Sony WF-1000XM4 im Test: Stiller Sieger aller Klassen

Bei Bügelkopfhörern ist der Sony-WH-1000XM jener, mit denen sich die Allerbesten messen müssen. Nun gilt das auch für die Bluetooth-Hörer WF-1000XM4.

Seit dem Anbeginn der Over-Ear-Serie WH-1000XM von Sony loben Kritiker wie Nutzer gleichermaßen Sound, Komfort und vor allem die Geräuschunterdrückungs-Qualitäten des Kopfhörers. Und selbst nach Monaten kommen kaum Konkurrenten an diese Qualitäten heran. Zwar überzeugte Sony später technisch auch mit dem gänzlich kabellosen Sony WH-1000XM3 und lieferte eine Glanzleistung bei der Geräuschminimierung am Bluetooth-Sektor ab, das Design wirkte allerdings klobig.

Umso mehr überrascht nun der neue Sony WF-1000XM4 um 279 Euro. Er hat nicht nur die technischen Stärken wie ANC, Sound-Qualität und Akkulaufzeit des Vorgängers weiter ausgebaut, sondern zeigt sich außerdem mit einem gänzlich neuen Design. Eine Überraschung deshalb, weil sich gerade äußerlich etwa bei der "Schwesternserie" WH-1000XM bisher sehr wenig getan hat. "Heute" testete den brandneuen Sony WF-1000XM4 nun auf seine inneren und äußeren Qualitäten.

Schon die neue Verpackung gefällt

Bevor es überhaupt ans Auspacken der Kopfhörer geht, fällt die neue Verpackung des Unternehmens sehr positiv auf. Sony verwendet dazu einen kunststofffreien Karton, der laut Eigenangaben des Unternehmens aus Bambus- und Zuckerrohrfasern besteht. Zudem ist er recht minimal ausgefallen und will nicht mit einem riesigen Äußerlichen auffallen. Der Umweltschutz-Aspekt gefällt gut, und der Verzicht auf so viel Kunststoff wie möglich beschert Sony ein Extralob. 

Im Karton selbst finden sich das Ladecase mit den Ohrhörern, die es in Schwarz und Silber (das eher wie Hellbeige wirkt)  gibt, sowie eine Kurzanleitung, Garantiekarten und Co. sowie ein USB-C-Ladekabel (einen Adapter benötigt man selbst) und zwei wechselbaren Größen für die Schaumstoff-Ohrpolster. Ja, richtig gelesen: Sony setzt nicht wie die meisten Hersteller auf etwas härtere Silikon-Aufsätze, sondern bietet komfortablere Schaumstoff-Aufsätze, die jedoch ebenso leicht zu reinigen und wechseln sind. Top!

Kaum zu verwechselndes Design

Die Ladeschale wirkt dezent und trotzdem hochwertig, ein mattes Finish hält Fingerabdrücke gut fern. Auf dem Deckel findet sich ein schickes Sony-Logo, auf der Vorderseite eine schmale, dafür längliche LED-Statusanzeige und an der Hinterseite der Ladeanschluss. Die Ladeschale misst rund 67 x 40 x 29 Millimeter ist ist damit noch gut in der Hosentasche zu verstauen. Das Gewicht liegt bei 55 Gramm, die beiden Ohrhörer wiegen etwas mehr als je sieben Gramm. In der Ladeschale docken sie magnetisch an, ohne dass danach wackeln oder herausfallen können.

Trotz des sicheren Halts kann der Nutzer sie leicht aus dem Ladebehälter entnehmen. Auch der Deckel hält gut, schnappt aber weder fest zu, noch hat er ein Wackel-Spiel. Die Ohrhörer selbst bieten ein unverwechselbares Design in einer Zeit, in der sich viele Hersteller optisch immer mehr annähern. Auffallend sind die großen Touch-Steuerungsfelder an den Außenseiten sowie kleinen und Nieten-ähnlichen Metall-Zylinder, die aus dem Gehäuse hervorstehen. Zudem sind die WF-1000XM4 nicht nur viel kompakter, sondern auch abgerundeter als die Balken-artigen Vorgänger ausgefallen.

Ganz großer Sound und tolle Stille

Beim Sound hat der Kopfhörer, der per Bluetooth 5.2 mit dem Smartphone oder Tablet und Co. gekoppelt werden kann, so gut wie alle Qualitäten seine "großen Bruders" WH-1000XM4 geerbt, auch die KI-Unterstützung durch DSEE Extreme und den Hi-Res-Codec LDAC. Auch die atemberaubende Sony-Technik 360 Reality Audio für 3D-Musik wird unterstützt. Vor allem wer die 3D-Funktion nutzt, spürt förmlich den klaren und warmen Sound aus allen Ecken ans Ohr strömen. Doch auch bei Standard-Songs über andere Streamingdienste gibt es Hoch- und Mitteltöne der Weltklasse und einen kraftvollen Bass.

