Seit Dezember 2025 gilt in Australien ein weltweit einmaliges Social-Media-Verbot für Kinder unter 16 Jahren. Plattformen wie TikTok, Instagram oder Snapchat sollten Minderjährige aussperren. Doch eine aktuelle Untersuchung der australischen eSafety-Behörde zeigt nun: Das Gesetz greift nicht wie geplant.
Die Studie basiert auf einer Befragung von über 4.000 Kindern und Familien - sowohl vor als auch nach Inkrafttreten der Regelung. Das Ergebnis ist ernüchternd: Während die Zahl der eigenen Konten bei Kindern um 10,3 Prozentpunkte sank, ging die tatsächliche Nutzung nur um 4,4 Prozentpunkte zurück.
Wie heise online berichtet, nutzen viele Kinder Social Media über Familienkonten, Geräte von Eltern oder älteren Geschwistern weiter. Manche wichen auf weniger populäre Angebote wie BeReal, Reddit oder Kick aus.
Die Zahlen sind deutlich: 50,2 Prozent der Befragten konnten ihre Konten weiternutzen, weil Plattformen sie gar nicht nach dem Alter fragten. 37,1 Prozent nutzten Konten mit falsch angegebenem Alter weiter. Und 18,2 Prozent gaben an, dass das Altersverifikationssystem ihr Alter falsch geschätzt hat.
Besonders brisant: Einige Plattformen fordern Kinder per Selfie-Scan auf, ihr Alter zu korrigieren - erlauben aber mehrere Versuche. Zudem funktionieren Meldesysteme für Unter-16-Konten nur unzureichend. Nach einer Sperre können Minderjährige problemlos neue Konten anlegen.
Ein paradoxer Effekt zeigt sich bei den Eltern: Nach Einführung des Verbots wussten 33,3 Prozent nicht, ob ihre Kinder Social Media nutzen - vorher waren es nur 23,3 Prozent. Ob Kinder weniger offen mit ihrer Nutzung umgehen oder Eltern auf das Verbot vertrauen, ist unklar.
Positiv: Der soziale Druck unter Gleichaltrigen habe nachgelassen. Die Angst, etwas zu verpassen, sank von 43,3 auf 36,3 Prozent. Viele Kinder verbringen nun mehr Zeit mit Messengern oder Online-Spielen.
Die eSafety-Behörde betont, die Daten seien nur eine Momentaufnahme. Weitere Berichte sollen bis 2028 folgen. Bei systematischen Verstößen drohen Plattformen Strafen von bis zu 49,5 Millionen australischen Dollar.