Stones in Spielberg: "Wo sind meine Gummistiefel?"

Schlammschlacht mit den Bluesrock-Göttern: Vor 95.000 Fans spielten die legendären Rolling Stones zum vielleicht letzten Mal in Österreich auf.

1965 quetschte sich Mick Jagger in die engste Röhrenhose, die er finden konnte, und brüllte "I can't get no satisfaction" ins Mikro. Seither haben die Burschen viel gesehen, hauptsächlich durch Whiskyglasböden und an Joints vorbei, mehr ekstatische Menschen als der Papst und am Samstag zum 15. und vielleicht letzten Mal ein Publikum in Österreich.

Vor 95.000 Fans staksten und schlurften die Rolling Stones zu den Tönen von "Sympathy for the Devil" auf die Bühne. Das Publikum stand bis zu den Knöcheln im Schlamm - aber immerhin, der angekündigte Regen war ausgeblieben. Mick, Keith, Ron und Charlie lockten eine große Bandbreite an Fans nach Spielfeld, vom Alt-68er mit den Enkelkindern bis zur Maturantenrunde. Es sind eben die Stones, die darf man sich nicht entgehen lassen, wer weiß, wie oft man die noch sieht.

Da war den Anhängern dann auch egal, dass Keith Richards öfters den falschen Akkord erwischte und beim ersten Song mehr gegen, als mit dem Teufel spielte. Und spätestens bei "Honky Tonk Woman" waren die alten Herren wieder voll im Groove.

"Wo sind meine Gummistiefel?"

Über weite Strecken präsentierten sich die Stones bluesig wie lange nicht. Besonders gut kamen freilich die großen Hits von Satisfaction bis zu Gimme Shelter an. Zwischen den Songs packte Jagger seine Deutschkenntnisse aus ("Im Oktober müsst Ihr wählen", "Wo sind meine Gummistiefel?"), was für Jubel sorgte. Vielleicht hätte ihm aber jemand sagen sollen, dass (so gut wie) kein Mensch in Spielberg wohnt und "Hello Spielberg" wohl nicht die gewünschte Wirkung entfalten würde.

Die Bühnenshow blieb insgesamt recht zahm. Bis auf das Schlussfeuerwerk verzichtete man auf Pyrotechnik und verließ sich auf vier gigantische Videowalls, die Live-Bilder mit Popart und Nachrichtenvideos aus den 60s und 70s vermischte. Mick Jagger hüpfte derweil energetisch wie eh und jeh herum. Man fragt sich, woher ein 74-Jähriger die Kraft schöpft, im vollen Lauf mit den Armen rudernd über die Bühne zu sprinten.

Die Fans bekamen jedenfalls genau das, was sie erwartet hatten: Die Stones als rockige oldschool-Bluesrockband garniert mit Best-of-Hits zum Mitgröhlen, präsentiert vom Archetypen des Rock'n'Roll-Frontmannes.

Die komplette Setlist vom Red Bull Ring:

Sympathy for the Devil

It's Only Rock 'n' Roll (But I Like It)

Tumbling Dice

Just Your Fool (Buddy Johnson and His Orchestra cover)

Ride 'Em on Down (Jimmy Reed cover)

Under My Thumb

She's a Rainbow

You Can't Always Get What You Want

Paint It Black

Miss You

Happy (Keith Richards on lead vocals)

Slipping Away (Keith Richards on lead vocals)

Midnight Rambler

Honky Tonk Women

Street Fighting Man

Start Me Up

Brown Sugar

(I Can't Get No) Satisfaction

Zugaben:

Gimme Shelter

Jumpin' Jack Flash

(pic)

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