Stau-Augenzeuge: "Streit, Gewalt und Bett auf Autobahn"

12 Stunden Stau - Katastrophale Umstände, Nahrung und Wasser wurden knapp. 
12 Stunden Stau - Katastrophale Umstände, Nahrung und Wasser wurden knapp. Kroatische Tageszeitung "24 Sata"
Ein Stau-Augenzeuge berichtet über unglaubliche Zustände an der Grenze: Eskalierende Streitereien, wirre Anweisungen, Wut, blockierte Rettungsgassen.

Die neue Bundesverordnung, die mit Samstag in Kraft getreten ist, sorgte in Österreich für Stau und Chaos an der Grenze. Wartezeiten von bis zu 12 Stunden trieben Reisende zur Weißglut.

Am Sonntagvormittag erreichte die "Heute-Redaktion" ein E-Mail eines Stau-Augenzeugen, in dem er sein Entsetzen über die Zustände am slowenisch-österreichischen Grenzübergang äußert.

Der Augenzeuge befand sich auf der Durchreise nach Deutschland und hat über elf Stunden am slowenisch-österreichischen Grenzübergang warten müssen. In diesen Stunden passierte so einiges: Der Leser berichtet über erhitzte Gemüter und Streitereien zwischen Autofahrern.

Die ganze Organisation hat offensichtlich nicht so ganz funktioniert. Der Augenzeuge ist empört über die "wirren Anweisungen der slowenischen Polizei". Diese hätten sich stündlich geändert, niemand hätte sich ausgekannt. Die Wut der im Stau Steckenden sei dadurch nur noch größer geworden. Die Nerven lagen blank.

Nutzung der Rettungsgasse

Überrascht und gleichzeitig schockiert sei der Zeuge über die Tatsache gewesen, dass die slowenische Grenzpolizei angeordnet habe, auch die Rettungsgasse zu nutzen.

"Wir weigerten uns dagegen, da es für uns unverantwortlich erschien", schreibt der Durchreisende.

Doch nicht alle Verkehrsteilnehmer schienen solch ein Verantwortungsbewusstsein zu haben. Viele hätten hier ihre Chance gesehen, sich einige, wertvolle Minuten Vorsprung zu holen, dementsprechend schnell hätte sich die Rettungsgasse auch gefüllt.

"Die Szenen, die sich auf Grund dieser Meinungsverschiedenheiten abspielten, waren unbeschreiblich", berichtet der Augenzeuge.

Neben diesen „Meinungsverschiedenheiten“ sei es auch zu Streitereien gekommen, weil andere Autofahrer probiert hätten, die Rettungsgasse zu blockieren. Grund: Sie wollten vermutlich diejenigen, die ihre Chance witterten, schneller voranzukommen, daran hindern. Es sei dadurch zu Zusammenstößen gekommen, "die natürlich im Streit endeten".

Dem Reisenden zufolge sei das Verhalten vieler auf Müdigkeit und Fassungslosigkeit zurückzuführen. Teilweise seien Meinungsverschiedenheiten und auseinandergehende Ansichten mit Gewalt geklärt worden.

Wut und Fassungslosigkeit

Entsetzt ist der Augenzeuge vor allem über eine Tatsache: "Etwas derartiges hatten wir noch nie erlebt. Unglaublich, dass die Regierung von Österreich dabei so lange tatenlos zugesehen hat und auch noch selbst der Grund für diesen Horror ist."

LH Peter Kaiser greift ein

Die geschilderten Begebenheiten und Umstände haben Kärntens Landeshauptmann dazu veranlasst, etwas gegen den Megastau zu unternehmen. Am Sonntagmorgen ließ der Landeshauptmann Peter Kaiser die Kontrollen an den Grenzübergängen lockern. Aktuell hat sich die Situation etwas entspannt. In den Morgenstunden sprach die Polizei sogar von "flüssigem" Verkehr".

Gefahr im Verzug

Medienberichten zufolge habe Kaiser wegen Gefahr im Verzug angeordnet, dass bei Durchreisenden nur noch stichprobenartige Kontrollen durchgeführt werden. "Das Menschenwohl steht da im Mittelpunkt", so Kaiser.

Kaiser wies das Gesundheitsministerium darauf hin, dass die Durchführung der neuen Verordnungen untragbare Zustände hervorgerufen haben. Offenbar waren nicht nur die Reisenden negativ von den plötzlich eingeführten Verordnungen überrascht. LH Kaiser sagte nämlich: "Diese Verordnung war auch nicht abgesprochen. Wir werden morgen im Koordinationsgremium des Landes besprechen, wie wir weiter vorgehen."

Stau wird kleiner

Berichten zufolge beträgt der Stau im Karawankentunnel derzeit noch sieben Kilometer, die Wartezeiten haben sich auf etwa drei Stunden verkürzt. Am Grenzübergang Loiblpass seien es noch vier bis fünf Stunden Wartezeit.

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