Wirbel in Wirtschaftskammer um Gäste an der Schank

In den letzten Tagen herrschte Großbetrieb in der Lokalszene am Yppenplatz in Wien.
In den letzten Tagen herrschte Großbetrieb in der Lokalszene am Yppenplatz in Wien.Erich Wessely
Die Kärntner WK preschte vor: "Gäste an der Theke erlaubt!" Andere Bundesländer rudern zurück: Die Sicherheitsabstände seien zu beachten.

Für Aufsehen hatte am Dienstag die Aussendung der Kärntner Wirtschaftskammer gesorgt: "WK-Gastro stellt klar: Gäste an der Theke erlaubt!" Stefan Sernad, Obmann der Kärntner WK-Fachgruppe Gastronomie stellte fest: „Für Gäste als auch Exekutive gibt es noch offene Fragen, wie Anfragen zeigen. Eine häufige war beispielsweise: Darf man an der Theke konsumieren? Die Antwort lautet ja, man muss dabei aber einige Dinge beachten.“

In letzter Minute sei es nämlich gelungen, noch eine Präzisierung in der Lockerungsverordnung zu erreichen. So lege die Verordnung nun fest, dass die Konsumation von Speisen und Getränken lediglich nicht in unmittelbarer Nähe der Ausgabestelle erfolgen dürfe. Unter einer Ausgabestelle werde die Schankanlage, Kaffeemaschine oder Durchreiche verstanden. „Das bedeutet: Gäste dürfen an der Theke stehen oder sitzen", so Sternad. Schränkt aber dann doch ein: "Aber beispielsweise nicht direkt vor der Schankanlage – und immer mit einem Mindestabstand von einem Meter zwischen Personen, die nicht im gemeinsamen Haushalt leben."

"Aussendung relativ entbehrlich"

Für Mario Pulker, nö. Gastro-Spartenobmann der WK, war die "Aussendung relativ entbehrlich", sagt er im "Heute"-Gespräch. Ohne Absprache mit Bundesthemen vorzupreschen, sei nicht klug. "Ich bin damit überhaupt nicht glücklich und das sind viele andere Bundesländer auch nicht. Es verunsichert vor allem unsere Gastronomen", so Pulker.

Das Wichtigste sei, laut Pulker, die Sicherheitsabstände einzuhalten: "Wer möchte jetzt 2.500 Euro für eine Plexiglaswand an der Schank investieren, wenn er sie in ein paar Wochen dann möglicherweise wieder herunterreißen kann?" Zudem sei die Haftungsfrage ein wichtiges Thema für die Wirte: "Wenn ich mich an alle Regelungen und Sicherheitsabstände gehalten habe und es doch zu einer Infektion kommt, bin ich nicht haftbar oder strafbar." Wenn die Ansteckung an der Schank passierte, ist es mit der Haftungsfrage schon wieder etwas schwieriger.

Gäste drängen ins Freie

Generell sei mit dem Aufsperren der Gastronomie aber "eine gewisse Aufbruchsstimmung zu spüren. Jeder hat sich wahnsinnig gefreut", erklärt Pulker. Viele würden sich jetzt anschauen, wen er aus der Kurzarbeit wieder zurückholt oder wo er die Kurzarbeit bei Mitarbeitern runterfährt. Einen Vorteil würden sicher jene Wirte haben, die über einen Außenbereich verfügen: "Wir haben etwa von Freitag bis Mittwoch nur zwei 2er-Tische drinnen gehabt, sonst spielte sich alles draußen ab."

Dass in der Stadt Gäste bereits auf die Öffnung der Gastronomie sehnlichst warteten, zeigten Gegenden in Wien: So gab es in der Gastro-Szene am Yppenplatz (16. Bezirk) teils einen Ansturm an Besuchern, die angenehmen Temperaturen trugen ihren Teil dazu bei.

In den letzten Tagen herrschte Großbetrieb in der Lokalszene am Yppenplatz in Wien.
In den letzten Tagen herrschte Großbetrieb in der Lokalszene am Yppenplatz in Wien.Erich Wessely

Das Geschäft sei laut Mario Pulker vor allem in der gehobenen Gastronomie sehr gut angelaufen: "Auch für dieses Wochenende war hier die Buchungslage schon sehr gut." In der breiten Masse war der Start aber noch "sehr durchwachsen". Das entspreche auch einer kürzlich durchgeführten Umfrage: " Hier meinte die Hälfte der Befragten, sie wolle ein Lokal besuchen, die andere Hälfte sagte: "Wir gehen nicht." Generell sei das Geschäft in der Stadt besser wie am Land angelaufen. Die Gründe? "Ausflugsziele sind noch gesperrt, die Hotels noch zu." Fürs Sommergeschäft in Österreich sei es auch wichtig, was mit den Grenzen passiert: "Für Gesamtösterreich sind deutsche Gäste ein Hauptfaktor."

Dass es mit den Abstands- und Maskenregelungen oft gar nicht einfach sei, kritisierten auch Wirte in den ersten Tagen der Öffnung. So hätten manche Gäste gar keinen Mundschutz mit oder würden in größeren Gruppen ins Lokal kommen.

Infektionslage beobachten

Statt wie Kärnten vorzupreschen, hätte er sich gewünscht, die Infektionslage zu beobachten: "Man wird sich das im Detail dann genau anschauen müssen. Mit der Öffnung der Gastronomie am 15. Mai und mit der Hotellerie am 29. Mai können wir dann am 15. Juni sagen, wie es aussieht." Vielleicht sind dann schon mehr Lockerungen möglich.

Für die Kärntner müsste hingegen alles etwas schneller gehen. Generell sei die Sinnhaftigkeit der derzeitigen Masken-Regelung zu hinterfragen, so Sternad: „Speziell für unsere Mitarbeiter ist die Situation nicht einfach. Im Service müssen die Masken getragen werden, in der Küche und im Lager nicht. Das führt zu Überschneidungen und zu besonderen Herausforderungen für ältere Mitarbeiter oder Brillenträger.“ Sollten die Infektionszahlen weiter sinken, hoffe er auf ein Überdenken dieser Regelung.

Kärntner wollen feiern

Hoffnung habe man in Kärnten auch auf eine rasche Lösung für kleinere Feiern in Gastronomiebetrieben. Sternad: „Ob Geburtstagsfeiern, Taufen oder Hochzeiten: Die Kärntner Wirte sind in der Lage, kleinere private Feiern unter Einhaltung der Corona-Regelungen zu organisieren. Ich sehe keinen Grund, warum es hier – analog zum Kultur- und Hotelleriebetrieb – keine Lockerung geben sollte." Sternad setze sich außerdem für ein baldiges Erweitern der Öffnungszeiten ein: „Viele Betriebe, speziell im Bar- und Nightlife-Bereich, können mit einer Sperrstunde um 23 Uhr nicht betriebswirtschaftlich erfolgreich geführt werden." Er sieht hier die Regierung mit praktibalen Lösungen am Zug.

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch.
Nav-Account wes Time| Akt:
GastronomieCoronavirusBierWirtschaftskammer

ThemaCreated with Sketch.Weiterlesen