"Spanische": Hohe Verluste, 70 neue Plätze

Die beiden Geschätsführer Elisabeth Gürtler und Erwin Klissenbauer mit Bereitern.
Die beiden Geschätsführer Elisabeth Gürtler und Erwin Klissenbauer mit Bereitern.Bild: Spanische Hofreitschule/RGE-Media Production

Die beiden beiden Geschäftsführer der Spanischen Hofreitschule, Elisabeth Gürtler und Erwin Klissenbauer, zogen vor dem Ausscheiden der "Sacher"-Chefin Bilanz über elf Jahre.

Ende 2007 wurden Gürtler (68) und Klissenbauer (54) als Geschäftsführer der Spanischen Hofreitschule bestellt. Per Jahresende legt Gürtler ihre Funktion zurück, Klissenbauer wird weiterhin die Spanische Hofreitschule mit ihren drei Standorten Wien, Piber und Heldenberg führen.

Nach rund 4.000 Tagen im Amt zogen die beiden Geschäftsführer am Donnerstag Bilanz.

„Als wir vor rund elf Jahren an die Spitze der Spanischen Hofreitschule berufen wurden, war es unser Ziel, diese zu einem modernen Betrieb zu machen, die Qualität hoch zu halten, geschäftlich offen zu sein und die Umsätze anzuheben – immer mit Blick auf und mit Respekt vor der großen Tradition und Bedeutung des Hauses", so die beiden Geschäftsführer.

Bereits 2001 war die Spanische Hofreitschule mit dem Lipizzanergestüt Piber aus der öffentlichen Verwaltung ausgegliedert und damit rechtlich wie wirtschaftlich auf eigene Füße gestellt worden. Ziel der Selbstständigkeit war nicht nur die Schaffung der Voraussetzungen zur Selbsterhaltungsfähigkeit der Spanischen Hofreitschule und dem Bundesgestüt Piber.

Auch sollte nach einem vernichtenden Rechnungshofbericht Ende 2007 künftig eine positive wirtschaftliche Entwicklung erzielt werden - die sich allerdings auch unter Gürtler/Klissenbauer nicht abzeichnen sollte.

„Durch ein striktes Kostenmanagement konnten wir sowohl das Ergebnis verbessern, als auch den Umsatz in den letzten Jahren steigern", jubelte Klissenbauer in einer Aussendung vom 20. Dezember 2018.

"Heute.at" hat sich die veröffentlichten Bilanzen der Hofreitschule angesehen. Diese ergeben ein komplett anderes Bild:



Der kumulierte Verlust EGT (Gewinn vor Ertragssteuer) 2008 bis 2017 ergab: 5.384.067,04 Euro.

Und das, obwohl die "Spanische" regelrecht zugedeckt wurde mit Förderungen:

Beginnend mit dem Bilanzjahr 2009 erhielt die Spanische Hofreitschule vom Landwirtschaftsministerium eine sogenannte „Zuchtförderung" (anfänglich 780.000,00, zuletzt 1 Million Euro jährlich).



Insgesamt beliefen sich die Förderungen aus dem Titel der Zuchtförderung - die die Vorgänger nicht erhielten - in der Zeit 2009 bis 2017 auf rund 7.580.000,00 Euro.

Zudem weisen die Bilanzen staatliche Investzuschüsse von summiert rund 700.000,00 Euro von 2012 bis jetzt aus.

Darüber hinaus erhielt die Spanische Hofreitschule im Jahr 2008 1 Million Euro je zur Hälfte vom Bund und vom Land Niederösterreich zum Aufbau des Trainingszentrums am Heldenberg.



Dieses sollte das Sommerquartier im Lainzer Tiergarten ersetzen, da die dortigen Stallungen der EU-Vorgabe zur Tierhaltung nicht mehr entsprachen, das Land Wien einen Umbau nicht fördern wollte und daher der Pachtvertrag aufgelöst wurde.

Der Personalstand erhöhte sich demgegenüber von 2008 von 125 Mitarbeitern auf 175 im Jahr 2017. Dabei blieb jedoch der Personalstand im reitenden Personal praktisch gleich bzw reduzierte sich zwischenzeitlich durch vorzeitige Abgänge. Die Anzahl der Bereiteranwärter, Bereiter und Oberbereiter, lag dabei immer bei 12 bis 16. Die Anzahl der (sehr teuren) Oberbereiter wurde in dieser Zeit von 4 auf 2 reduziert. Bei diesen handelte es sich um die bestausgebildeten und längstdienenden Bereiter, die alle Pferde in allen relevanten Ausbildungskategorien ausbilden können.

Das Jahr 2018 dürfte ergebnismäßig noch schlechter als 2017 ausfallen, da es heuer keine große Tournee im Herbst gab.

Bei Marketingmaßnahmen hingegen erwies sich das Duo Gürtler/Klissenbauer als höchst brillant:

Vermarktung

Neue Produkte wurden kreiert, wie etwa „A Tribute to Vienna". Man führte das Ausreiten im Burggarten oder das Rotationsprinzip mit dem Heldenberg ein, spielte den Pferden bei der Morgenarbeit Musik vor, setzte auf Kooperationen mit Unis und internationalen Gestüten sowie Unternehmen, begann Lizenzgebühren für die Verwendung der Marke einzuheben, und führte Events ein (Fund Raising Dinner, Fête Impériale, Events am Heldenberg), ließ mit Hannah Zeitlhoferauch auch eine Frau als Elevin zu.

Kritik wurde von nationalen und internationalen Zuchttierexperten immer wieder an der Überreizung der Tiere geübt.

Zweite Equipe

Eine der ersten Maßnahmen des Duos war der Aufbau einer zweiten Equipe, durch die die Anzahl der Vorstellungen verdoppelt und mehr Tourneen durchgeführt wurden. Diese Maßnahme brachte den beiden viel Kritik ein: Die Tiere seien damit restlos überfordert, man fahre mit der 453 Jahre alten Hofreitschule ein Kostensenkungsprogramm, dabei sollte sich der Staat diese Institution – seit 2016 UNESCO Weltkulturerbe - einfach leisten, ungeachtet der Kosten.

So sehen die Pläne der Institution aus:

Eigene Gastronomie, mehr Plätze

Gürtler wird sich ab 2019 verstärkt ihrem eigenen Unternehmen widmen, während Erwin Klissenbauer aus der Spanischen Hofreitschule einen Ganzjahresbetrieb machen und die Gastronomie selbst betreiben will. Als erstes soll aber eine neue Besuchergalerie in der Winterreitschule entstehen mit etwa 70 Sitzplätzen über der Parterre-Loge.

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