In Brasilien steht am kommenden Sonntag der erste Durchgang der Präsidentschaftswahl an. Der wichtigste Herausforderer von Amtsinhaber Luiz Inacio Lula da Silva ist kein Unbekannter: Es ist Flavio Bolsonaro, der älteste Sohn des inhaftierten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro.
Flavio, der den Spitznamen "Zero-um" (01) trägt, ist Senator aus Rio de Janeiro. Er punktet vor allem mit seinem Familiennamen, gilt aber vielen eingefleischten Bolsonaristen als zu moderat. Kurz vor der ersten TV-Debatte sagte er seine Teilnahme ab, nachdem auch Lula abgesagt hatte.
Wie n-tv berichtet, wurde eine geplante TV-Debatte im Sender Globo nach zwei gerichtlichen Entscheidungen kurzfristig gestrichen. Stattdessen lief eine Telenovela. Die Absagen beider Spitzenkandidaten sorgten für Verwunderung.
Jair Bolsonaro wurde aufgrund eines geplanten Staatsstreiches zu 27 Jahren Haft verurteilt. Der Plan sah auch die Ermordung von Amtsinhaber Lula vor. Nach brasilianischem Recht ist der Ex-Präsident von Wahlen ausgeschlossen – deshalb soll nun sein Sohn das Erbe antreten.
Kritiker befürchten, dass Flavio Bolsonaro im Falle eines Wahlsieges staatliche Kontrollinstrumente zerschlagen und hart gegen soziale Bewegungen vorgehen würde. Gewerkschafter warnen vor einer "Katastrophe für die Arbeiterschaft und die Umwelt".
Für US-Präsident Donald Trump wäre ein Wahlsieg Bolsonaros ein wichtiger außenpolitischer Erfolg.
Trump hatte einen Zollkonflikt mit Brasilien angeheizt und dem Land mehrfach offen gedroht. Bei einem Sieg des rechten Kandidaten wäre ein Großteil Südamerikas von rechten Regierungen geführt.