Überlebende singen über den Holocaust

Ein Jahr hat David Rubin mit Shoah-Überlebenden an einem Musikalbum gearbeitet. Die Gespräche verarbeitete der Wiener zu Liedern, die die Überlebenden selbst einsangen. Jetzt wurde die CD präsentiert.

„Wer gestern noch mein Freund war, ist heut' mein Feind. Der liebe Nachbar, mit dem Hakenkreuz erscheint. Bestohlen und ausgehoben, der Tempel brennt, mein Vater abgeschoben, von uns getrennt. In einem Blechbehälter kehrt er heim, anbei der ausgestellte Totenschein."

So beginnt das Lied „Nie vergessen, nie verstehen", gesungen von Herbert Schwarz.

In seinem Song erinnerte sich Schwarz an den sogenannten Anschluss im Jahr 1938 und die Zustände in den vier Konzentrationslagern, die er überlebt hat.

Eine der insgesamt zehn Überlebenden, die Rubin auf „Sternkinder" künstlerisch verewigt hat, ist Helga Pollak-Kinsky (88). Für sie hat er „Theresienklang" geschrieben. Darin singt Pollak-Kinsky selbst über die hohe Dichte an Intellektuellen, Musikern und Sängern, die sie im KZ Theresienstadt in den Tod gehen sah: „Leise brennt die Partitur, verendet die Kultur, es fehlt der letzte Akt, die Stücke fallen aus dem Takt."

Am Mittwochabend wurde das berührende Album im "Book Shop Singer" am Rabensteig 3 präsentiert. Beim Release anwesend: Die gesamte Familie des Künstlers, Holocaust-Überlebenden Helga Pollak-Kinsky, Lucia Heilman, Herbert und Kitty Schrott, der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Oskar Deutsch, Bildungsexperte Daniel Landau sowie 100 Gäste und Medienvertreter.

"Mit meiner Musik wollte ich einen anderen Zugang zum Holocaust für junge Menschen finden"

"Heute" bat den Künstler vor die Kamera. Er sagt über sein Projekt: „Ich wollte die Shoah auf besondere Weise dokumentieren. Musik ermöglicht besonders jungen Menschen einen anderen Zugang zu Shoah. Musik kann mehr bewirken als trockene Texte in Geschichtsbüchern."

Wie dringend die Zusammenarbeit mit den Zeitzeugen war, verdeutlicht ein Beispiel: Herbert Schwarz ist wenige Wochen nach der Aufnahme im Alter von 92 Jahren verstorben.

"Die Vergangenheit kann man nicht ruhen lassen"

Das Projekt enstand auch, weil Rubin den Satz „Man soll die Vergangenheit ruhen lassen" nicht mehr hören kann. „Das war für mich der Auslöser, das Album zu machen, denn die Erinnerung muss aufrecht erhalten werden." 18 Monate lang arbeitete der Wiener an „Sternkinder". Sein Anspruch war: „Die Texte sollen vermitteln, was die Überlebenden fühlten."

Wie Rubin auf den Titel des Albums kam? „Das ist an das Wort ,Sternenkinder' angelehnt. Das sind Kinder, die vor, während oder kurz nach der Geburt sterben. Als Jude war man im NS-Regime ja dem Tod geweiht. Überleben war Glückssache."

Das Album "Sternkinder"

„Sternkinder" ist ab dem 1. Februar im Buch- und Musikhandel (Hoanzl-Verlag) sowie zum Download von allen gängigen Musik-Plattformen erhältlich. Infos: sternkinder.at

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Maria Theresia von ÖsterreichWiener WohnenHolocaust

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