Nach einer halbwegs ruhigen Nacht ist die Lage an der Grenze zu Slowenien erneut eskaliert: Als die Polizei aufgrund des großen Drucks die Absperrungen öffnete, verließen hunderte Flüchtlinge in Spielfeld das Lager unkontrolliert. Der Druck sei dort zu groß gewesen, hieß es vonseiten der Polizei. Am Nachmittag konnten endlich Busse weiterfahren, das Bundesheer schickt mehr Soldaten. Am Nachmittag machten sich Innenministerin Mikl-Leitner und Verteidigungsminister Klug ein Bild der Lage.
Gegen 20.00 Uhr saßen immer noch 2.000 Flüchtlinge vor dem Lager in Spielfeld.
Die Nacht auf Donnerstag in Spielfeld verlief ruhig, allerdings mussten viele Flüchtlinge die Nacht im Freien verbringen, weil die Zelte voll belegt waren. In den frühen Morgenstunden kamen wieder laufend Flüchtlinge in Gruppen zur Grenzkontrolle und Registrierung.
Auch Donnerstagabend warteten noch immer 2.000 Menschen vor dem Lager in Spielfeld. Mit einem Abreißen des Flüchtlingsstroms wird in den nächsten Stunden nicht gerechnet - in der Nacht auf Freitag werden weitere Menschen erwartet.
Das Bundesheer hat am Donnerstagnachmittag Fahrzeug- und Menschenketten gebildet um die Flüchtlinge in geordneten Bahnen in die Busse zu leiten. Bewusstlose werden vom Roten Kreuz versorgt. Gegen 15 Uhr trafen Innenministerin Mikl-Leitner (ÖVP) und Verteidigungsminister Klug (SPÖ) in Spielfeld ein, um sich ein Bild der Lage zu machen.
Neue Zelte, wartende Busse
Bis zum Nachmittag befanden sich rund 4.000 Menschen an der Grenze. Sie werden in die Erstversorgungsstelle weitergeleitet. Um etwa 8 Uhr in der Früh rollten die ersten Busse an, diese konnten jedoch erst gegen 12.30 Uhr losfahren. Für heute ist der Aufbau von zwei weiteren beheizbaren Großzelten geplant, da ansonsten viele Menschen wieder die Nacht im Freien verbringen müssten.
Polizei öffnete Absperrungen
Die Ereignisse haben sich um kurz vor 10 Uhr aber überschlagen, als die Polizei die Absperrungen öffnete, weil der Druck zu groß war. Man wollte Verletzungen verhindern, hieß es. Hunderte Flüchtlinge verließen unkontrolliert das Lager. Schon einige Hundert Meter später versuchte die Polizei die Menschen zur Umkehr zu bewegen. Nicht alle taten das.
Straßen und Züge gesperrt
Die B67 bleibt bis Straße gesperrt, abschnittsweise muss auch die A9 Phyrn Autobahn immer wieder abgeriegelt werden, da Flüchtlinge auf der Fahrbahn gehen. Das Bundesheer informierte die Flüchtlinge per englischer Lautsprecherdurchsage, dass es noch 700 Kilometer bis nach Deutschland sind. Auch die Zugstrecke Sentilij-Spielfeld-Leibnitz musste gesperrt werden.
Busse fuhren erst zu Mittag
Aufgrund der wegen den zu Fuß gehenden Flüchtlingen gesperrten Straßen geriet der geordnete Weitertransport per Bus ins Stocken. Erst um 12.30 Uhr konnte der erste Bus Richtung Norden abfahren, es standen 130 Busse bereit. Das sind mehr als zu Spitzenzeiten im burgenländischen Nickelsdorf eingesetzt wurden.
Slowenien will EU-Polizisten zur Unterstützung
Laut Informationen aus Slowenien wurden auch im Verlauf des heutigen Tages . Das slowenische Innenministerium hat am Donnerstag um mehr Polizisten aus EU-Staaten gebeten, um mit dem Flüchtlingsstrom fertig zu werden. An der Grenze zu Kroatien mussten Flüchtlinge 10 Kilometer zu Fuß ins nächste Lager gehen, sämtliche Aufnahmestellen in Slowenien sind überfüllt.
Schützenhöfer verhandelte mit Ministerium
Der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer hat nach den
"Der Staat muss die Grenzen für seine Bürger schützen, und das tut er nicht", so der Landeshauptmann in einem Interview mit "Steiermark Heute". Angesichts der momentan brisanten Lage an der Staatsgrenze zu Slowenien sei es für ihn nicht denkbar, dass tausende Menschen über die Grenzen marschieren, ohne dass sie gefragt werden "Wohin wollt ihr? Woher seid ihr?".
Mehr Soldaten in Spielfeld
Schützenhöfer stellte allerdings klar, dass er die Grenzen lediglich sichern, aber nicht dichtmachen wolle. Deshalb fordert er von der Regierung mehr Polizei und Soldaten zum Schutz der Grenze. Dieser Aufforderung wurde am Mittag entsprochen, Innenministerin Johanna Mikl-Leitner verspricht eine Aufstockung auf 700 Bundesheer-Soldaten in Spielfeld (derzeit sind 508 Soldaten vor Ort).
Bad Radkersburg, Bezirk Südoststeiermark
In Bad Radkersburg konnte die Erstversorgungsstelle bis zum Abend geleert werden. Während der Nacht gab es keinen Flüchtlingszugang. Laut Auskunft aus Slowenien muss jedoch im Verlauf des 22. Oktober 2015 wieder mit dem Zustrom von Flüchtlingsgruppen gerechnet werden. Auch hier erfolgt der Abtransport mittels Bussen.