So steht es um unsere Migrantenkinder

Migrantenkinder an Österreichs Schulen sind leistungsschwächer und weniger motiviert, fühlen sich aber zugehörig.
Migrantenkinder an Österreichs Schulen sind leistungsschwächer und weniger motiviert, fühlen sich aber zugehörig.Bild: Grafik Heute, iStock, picturedesk.com/APA

Kinder mit Migrationshintergrund schneiden in der Klasse im OECD-Vergleich schlechter ab und sind weniger motiviert. Sie fühlen sich aber gut integriert.

Eine am Montag veröffentlichte Sonderauswertung der PISA-Studie zeigt, wie sich Migrantenkinder an österreichischen Schulen im OECD-Vergleich schlagen.

Demnach sind Schüler mit Migrationshintergrund vergleichsweise leistungsschwach. In Österreich liegt der Anteil jener Kinder mit ausländischen Wurzeln, die in den drei Testgebieten Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen zumindest grundlegende Kenntnisse aufweisen weit hinter dem OECD-Schnitt. Während der EU-Schnitt bei 55 Prozent und der OECD-Schnitt bei 54 Prozent liegt, sind es hierzulande lediglich 47 Prozent. In Kanada befinden sich immerhin 82 Prozent der Jugendlichen auf jenem Level 2 (von 6), in der Schweiz und den USA 58 Prozent.

Abgesehen davon zeigt die Studie, dass auch die Motivation von Migrantenkindern an Österreichs Schulen eher schwach ausgeprägt ist. Während im OECD-Schnitt 70 Prozent und im EU-Schnitt 66 Prozent zur Gruppe der "Motivierten" zählen, sind es hierzulande 57 Prozent. Dennoch: Die Motivation von "einheimischen" Schülern liegt nochmal niedriger bei nur 43 Prozent. Im OECD-Vergleich sind Migrantenkinder an angloamerikanischen Schulen mit Werten von jeweils weit über 80 Prozent am motiviertesten.

Für die PISA-Studie 2015 wurden mehr als eine halbe Million 15- bis 16-jährige Schüler in 72 Ländern getestet. In Österreich nahmen rund 8.000 Schüler an der Studie teil. Abgesehen von den Kenntnissen in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften wurden im Zuge der PISA-Studie auch andere Bereiche (wie Lernmotivation und soziale Faktoren) mittels Kontextfragebögen erhoben. So entstand jene Sonderauswertung über Migrantenkinder an Schulen, die am Montag vorgelegt wurde.

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Zufriedenheit und Zugehörigkeitsgefühl besonders hoch

Bei sozialen Faktoren sticht Österreich positiv hervor. So fühlen sich hierzulande 67 Prozent der Migranten der Schule zugehörig, während es im OECD-Schnitt 60 Prozent und im EU-Vergleich 58 Prozent sind. Ebenfalls die Lebenszufriedenheit liegt über dem Schnitt. So bewerteten hierzulande 70 Prozent der Befragten ihre Zufriedenheit auf einer Skala von null bis zehn mit zumindest sieben. Im OECD-Schnitt waren es 67 Prozent, im EU-Schnitt 69 Prozent.

Überdurchschnittlicher Migrantenanteil in Österreich

Außerdem im Zuge der PISA-Studie erhoben wurde der Migrantenanteil* an den Schulen der jeweiligen Testländer. Demnach kommen Österreichs Schulen auf einen Migrantenanteil von 31 Prozent, während es im EU-Schnitt 21 Prozent und im OECD-Schnitt 23 Prozent sind. Den höchsten Migrantenanteil im EU-Vergleich hat mit 70 Prozent Luxemburg.

Außerdem fällt auf, dass hierzulande die meisten Migrantenkinder erster Generation angehören – weder sie selbst, noch ihre Eltern sind hier geboren. Österreich weist hier 25 Prozent auf, der OECD-Schnitt liegt bei 20 Prozent. Ebenfalls interessant: Zwischen 2003 und 2015 ist der Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund hierzulande um 12 Prozent gewachsen, im OECD-Schnitt waren es sechs Prozent, in Deutschland sieben Prozent.

Faßmann": Sind am richtigen Kurs"

"Die von der OECD vorgelegten Zahlen bestätigen, dass wir in Österreich mit dem neu eingeschlagenen Kurs in der Bildungspolitik auf dem richtigen Weg sind", so Bildungsminister Heinz Faßmann in einer ersten Reaktion zu Studienergebnissen. Die Motivation der in Österreich lebenden Migrantenkinder müsse man nutzen. Der OECD-Bericht zeige, dass Schüler mit Migrationshintergrund bzw. mit anderen Erstsprachen als Deutsch schwächere PISA-Ergebnisse erzielen als Kinder mit Deutsch als Erstsprache. "Die empfohlenen Maßnahmen, um dem entgegenzuwirken, decken sich mit unseren bildungspolitischen Vorhaben für die nächsten Jahre", so Faßmann.

*) Als Migrantenkinder gelten jene erster Generation (nicht im Testland geboren, beide Eltern ebenfalls nicht im Testland geboren), zweiter Generation (bereits im Testland geboren, beide Eltern nicht im Testland geboren), "Rückkehrer-Kinder" (nicht im Testland geboren, aber mindestens ein Elternteil im Testland geboren) sowie Einheimische mit gemischter Herkunft (im Testland geboren, aber mindestens ein Elternteil nicht im Testland geboren)

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(red)

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