen Kriterien für einen Urlaub im Sommer 2021 die drei "S"sind:

Sicherheit - Im Hinblick auf die Destination und den Hotels. Hier müssen einfach Sicherheitskonzepte aufliegen. Im letzten Sommer hatten wir gute Erfahrungen mit Italien, Griechenland und Kroatien. Am beliebtesten sind nach wie vor die Pauschalreisen, weil es die sichere Variante eines Urlaubs darstellt.

Service: Momentan ist es für den Konsumenten fast unmöglich eine Übersicht der Einreisebestimmungen in andere Länder zu behalten. Hier nehmen die Österreicher gerne die Beratung der Reisebüros in Anspruch.

Stornobedingungen:Die einzige Möglichkeit sorglos eine Buchung vorzunehmen untersteht einer kostenlosen Stornomöglichkeit. Das bieten wir unseren Kunden jetzt an."

Rechtsanwalt für Reiserecht, Dr. Eike-Bernd Lindinger:

"Bei allfälligen Beschwerden von Reisenden während einer Pandemie ist natürlich - wie auch sonst - die Einzelfallbeurteilung maßgeblich. Natürlich hat sich das Reisen aufgrund von Corona grundsätzlich verändert. Wo es vorher ein leckeres Frühstücksbuffett gab, gibt es nun keines mehr.. . Die Maske wird wohl die Rolle des Plastikarmbandes in den Clubs übernehmen. Vor Jahren fühlten sich Konsumenten vom Bändchen am Handgelenk eingeschränkt, nun ist es für alle normal und das wird auch bei der Maske der Fall werden. Dem Reisenden muss einfach bewusst sein, dass er gewisse Dinge in Kauf nehmen muss, um auf Urlaub fahren zu können. Ein Urlaub wie 2019 wird nicht möglich sein. Ich gehe aber davon aus, dass auch das Pauschalreisegesetz einiger Anpassungen bedarf, um Corona-Fit zu werden."

Abschließend wurde noch erwähnt, dass sich natürlich alle Anbieter wie Airlines, oder Veranstalter im "Stand-by"-Modus befinden. Aufgrund der Unsicherheit wird auch wesentlich weniger angeboten. Man kann aber davon ausgehen, dass das Reisen im Sommer 2021 unter gewissen Bedingungen wieder möglich sein wird und man rät den Urlaubshungrigen trotzdem sich schon jetzt für seine Lieblingsdestination, Hotel oder Flug zu entscheiden, damit man im Fall einer Knappheit aufgrund der kurzen Vorlaufzeit noch einen Platz bekommt.

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