So trauern Kroaten um Kriegsverbrecher

Direkt nach dem Urteil vergiftete sich der kroatische Ex-General Slobodan Praljak. Im bosnischen Mostar wurden Kerzen für ihn aufgestellt.

Kroatiens Regierungschef Andrej Plenkovic bestätigte den Tod von Praljak und kritisierte den seiner Meinung nach ungerechten Schuldspruch scharf. Er sprach der Familie Praljaks sein Mitgefühl aus und kündigte mögliche rechtliche Schritte seines Landes gegen Teile des Urteils an.

Seiner Meinung nach existiere eine "tiefe moralische Ungerechtigkeit gegenüber den sechs Kroaten". Das beweise auch die unglaubliche Tat des Ex-Generals.

Für das UN-Tribunal ist die Sache jedoch eindeutig: Praljak war in Den Haag unter anderem für schuldig befunden worden, im November 1993 die Zerstörung der alten Brücke von Mostar aus ottomanischer Zeit angeordnet zu haben. Dadurch sei der muslimischen Zivilbevölkerung "unverhältnismässig großer Schaden" entstanden.

Präsidentin ehrte Ex-General

In seiner Heimat wird Praljak dennoch als Held gefeiert. Noch in der vergangenen Woche hatte die kroatische Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic den 72-jährigen Häftling geehrt: Der Beitrag von "General Praljak" sei von größter Bedeutung für die "Verteidigung Kroatiens" und "das Überleben des kroatischen Volkes" gewesen.

Außer Praljak standen der ehemalige "Regierungschef" der selbstproklamierten bosnisch-kroatischen Republik Herceg-Bosna, Jadranko Prlic, der ehemalige Verteidigungsminister Bruno Stojic sowie drei Militärs vor Gericht. Gegen alle sechs wurden die Urteile bestätigt. Sie waren 2013 unter anderem für schuldig befunden worden, an der Vertreibung bosnischer Muslime beteiligt gewesen zu sein, um ein kroatisches Territorium zu gründen. Die einseitig ausgerufene Republik Herceg-Bosna wurde international nie anerkannt.

"Herr Praljak ist kein Kriegsverbrecher!"

Sofort nachdem der Richter den Schuldspruch aussprach, begann Slobodan Praljak lautstark zu protestieren. "Ich bin kein Krimineller", schrie er, "Herr Praljak ist kein Kriegsverbrecher! Ich nehme das Urteil nicht an!" Dann griff er zu einem Fläschchen, legte den Kopf in den Nacken und trank den Inhalt.

Der Richter wollte die Verhandlung fortführen, doch die Verteidigerin von Praljak unterbrach: "Mein Mandat sagt, er hat Gift getrunken." Der Richter beendete die Verhandlung umgehend. Kurz darauf verstarb der Ex-General im Spital.

(red)

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