Stinkefinger-Selfie mit Salvini löst Shitstorm aus

Eine Passagierin sitzt im Flieger neben dem Lega-Chef Matteo Salvini. Kurzerhand streckt sie ihren Mittelfinger aus und macht ein Foto. Jetzt fürchtet sie um ihr Leben.

Matteo Salvini, der Chef der rechten Oppositionspartei Lega, liebt Selfies mit seinen Anhängern. An einem am Mittwoch entstandenen Schnappschuss dürfte der Politiker aber zunächst nicht viel Freude gehabt haben: Es zeigt ihn schlafend im Flugzeug, während seine Sitznachbarin mit erhobenem Mittelfinger neben ihm posiert. Die Botschaft der Passagierin an den Rechtspopulisten ist klar – seine Antwort darauf ließ nicht lange auf sich warten.

Die 19-jährige E. L. * und der ehemalige Innenminister sassen nebeneinander in einem Billigflug von Bari nach Milano. L., die sich auf Social Media "Gotica Sweet" nennt, postete wenig später das umstrittene Selfie auf ihrem Instagram-Account. Innert weniger Stunden ging das Foto viral – und so erfuhr wohl auch Salvini von seinem Glück.

Hasskommentare und Morddrohungen

Statt empört oder beleidigt zu sein, verbreitete der Politiker selber den Schnappschuss über seine Kanäle und schrieb dazu: "Es ist doch schön, in Begleitung von wohlerzogenen Persönchen zu reisen. Die gehen dann wahrscheinlich auch auf die Straße, um Hass, Gewalt und Frechheit zu bekämpfen." Damit spielt Salvini auf die erst im November entstandene junge italienische Protestbewegung der "Sardinen" an, die gegen Rechtspopulismus- und Extremismus demonstriert.

Das Foto hatte als zunächst die Lega-Senatorin Roberta Ferraro entdeckt. Sie teilte das Bild und bezeichnete die 19-jährige Studentin darin als "die Mutige des Tages". Bald folgten zahlreiche Hasskommentare auf Ferraros Beitrag: "Herzlichen Glückwunsch an die Eltern, die ihre Tochter so erzogen haben!", schrieb etwa ein User.

Kurz danach begann L. Morddrohungen und so viele hasserfüllte Nachrichten zu erhalten, dass sie sich auf Social Media zu Wort meldete. Sie sei kein Mitglied der "Sardinen"-Bewegung, stellt L. klar. "Ich danke Salvini jedoch, dass er meinen richtigen Namen bekannt gemacht hat und damit gesorgt hat, dass ich Einschüchterungen und sogar pornografisches Material bekomme."

E. L. alias "Gotica Sweet" hat mittlerweile ihre Accounts auf Twitter, Facebook und Instagram geschlossen.

* Name der Redaktion bekannt.

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