Weltweiter Betrug mit Lego-Bausteinen aufgeflogen

Spielsteine eines bekannten Herstellers in den Händen von Kindern. (Symbolbild)
Spielsteine eines bekannten Herstellers in den Händen von Kindern. (Symbolbild)iStock/Ekaterina79
Ein Bagatelldelikt ließ das kriminelle Treiben eines Kärntner Spielzeughändlers wie ein Kartenhaus zusammenbrechen. Es gibt Geschädigte in aller Welt.

Alles begann mit einem vermeintlichen Bagatelldelikt. Ein Geschädigter hatte der Polizeiinspektion Annabichl in Klagenfurt am Wörthersee einen Betrug in der Höhe von 241 Euro angezeigt. Bei den folgenden Ermittlungen stießen die Beamten aber auf immer mehr Hinweise kriminellen Verhaltens des Tatverdächtigen. Sie waren etwas Großem auf der Spur.

"In akribischer kriminalistischer Kleinarbeit" konnte dann laut Bericht der Landespolizeidirektion Kärnten vom heutigen Donnerstag mehrfacher schwerer Betrug mit einer Schadenssumme jenseits von 300.000 Euro geklärt werden.

Die Ermittlungen gegen den tatverdächtigen 23-Jährigen – er betreibt ein Spielwarengeschäft in Klagenfurt sowie einen Online-Versand – hatten bereits im Juni begonnen. Dabei stellten die Gesetzeshüter fest, dass der Mann mehrere Firmen auf der ganzen Welt, unter anderem aus China, Holland, Deutschland, Ungarn, Slowenien, Amerika, aber auch Österreich schädigte.

Billigangebot als Köder

Der 23-jährige verkaufte im Sommer 2019 mehrere Paletten mit Sets aus Bausteinen von Lego, dem weltgrößten Spielwarenhersteller, an zwei Großhändler aus Hongkong und den Niederlanden um 34.000 Euro. Diese Sets wurden um etwa 10 bis  20 Prozent unter dem Listenpreis angeboten und auch tatsächlich mit Verlust verkauft.

Diesen Verlust nahm der junge Schwindler aber in Kauf, da er anbot, weiterer hunderte Stücke dieser Sets zu diesem Preis verkaufen zu können. Dadurch hat er das Vertrauen dieser beiden Kunden gewonnen und sie so zu weiteren Überweisungen veranlasst, da in diesem Großhandel die Vorauskasse üblich ist. Da die erste Lieferung problemlos erfolgte, wurde die Zahlung in der Höhe von 172.000 Euro geleistet. Lieferung wurde dann aber keine mehr durchgeführt.

Spielsand statt Bausteine

Im Juni 2020 versendete der 23-jährige an zwei Käufer aus China via Luftfracht mehrere Palletten mit Spielsand, um das Gewicht für den Frachtbrief der Spedition auf das Niveau einer tatsächlichen Lieferung zu bringen.

Auch hier wurde im Vorfeld angegeben, im Besitz der bestellten Ware (3 x 200 Stück Spielsets) zu sein. Auch diese hatte er ebenfalls unter dem Verkaufspreis angeboten. Jedoch wurden hier keine Teillieferungen nach Hongkong versendet, sondern gleich der Spielsand.

Nach Beschwerden der Geschädigten täuschte der 23-jährige mit gefälschten Kopien von Buchungen die Schadenswiedergutmachung vor, um vermutlich Zeit zu gewinnen. Schadenshöhe circa 46.000 Euro.

Für weiteren Betrug gerüstet

Aufgrund der umfangreichen Ermittlungen konnten die Polizisten auch in Erfahrung bringen, dass der 23-Jährige insgesamt 39 Säcke des versendeten Spielsand gekauft hatte. Bis dato wurden über 350 Seiten E-Mail Verläufe gesichtet, worin deutlich hervorgeht, dass der Verdächtige gegenüber den Geschädigten angab, dass er die Ware lagernd und versandfertig hat.

Dieser Spielzeugsand wurde anstatt der bestellten Spielesets verschickt.
Dieser Spielzeugsand wurde anstatt der bestellten Spielesets verschickt.LPD Kärnten

Insgesamt stand der Kärntner mit 13 Großhändlern in Deutschland, Tschechien, Dänemark, Slowenien und Österreich in geschäftlicher Beziehung. Bei Gesprächen mit sämtlichen Händlern bzw. Zulieferern konnten die Ermittler zweifelsfrei feststellen, dass der 23-jährige niemals im Besitz der versprochenen Spielesets war.

Dutzende Geschädigte

Im Laufe der Nachforschungen wurden noch weitere größere Geschädigte und einige kleine Geschädigte (ca. 30 Personen) ermittelt. Diesbezüglich sind die Erhebungen jedoch noch nicht abgeschlossen, da immer wieder Anzeigen aus allen Teilen Europas und Amerikas einlangen. Bei den kleineren Geschädigten handelte es sich um Kunden welche die Ware über den Onlinehandel des Verdächtigen bestellten. Gesamtschadenssummer dieser Betroffenen beträgt circa 100.000 Euro – "Tendenz steigend", so die Ermittler.

Auf Aufforderung der Austro-Behörden erstatteten auch die chinesischen Geschädigten offiziell Anzeige in Hongkong. Diese Anzeigen wurden im Original an die PI Annabichl weitergeleitet und von einem Dolmetscher übersetzt. Eine 48-jährige Geschädigte reiste extra aus Holland an, um ihr Aussage persönlich auf der Polizeiinspektion Annabichl zu tätigen.

300.000 Euro weg

Von den betrügerisch herausgelockten Bargeldbeträgen über 300.000 Euro fehlt jede Spur. Trotz durch die Staatsanwaltschaft angeordneter Kontoöffnungen konnte noch kein namhafter Betrag gefunden werden. Dem Antrag für die Untersuchungshaft und Hausdurchsuchung wurde stattgegeben. Bei einer durchgeführten Hausdurchsuchung konnten Schriftstücke vorgefunden werden die auf weitere Opfer schließen lassen. Diesbezüglich sind noch weitere Erhebungen erforderlich.

Der 23-jährige wurde am 14. Oktober 2020 festgenommen und sitzt nun in einer Justizanstalt ein.

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