Spider-Man: Homecoming wird schwer zu toppen sein

Toller Held, großartiger Schurke, Spitzenfilm: Der neue "Spider-Man" hält den hohen Erwartungen stand.

Warum benötigen Superhelden geheime Identitäten? Weil die erschaffene Kunstfigur über den Menschen in der Maske hinauswachsen soll (die Batman-Variante)? Weil der Held um die Sicherheit seiner Familie besorgt ist (die am weitesten verbreitete Ausrede)? Oder weil er eine Arbeitskollegin stalken will (die Superman-Story)? Nein, im Grunde geht es darum: Die Diskrepanz zwischen bürgerlicher und geheimer Identität verleiht der Figur automatisch Tiefe und Komplexität. Zwei Seelen schlagen in einer Brust, zwei Persönlichkeiten prallen aufeinander, zwei Seiten ein und derselben Münze ringen um die Oberhand.

Peter vs. Spider-Man

Der Held Spider-Man ist in den Marvel-Comics ein frecher, vor Witz sprühender Draufgänger, die "größte, nicht-tödliche Waffe" der Welt (wie Anthony Russo, einer der neuen "Avengers"-Regisseure im vergangenen Jahr anmerkte). Peter Parker ist ein Nerd, in der neumodischen, positiv besetzten Form, ein cleverer, leidenschaftlicher Bursche, der sich in der Schule nicht mehr vor Pausengeldeintreibern, sondern lediglich vor zu harten Fistbumps fürchten muss.

Tobey Maguire, von 2002 bis 2007 als Spidey zu sehen, gab einen tollen Helden ab, legte Peter Parker aber als schüchternen Emo an. Sein Nachfolger Andrew Garfield (2012 bis 2014) brillierte zwar als Peter, bekam im Spinnenkostüm aber wenig Gelegenheit zu glänzen. Der neue, dritte Spider-Man-Darsteller heißt Tom Holland. Bei seinem Kurzauftritt in "Captain America: Civil War" (2016) sah er wie die perfekte Wahl für die Rolle aus. Sein erstes Solo-Abenteuer "Spider-Man: Homecoming" sorgt nun endgültig für die Bestätigung. Weder einen besseren Peter, noch einen besseren Spider-Man hat es bisher gegeben.

The Vulture

Großen Anteil daran hat neben Holland selbst auch der neue Widersacher der menschlichen Spinne. Adrian Toomes (perfekt besetzt: Michael Keaton) ist dabei, die Trümmer zu entsorgen, die der Alien-Angriff in "The Avengers" (2012) in New York hinterlassen hat, als er von Anzugträgern einer staatlichen Einrichtung aus dem Geschäft gedrängt wird. Mit der bereits geborgenen außerirdischen Technologie sattelt Toomes auf Superschurke um und wird zum Raubvogel-artigen "The Vulture". Nachdem Spider-Man erfolglos versucht hat, seinen Mentor Tony Stark aka Iron Man (Robert Downey Jr.) von der Gefahr zu überzeugen, die von dem Neo-Bösewicht ausgeht, macht er sich selbst auf die Jagd nach ihm. Nebenbei muss Peter Parker allerdings für die Highschool pauken, seiner Tante May (Marisa Tomei) seine Heldenitentität verheimlichen und die hübsche Liz (Laura Harrier) von seinen Qualitäten überzeugen.

Applaus ist angebracht

"Spider-Man: Homecoming" verzichtet auf eine neuerliche Origin Story des Superhelden (die wurde praktisch im Schnelldurchlauf in "Civil War" erledigt) und investiert die gewonnene Zeit in eine Vielzahl spannender Haupt- und Nebencharaktere. Neben einem grandiosen Spider-Man und einem großartigen Schurken wird so etwa ein hochinteressanter, erfrischend ungewöhnlicher Love Interest aufgebaut. Bei alldem wird manchem Marvel-Fan vor allem in der ersten Hälfte des Films die Action ein wenig zu kurz kommen - ein verkraftbares Opfer. Viel Humor, zahlreiche Insider und eine bis ins kleinste Detail perfekte Besetzung sorgen für einen perfekten Mix aus Highschool-Komödie und Superhelden-Movie. Ach ja, und die Post-Credits-Scene ist eine der witzigsten in der Geschichte des Marvel-Kinouniversums...

"Spider-Man: Homecoming" startet am 14. Juli 2017 in den österreichischen Kinos.

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