Nichts wurde es aus der angekündigten Einigung der SPÖ nach dem verpatzten Sonderparteitag Anfang Juni. Auch unter Andreas Babler als Vorsitzenden scheint die Partei weiterhin mit internen Themen beschäftigt zu sein. Marxismus-Aufregungen, weiteren Querschüssen aus dem Burgenland und die Wiener Kleingarten-Affäre kratzen erneut am Image der Partei. Zu allem Überfluss zog sich Wiens Bürgermeister Michael Ludwig aus den SPÖ-Gremien zurück.
In den kommenden Tagen soll im Zuge eines Parteitags ein Neuanfang geschaffen werden, um geschlossen ins Wahljahr 2024 zu gehen. Bereits am heutigen Freitag kommt es zu einer Bundesfrauenkonferenz der SPÖ unter dem Motto "Halbe, halbe". Konkret sollen mögliche Strategien zur Schließung der Lohnlücke in Österreich besprochen werden. "'Halbe, halbe' heißt gerechte Aufteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit", betont SPÖ-Frauensprecherin Eva-Maria Holzleitner im "Morgenjournal" auf Ö1 die Notwendigkeit der diskutierten Thematik. "Frauen leisten immerhin den Großteil der Kinderbetreuung und der Pflege."
Als Vorbild könnte dabei die gesetzliche Lohntransparenz in Island dienen. "Die Lohnschere zwischen den Geschlechtern wurde in Island extrem schnell geschlossen. Dadurch wurde die Lohndifferenz geringer und die Gehälter der Frauen stiegen", so Holzleitner. Trotz einer Richtlinie der EU würde die Bundesregierung laut der SPÖ-Politikerin "auf den letzten Drücker warten". "Unsere Frauenministerin und der Arbeitsminister sollten im Blick haben, dass die Lohnschere immer weiter auseinandergeht", zeigt die Frauensprecherin der SPÖ wenig Verständnis.
Vor dem Parteitag muss Holzleitner eingestehen, dass ihre Partei in den vergangenen Monaten "einiges an Vertrauen verloren hat". "Wir müssen das nun zurückgewinnen", stellt die Oberösterreicherin klar. Ein guter Weg sei dabei der persönliche Kontakt von Parteichef Babler, der im Rahmen seiner Comeback-Tour durch ganz Österreich reiste. Genau diesen Weg müsse man jetzt gemeinsam weiter bestreiten und "an einem Strang ziehen".