Österreich

Stromvertrag gekündigt: "Jetzt zahlen wir 14.500 Euro"

Die enormen Gas- und Strompreiserhöhungen treffen nicht nur Private: Auch dem Chef der Wiener "Hüftgold"-Konditorei wurde nun der Vertrag gekündigt.
Christine Ziechert
20.03.2022, 06:45

Die Einkaufspreise für Gas und Strom haben sich enorm erhöht, viele Anbieter müssen nun auf die Marktsituation reagieren und können die bisher angebotenen Preise nicht mehr halten. Bestehende Verträge werden daher aufgelöst – und zwar sowohl bei Privatpersonen als auch bei Unternehmen.

Wie "Heute" berichtete, wurde etwa einer Wienerin der Gas-Vertrag gekündigt. Auch Mark Ruiz Hellin, der mit seiner Frau Claudia zwei Filialen der "Hüftgold"-Konditorei in Wien betreibt, ereilte das gleiche Schicksal: "Wir haben 100 Prozent Wasserstrom von einem Kärntner Energielieferanten bezogen. Unsere Energieverträge wurden aber aufgrund der derzeitigen krisenhaften Zeiten gekündigt", erklärt Ruiz Hellin im "Heute"-Gespräch.

Mark Ruiz Hellin (l.) führt mit seiner Frau Claudia (2.v.l.) die Konditorei "Hüftgold".
Denise Auer
„"Wir zahlen jetzt das Doppelte. Statt 14 Cent/kWh verlangt unser Anbieter nun 29 Cent/kWh" - Mark Ruiz Hellin, Konditorei-Chef“

Der Unternehmer suchte verzweifelt nach einem neuen Anbieter: "Aber wir haben bei keinem österreichischen Stromanbieter einen neuen Vertrag mit längerer Laufzeit bekommen." Ruiz Hellin gab nicht auf, verglich die Angebote diverser Energielieferanten.

"Wir sind schließlich wieder zurück zu unserem alten Anbieter, weil dieser einfach das beste Angebot hatte. Ein Kärntner Anbieter hatte etwa Aufnahmestopp, ein Wiener wiederum 36 Cent/kWh verlangt. Aber auch wir zahlen jetzt doppelt so viel wie bisher: Statt 14 Cent/kWh verlangt unser Naturstrom-Anbieter jetzt 29 Cent/kWh. Und der Vertrag läuft nur auf ein Jahr", so Ruiz Hellin. Macht bei einem Verbrauch von laut Ruiz Hellin rund 50.000 kWh jährlich (für zwei Standorte und ein Lager) eine Stromrechnung von 14.500 Euro statt bisher 7.000 Euro! 

„"Nach zwei Jahren Pandemie haben wir keine Reserven mehr, diese Schwankungen auszugleichen" - Mark Ruiz Hellin“

Die satte Strompreis-Erhöhung hat natürlich auch Auswirkungen auf die Preisgestaltung: "Wir werden versuchen, unsere Preise noch zu halten. Sollte es aber zu den befürchteten, weiteren Strompreissteigerungen kommen, müssen wir leider schon bald auch unsere Preise anpassen. Nach zwei Jahren Pandemie haben wir leider keine Reserven mehr, diese Schwankungen auszugleichen", schreibt Ruiz Hellin in einem Facebook-Posting.

Im "Heute"-Gespräch gibt sich der Konditorei-Chef allerdings kampfeslustig: "Wir strampeln und strampeln und strampeln, aber wir geben nicht auf. Durch die Pandemie und die Lockdowns haben wir in den vergangenen zwei Jahren 120.000 Euro verloren. Die versuchen wir jetzt wieder einzuarbeiten."

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