Stadt startet Präventionsprogramm

Integrationsexperte Kenan Güngör betreut das Pilotprojekt der Stadt Wien
Integrationsexperte Kenan Güngör betreut das Pilotprojekt der Stadt WienBild: Denise Auer
Die Stadt Wien testet das Pilotprojekt "Respekt: Gemeinsam Stärker" mit Integrationsexperten Kenan Güngör gegen weltanschauliche und kulturelle Abwertung.
Die Stadt Wien startet die Pilotphase des Präventionsprogramms "Respekt: Gemeinsam Stärker" für Wiener Schulen mit besonderen Herausforderungen. Die Entwicklung des Programms wird der unabhängige Integrationsexperte Kenan Güngör begleiten. Das haben Bürgermeister Michael Ludwig und Grünen-spitzenkandidatin, zukünftige Vize-Bürgermeisterin Birgit Hebein am Dienstag bekanntgegeben.



Gegen Mobbing, Fokus auf Mädchen

Rund 1,2 Millionen Euro Budget werden in dieses Projekt investiert. Ab sofort startet die Pilotierung gegen "Hass und Abwertung in den Schulen" von Integrationsexperten Güngör gemeinsam mit unterschiedlichen Magistratsabteilungen. Besonderer Fokus werde dabei auf Mädchen und Mobbing gesetzt.

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. Bis Sommer wird das Programm entstehen, ab Februar soll der Test an 5-10 Wiener Schulen durchgeführt werden. Die ausgewählten Schulen werden Neue Mittelschulen oder Polytechnische Schulen sein, die Kinder in einem Alter von 10-16 Jahren alt.

"Wir wollen den Konflikt in der Schule nicht entstehen lassen", betont Bürgermeister Michal Ludwig (SPÖ) zu Beginn der Pressekonferenz. Daher möchte man dort ansetzen, wo Abgrenzung beginne, nämlich in der Schule. Das neue Präventionsprogramm soll ergänzend zu den bereits laufenden Projekten, wie den Schulkooperationsteam, agieren.

Grünen-Spitzenkandidatin Brigit Hebein betont Zukunft und nicht Herkunft als maßgebenden Faktor

"Nicht die soziale Herkunft, sondern die Zukunft zählt!", stellt Grünen-Spitzenkandidatin und künftigen Vizebürgermeisterin Hebein im Zuge der Pressekonferenz klar. "Nicht das Einkommen, die sexuelle Orientierung, die Religion oder die Weltanschauung soll über den Werdegang der Menschen entscheiden", so die Grünen-Chefin."Es geht um Mobbing im Netz, Diffamierung, Ausgrenzung aufgrund von Religion und Weltanschauung", ergänzt sie.

Integrationsexperte Kenan Güngör präsentierte Konzept



"Die Schulen sind einer der zentralen Orte, wo die sozio-kulturelle, sprachliche und religiöse Pluralität sichtbar und spürbar wird. Sie ist die Normalität an unseren Schulen und nicht die Ausnahme. Daher müssen unsere Schulen gestärkt werden damit sie mit den Qualitäten aber auch den Schattenseiten dieser Pluralität gut umgehen können. Um den weltanschaulichen, religiös-kulturellen Problemen in den Schulen zu begegnen, braucht es ein Miteinander der Bildungspartner und kein Ausspielen gegeneinander, wie es häufig der Fall ist."

Was sind die Probleme?

Man arbeite gegen Diskriminierungen und Abwertungen, Mobbing, Sexismus, Homophobie, Nationalismus, Antisemitismus, Muslimfeindlichkeit, Westfeindlichkeit sowie problematische Frauen- und Männerbilder.

Wie will man dagegen ankämpfen?

Der Integrationsexperte präsentierte das "Viereck von Schüler, Lehrerinnen, Eltern und Schulkultur". Es geht um einen Dialog zwischen diesen agierenden Akteuren um präventiv gegen Abwertung zu arbeiten. "Oft werden Eltern ausgeblendet, doch vor allem ihr Einfluss auf die Rollenbilder und Abwertungen sei nicht zu unterschätzen", so der Experte.

Fünf Schritte führen zum Leitbild

1. Schüler werden in einem ersten Schritt ein sicherer Raum für Fragen, Austausch und Anliegen gegeben.

2. In einem zweiten Schritt sollen sie über kreative Kunstprojekte und Wettbewerbe neue Zugänge zu den Themen kommen. Etwa in dem sie Filme machen, Theaterstücke produzieren.

3. In einem dritten Schritte werden die Schüler, die wollen selbst zu Mediatoren ausgebildet. Sozusagen als Klassensprecher gegen Gewalt, diese werden eine Ausbildung erhalten, wie man zum Beispiel Empathie stärkt, und wie man falschen Geschlechterrollen und Abwertungen entgegenwirkt.

4. Im vierten Schritt werden Lehrer involviert. Sie erhalten Workshops und professionelle Supervision für Pädagogen, sowie Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen im Bereich von Religion, Migration, Integration und menschenfeindlichen Ideologien.

5. In einem 5. Schritt werden die Eltern involviert. Hier werden Zielgruppenbezogene Veranstaltungen angeboten, Workshops und Beratungen für die Themen: Kommunikation in der Familie, Vorbildverhalten, Geschlechterbilder, Gewaltfreie Erziehung, Reflexion des Glaubens und Glaubenspraxis.

Die Ergebnisse dieser fünf Schritte sollen zu einem Leitbild für ein harmonievolles "Miteinander an der Schule" sorgen und zu einer Neuentwicklung und Anpassung der Schule.

Basis der Arbeit: Studie "Think-Difference" zu Problemen der Schule

Als Basis seiner Arbeit werde Kenan Güngör auch die Resultate der "Studie des Bildungsministeriums für den religiös-kulturell begründeten Herausforderungen in öffentlichen Schulen unter Berücksichtigung des Islams und pauschalisierenden Abwertungen" heranziehen. Diese läuft seit 2018. Lehrer in ganz Österreich werden dazu online befragt. Man wird hier erstmals über die spezifischen Probleme der Klassenzimmer in Wien Bescheid wissen. Teilergebnisse dieser Studie sollen im Laufe des Jahres präsentiert werden.

Magistratsübergreifende Zusammenarbeit

Das Programm wird in Verantwortung von Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky und Frauenstadträtin Kathrin Gaal mit der Kinder- und Jugendhilfe (MA 11), der Jugendabteilung (MA 13), der Integrationsabteilung (MA 17), dem Frauenservice Wien (MA 57) sowie der Bildungsdirektion erarbeitet und soll im Laufe des Schuljahres 2019/20 in fünf bis zehn Neuen Mittelschulen und Polytechnischen Schulen in einer Pilotphase getestet, evaluiert und ausgerollt werden.

(no)

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