Am Freitag wurde im Strasser-Prozess auch die Lebensgefährtin des ehemaligen Innenministers befragt. Sie sagte aus, dass sie vor einem Geheimdienst gezittert hätten und sich Strasser "diese Schweine" holen wollte.
Am Freitag wurde im Strasser-Prozess auch die Lebensgefährtin des Ex-Innenministers befragt. Sie sagte aus, dass sie vor einem Geheimdienst gezittert hätten und sich Strasser "diese Schweine" holen wollte. Außerdem sorgte ein an den Anwalt der englischen Journalisten, die als Zeugen auftreten sollen, für Aufregung.
Elisabeth K. (45) schilderte in aufgeregten Worten, wie sie und "der Ernst" vor einem Geheimdienst gezittert hätten, der sich ihrer Meinung nach an ihre Fersen geheftet hatte. Strasser habe ihr im Juli 2010 "am Küchentisch" von der Londoner Lobbying-Agentur Bergman & Lynch erzählt, die "mit einer Consulting-Tätigkeit" an ihn herangetreten sei. Ihr Partner habe diese für "nicht koscher" erklärt und ihr gesagt, dass es sich dabei um eine "Scheinfirma" handle.
Ihr und "dem Ernst" sei klar gewesen, dass es sich dabei um einen Geheimdienst handeln musste, zumal an den vorangegangenen Monaten in ihr gemeinsames Büro eingebrochen und ein Laptop gestohlen worden sei und das BVT an sie herangetreten war und vor Spionen gewarnt hätte.
"Diese Schweine hol' ich mir"
"Was soll's denn sonst sein außer a Dienst", habe Strasser über Bergman & Lynch gemeint, erzählte Elisabeth K. Bereits als Innenminister sei ihr Lebensgefährte "Zielobjekt" eines Geheimdiensts gewesen und damals vom BVT "schmählich" im Stich gelassen worden. Daher habe sie sich nicht gewundert, als er ihr nun mit den Worten "Ich brauch' hieb- und stichfeste Beweise, diese Schweine hol' ich mir" ankündigte, die vermeintlichen Agenten im Alleingang enttarnen zu wollen.
Sie habe sich gefürchtet, aber "der Ernst" habe sie beruhigt ("Ich hab' einen Weg gefunden, gib mir noch a bissl Zeit"), schilderte die 45-Jährige: "Mein Partner ist der erste Polizist in diesem Land gewesen. Ich war der Meinung, er weiß schon, was er tut." Als sich herausstellte, dass es sich bei den vermuteten Agenten von Bergman & Lynch um Enthüllungs-Journalisten handelte, sei Strasser "gelähmt" gewesen, so Elisabeth K.
BVT: Strassers Freundin habe um Hilfe gebeten
Im Unterschied zu ihren Angaben erläuterten die Zeugen vom Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT), Strassers Lebensgefährtin wäre an sie herangetreten und habe um Hilfe gebeten: "Sie hat sich besorgt gezeigt über das strategische Umfeld von Doktor Strasser". Von einem russischen Nachrichtendienst und "Unregelmäßigkeiten" sei zunächst die Rede gewesen.
Strasser wäre aufgrund seiner damaligen politischen Funktionen theoretisch womöglich von Interesse für einen Nachrichtendienst gewesen, es habe aber "kein konkretes Wissen, dass er eine Person ist, die im Fokus stehen könnte" gegeben. Man habe bei Strasser und seiner Partnerin "eine Sensibilisierung durchgeführt". Die Verfassungsschützer gingen aber offenbar nicht davon aus, dass der Ex-Innenminister von Spionen bedrängt wurde. "Für uns war damals nichts Konkretes dabei", deponierten die BVT-Beamten.