Österreich

Spital überfüllt: Baby lag mit Masern-Patient im Zimmer

Ein sechs Monate alter Bub kam mit dem Verdacht auf Angina ins LKH Graz. Er musste aus Platzmangel das Zimmer mit einem Einjährigen mit Masern teilen.
Sandra Kartik
02.03.2023, 05:46
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Eine Steirerin ist außer sich: Vor genau zwei Wochen musste sie mit ihrem jüngsten Sohn ins Spital, weil Verdacht bei ihm auf Angina bestand. Der sechs Monate alte Bub musste am 16. Februar deshalb eine Nacht in der Kinderklinik des LKH Graz verbringen. Wie seine Mutter viel zu spät erfuhr, musste sich ihr kranker Säugling in dieser Nacht ausgerechnet mit einem hochansteckenden Masern-Patient das Zimmer teilen. Der Einjährige gilt als "Masern-Patient Nummer eins". Mindestens zehn weitere Kinder haben sich in der Steiermark von ihm angesteckt.

Baby war noch nicht geimpft

"Wie kann es sein, dass mein sechs Monate altes Baby, das ich noch nicht gegen Maser impfen darf, in einem Raum mit einem hochinfektiösen Kind untergebracht ist? Der fremde Bub hatte schon in der Nacht auf Freitag starken Husten, Schnupfen, eine Augenentzündung und Fieber. Er hat durchgängig geweint. Ich habe gefragt, aber er wurde nicht verlegt", erzählt die Mutter der "Kleinen Zeitung" erbost.

Ernst Eber, Leiter der Uniklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, bemühte sich in der Zeitung um einen Erklärungsversuch: "Den typischen Masern-Ausschlag bekam der einjährige Bub erst in der Nacht von Freitag auf Samstag, am Samstag haben wir ihn dann natürlich auf Verdacht isoliert". Die beiden Kinder waren unglücklicherweise auch zuvor gleichzeitig in der Ambulanz zusammen. "Das war doppeltes Pech", bedauert Eber.

Platzmangel und späte Erkennung von Masern

Der Grund für die Zusammenlegung der kleinen Patienten sei in erster Linie der Platzmangel im Spital gewesen, so der Leiter weiter. "Wenn unsere Klinik voll belegt ist, können wir selbst fiebernde Kinder nicht woanders unterbringen. Das ist nicht ideal, aber dann fehlt der Platz."

Er verstehe den Ärger der Mutter, betont jedoch: "Das Tückische bei Masern ist leider auch, dass man es nicht sofort erkennt." Soweit bekannt, hat sich das Baby glücklicherweise nicht mit Masern angesteckt.

Mehr zum Thema
Jetzt E-Paper lesen