Selbst in hohen Lautstärken schafft es der True-Wireless-Kopfhörer, sie unglaubliche Sound-Qualität und Klarheit aufrecht zu erhalten. Respekt, damit steckt der Sony WF-1000XM4 so gut wie alle anderen Bluetooth-Kopfhörer in die Tasche und hat selbst bei den meisten Over-Ear-Kopfhörern einen riesigen Klangvorsprung. Auch der Bass ist beachtlich, tritt aber nicht zu dominant in den Vordergrund. Auch die Telefonier-Qualitäten des Kopfhörers sind gigantisch. Selbst bei stärkerem Wind gibt es keinerlei Rauschen, der Gesprächspartner ist klar und laut verständlich. 

Und plötzlich wird es ganz still

Bei der aktiven Geräuschunterdrückung zeigen sich schnell die Vorteile der weichen Schaumstoffpolsterung gegenüber den härteren Silikonaufsätzen. Schon sie sitzen nicht nur sicher im Ohr (ohne dabei zu drücken), sondern schließen es auch gut ab. Aktivviert man ANC, verschwinden monotone Geräusche wie ein Motorbrummen zu einem minimalem Flüstern. Was leiser daherkommt, wird sowieso komplett geschluckt, nur laute, schrille Geräusche wie Schreie sind noch deutlich, aber auch deutlich gedämpft hörbar. Über die Touchflächen können übrigens ANC-Modi, Lautstärke und Titel gewählt werden.

Super ist der Transparenz-Modus, den die WF-1000XM4 bieten. Sie lässt Außengeräusche durch, was praktisch beim Spazierengehen oder bei Lautsprecherdurchsagen ist. Ebenfalls sehr smart: Mit "Speak to Chat" erkennt der Kopfhörer auf Wunsch, wann der Träger spricht und schaltet dabei für einige Sekunden in den Transparenz-Modus samt Wiedergabe-Pause. So müssen sie für ein schnelles Gespräch im Büro oder in der Straßenbahn nicht aus dem Ohr genommen werden. Wie lange der Transparenz-Modus dabei aktiviert wird, lässt sich in der zugehörigen App festlegen.

Die App als Gehirn des Kopfhörers

Generell ist die App so etwas wie das Denkzentrum des Kopfhörers. Sind die Qualitäten des WF-1000XM4 so schon beeindruckend, bekommt man mit der App eine ganz neue Dimension an Möglichkeiten. Aktivierbar ist etwa, ob der Kopfhörer die Wiedergabe stoppen soll, wenn er aus dem Ohr genommen wird, einstellbar ist, welche Befehle über die Touchflächen ausgeführt werden sollen, erfassbar ist der optimale Tragezustand und ein Equalizer lässt den Nutzer das Sound-Erlebnis auf Wunsch anpassen. Auch können Modi für bestimmte Orte und Tätigkeiten festgelegt werden, etwa dass beim Verweilen ANC immer auf höchster Stufe läuft, beim Gehen dagegen abgeschaltet wird.

Beim Akku muss sich der Nutzer keine Sorgen machen, dass dem Kopfhörer schnell die Puste ausgeht. Ohne ANC kommt man bei mittlerer Lautstärke locker auf 13 bis 14, mit ANC immer noch auf neun bis zehn Stunden. Das Ladecase bietet dabei mindestens eine weitere volle Ladung des Kopfhörers. Ist der Kopfhörer leer, dauert das Laden etwa eine Stunde, beim Case, das auch kabellos ladbar ist, ist es das Doppelte. Nett: Mit einigen wenigen Minuten im Ladecase sind die Sony WF-1000XM4 sofort wieder für eine Stunde Wiedergabe gerüstet.

Stiller Sieger aller Klassen

Der Sony WF-1000XM4 macht es Testern sehr schwer, überhaupt einen Ansatzpunkt für Kritik zu finden. In zwei kleinen Punkten fehlt es aber zur Superlative: Einerseits kann der Kopfhörer nicht mit mehreren Geräten gleichzeitig verbunden werden, andererseits ist er mit IPX4 "nur" gegen Spritzwasser geschützt und damit nicht wasserdicht. Das war es dann aber auch schon wieder mit der Kritik, denn in allen anderen Belangen kann der Kopfhörer voll und ganz überzeugen. Zwar wirkt der Preis recht hoch, man bekommt damit aber auch den unbestritten besten Bluetooth-Kopfhörer am Markt.

Eine lange Akkulaufzeit, ein bombastischer Sound, eine beeindruckende aktive Geräuschunterdrückung und ein sensationeller Tragekomfort machen den Sony WF-1000XM4 zum stillen Sieger aller Klassen. Samt der App spielt der Kopfhörer zudem seine wahren Stärken aus und ermöglicht smarte Funktionen wie Sprachsteuerung, "Speak to Chat" oder Wiedergabe-Profile für bestimmte Situationen. Wer wirklich das Allerbeste am Markt der True-Wireless-Stereo-Kopfhörern sucht, der hat dies mit dem Sony WF-1000XM4 jedenfalls gefunden. 

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