Strache: ORF-Chef gab Tipp in Skinhead-Causa

Im Prozess FPÖ gegen ORF blieben am Dienstag alle Beteiligten weitgehend bei ihren Aussagen. Heinz Christian Strache bezeichnete Ex-ORF-Chefredakteur Walter Seledec als anonymen Tippgeber.

Im Prozess FPÖ gegen ORF im Wiener Landesgericht blieben am Dienstag alle Beteiligten weitgehend bei ihren Aussagen. Heinz Christian Strache bezeichnete Ex-ORF-Chefredakteur Walter Seledec als anonymen Tippgeber.

Strache, der als Zeuge aussagte, betonte weiterhin, ORF-Reporter Ed Moschitz habe zwei junge Glatzköpfe bei einer Parteiveranstaltung zur Wiederbetätigung animiert und anschließend die Videobänder manipuliert. Moschitz, der die FPÖ wegen übler Nachrede und Verletzung der Unschuldsvermutung klagt, bestritt dies weiterhin vehement, und auch einer der beiden Burschen wies die Vorwürfe am Vormittag zurück.

"Karriereschädigend"

Strache brachte einen bisher anonymen Tippgeber "aus der ORF-Direktion" ins Spiel. Konkret habe ihm der mittlerweile pensionierte zentrale Chefredakteur in der ORF-Generaldirektion, Walter Seledec, von "Aufregung" und einer Sitzung im ORF nach dem "Am Schauplatz"-Dreh am 12. März 2010 berichtet.

Damals hatte Reporter Ed Moschitz zwei jugendliche Skinheads zu einer FPÖ-Wahlveranstaltung nach Wiener Neustadt begleitet, wo Strache mit den beiden vor der Kamera zusammentraf. Im Zuge der Begegnung warf er Moschitz vor, die Burschen zu neonazistischen Sagern angestiftet zu haben.

Neben Seledec habe ihm ein weiterer ranghoher ORF-Mitarbeiter von der angeblichen Aufregung rund um den Dreh berichtet, sagte Strache. Diesen wolle er aber nicht nennen, da dies karriereschädigend sei.

 Außer diesem Detail blieben die argumentativen Fronten im Wesentlichen aufrecht. Strache betonte, er habe einen "Sieg Heil-Sager" gehört, Moschitz verwies auf die vier Tonspuren und die per Funkmikro verkabelten Burschen, deren Äußerungen bis ins Detail aufgezeichnet worden seien. Dass das Band manipuliert worden wäre oder er die Burschen zu einschlägigen "Sagern" animiert habe, wies er zurück. Man habe mit den Jugendlichen eine Milieustudie über Rechtsradikale gedreht und sie dafür über längere Zeit begleitet. Dafür habe es Aufwandsentschädigungen pro Drehtag in Höhe von jeweils 100 Euro gegeben. Insgesamt habe er an die Burschen  480 Euro gezahlt, was auch in die Buchhaltung eingeflossen sei.

Zeuge widerspricht FPÖ-Version

Auch einer der beiden Protagonisten, der Skinhead Philipp R., wies die FPÖ-Darstellung bei seiner Zeugenaussage vehement zurück. Von Strache halte er nach dem Vorfall "gar nichts" mehr, sagte der junge Mann, der sich auch sonst kein Blatt vor den Mund nahm.

Warum Strache die Vorwürfe erhoben habe? "Vielleicht weil er einen Hass auf den ORF hat, ich weiß es nicht." Wiederbetätigung habe es jedenfalls bei der Begegnung in Wiener Neustadt keine gegeben, sagte der junge Mann: "Ich schwör's bei meinem toten Hund, dass ich in Wiener Neustadt weder 'Heil Hitler' noch 'Sieg Heil' gehört oder gesagt habe." Nachsatz: "Daheim mach ich das jeden Tag."

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