Der (selbst gebraute) Kaffee ist ihm zu stark. Macht nichts, da muss er durch. Schließlich braucht es für die neue Spielzeit mit sechs Opern- und drei Ballettpremieren ein waches Oberhaupt. Ein Gespräch über saubere Schuhe, gute Taten und die Vater-Sohn-Beziehung.
Der (selbst gebraute) Kaffee ist ihm zu stark. Macht nichts, da muss er durch. Schließlich braucht es für die neue Spielzeit mit sechs Opern- und drei Ballettpremieren ein waches Oberhaupt. Ein Gespräch mit Staatsopern-Chef über saubere Schuhe, gute Taten und die Vater-Sohn-Beziehung.
"Heute": Anpfiff zu Ihrer zweiten 5-jährigen Amtszeit in Wien. Was wollen Sie besser machen?
Meyer: Ich kenne das Haus und das Publikum jetzt besser. Und wir hatten auch endlich Zeit, um mehr im zeitgenössischen Bereich vorzubereiten.
"Heute": Oft wird ja über Ihre angeblich mangelnde Liebe zu zeitgenössischer Oper geunkt…
Meyer: Es war immer geplant, aber es braucht Zeit. Bestimmte Leute haben keine Geduld.
"Heute": Sind Sie geduldig?
Meyer: Sehr. Manchmal ist mein Geduldsfaden sogar zu lang.
"Heute": Und dann reißt er irgendwann und Sie explodieren?
Meyer: Nein. Ich denke nicht, dass mich im Haus schon jemals einer laut werden hörte. Explosionen lösen ja keine Probleme.
"Heute": Sie sind sehr oft im Haus. Frei nach dem Motto: Wenn die Katze zu Hause ist, tanzen die Mäuse nicht auf dem Tisch?
Meyer: Ich bin einfach lieber hier als woanders. Aber ja, wenn ich eine Vorstellung von der Bühne aus mitverfolge, bemerke ich schon gewisse Dinge. Ob zu laut getratscht wird, ob der Publikumsdienst saubere Schuhe hat. Auch das ist meine Pflicht hier, ich bin ja der Hausherr.
"Heute": Sie suchen für Ihre zweite Ära keinen neuen Generalmusikdirektor. Lässt das den Umkehrschluss zu, dass Franz Welser- Mösts Posten in den letzten Jahren obsolet war?
Meyer: Nein. Aber im bestehenden Kalender könnte man für keinen GMD Platz schaffen, es ist alles auf Jahre durchgeplant. Er hätte die erste Wahl bei Dirigaten, man müsste so alles umwerfen und Verträge brechen.
"Heute": Mit 99 % Auslastung ist das Haus erfolgreicher denn je. Machen Sie Oper für Österreicher oder für Touristen?
Meyer: Das Verhältnis ist 70 zu 30, das heißt: Österreicher lieben ihre Oper und die Touristen kommen bewusst in die Oper. Wir sind für die Wirtschaft der Stadt also enorm wichtig.
"Heute": Entsprechen die Subventionen der tragenden Rolle?
Meyer: Die Umwegrentabilität steht bei Budgetverhandlungen leider nicht zur Debatte. Aber ab 2016 gibt’s die dringend notwendigen 14 Mio. Euro mehr für die Bundestheater, das muss jetzt aufgeteilt werden.
"Heute": Das Zelt auf dem Dach musste weg, das Theater Walfischgasse wird zum Mekka für Kinderoper. Bitte um Details.
Meyer: Bald präsentieren wir das. Die Bühne heißt jetzt Studiobühne, da wird’s auch Demonstrationen der Ballettschule, Künstler- Sprechstunden und Vorträge geben.
"Heute": Geht Ihr Sohn Nicolas (19) auch so gerne in die Oper?
Meyer: Ja, hier im Büro liegt auch seine feine Kleidung. Er macht sich für die Oper gerne schön, nur draußen zeigt er sich ungern so. Und: Wir planen auch gemeinsam ein Buch, „Musikalische Spaziergänge“.
"Heute": Was tut Ihr Haus für Flüchtlinge?
Meyer: Es lief eine Spendenaktion und wir planen etwas Größeres. Es braucht nur eine Lücke im Spielplan. Die erste Saison-Premiere ist „Macbeth“ am 4. Oktober.