Steirerin braucht angeblich Rollstuhl, war aber shoppen

Die 56-Jährige muss sich wegen versuchten schweren Betrugs vor Gericht verantworten.
Die 56-Jährige muss sich wegen versuchten schweren Betrugs vor Gericht verantworten.Getty Images/iStockphoto (Symbolbild)
Eine 56-Jährige soll nach einem Unfall vorgetäuscht haben, einen Rollstuhl zu benötigen. Ein Video zeigt sie beim Einkauf – mit hohen Schuhen. 

Kurioser Fall am Grazer Straflandesgericht: Eine Grazerin (56) wird versuchter schwerer Betrug vorgeworfen. Die Frau soll seit einem Unfall im Februar 2015 auf den Rollstuhl angewiesen sein. Doch in einem Video ist die 56-Jährige in hohen Schuhen beim Einkaufen zu sehen.

Bei dem Unfall vor sieben Jahren fiel der 56-Jährigen in einer Mietwohnung der Stadt Graz eine Tür auf den Fuß. Seitdem behauptet die Steirerin, dass sie den Rollstuhl unbedingt benötigt. Sie forderte daraufhin Schmerzensgeld von der Stadt und mehr Pflegegeld, berichtet die "Kleine Zeitung".

"Die Angeklagte hatte Schulden. Daher kam es zum Entschluss, sich unrechtmäßig zu bereichern." - Staatsanwaltschaft Graz

Doch die Staatsanwaltschaft schenkt der Aussage der Grazerin keinen Glauben: "Die Angeklagte hatte Schulden. Daher kam es zum Entschluss, sich unrechtmäßig zu bereichern. Sie hat fälschlicherweise angegeben, an den Rollstuhl gebunden zu sein." Tatsächlich gab es durch den Unfall zwar Verletzungen, "die Frau ist aber nicht in ihrer Mobilität eingeschränkt".

Als Beweis legte Staatsanwältin Nina Ollinger ein Video vor. Dieses zeigt die 56-Jährige beim Shoppen – ohne Rollstuhl und in hohen Schuhen. "Wie erklären Sie sich selbst, dass es dieses Video gibt? Da haben Sie sogar hohe Schuhe getragen", so Ollinger zur Angeklagten. "Das waren orthopädische Schuhe. Außerdem habe ich da ein bestimmtes Medikament genommen", rechtfertigt sich die 56-Jährige. Es sei seit dem Unfall mit der Türe ihr einziger Spaziergang gewesen.

"Ein Sachverständiger sagt, dass sie ihre Schmerzen vergisst, wenn sie Medikamente nimmt. Dann kann sie kurzfristig gehen." - Verteidiger

Der Verteidiger bestritt die Täuschung durch seine Mandantin: "Ja, das Video gibt es, das ist richtig. Ein Sachverständiger sagt aber, dass sie ihre Schmerzen vergisst, wenn sie Medikamente nimmt. Dann kann sie kurzfristig gehen. Dennoch ist sie auf den Rollstuhl angewiesen."

Zudem habe seine Mandantin durch den Unfall eine zusätzliche Einschränkung erfahren." Private Gutachten würden zeigen, dass die Frau durch den Unfall Ängste und Panikattacken entwickelt habe: "Sie sieht Fenster und Türen herabstürzen. Oder sie glaubt, dass der Boiler mit heißem Wasser auf sie fällt. Es hat ein Schockerlebnis stattgefunden."

Psychiater stellte keine Belastungsstörung fest

Bereits im März 2021 fand der Prozessauftakt statt. Damals erlitt die Frau eine Panikattacke, war danach verhandlungsunfähig. Ein Jahr lang brachte die 56-Jährige laut Richterin Michaela Lapanje keinen Termin mit dem Sachverständigen zustande. "Sie lassen sich überall untersuchen, aber die Ärzte finden nichts", meinte Lapanje zur Beschuldigten. 

Auch der psychiatrische Gutachter, Manfred Walzl, konnte bei der Steirerin nichts Gravierendes feststellen: "Es war ein Normalbefund, da war bei ihr keine Rede von einer posttraumatischen Belastungsstörung", fasste er beim ersten Gerichtstermin zusammen. Zeugen, die die auf den Rollstuhl Angewiesene beim Gehen gesehen haben sollen, werden noch diese Woche aussagen. 

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