Politik

Studenten bekamen für Mega-Demo vorlesungsfrei

Heute Redaktion
14.09.2021, 15:31

Rund 9.500 Studenten haben am Dienstagnachmittag gegen die Abschaffung eines eigenständigen Wissenschaftsministeriums demonstriert. In einem Sternenmarsch waren sie von der Uni für Bodenkultur, der Technischen Uni Wien und der Uni Wien zum Minoritenplatz gezogen. Auch in Graz, Salzburg, Klagenfurt und Innsbruck hatte die ÖH zu Protesten aufgerufen. Am Mittwoch werden 30.000 Beamte die Wiener City lahm legen.

Rund 9.500 Studenten haben am Dienstagnachmittag .

Mehrere Hochschulen haben den Studenten für die Teilnahme an den Demonstrationen sogar vorlesungsfrei gegeben. In der Regierung Faymann II soll es kein eigenes Wissenschaftsressort mehr geben, die Agenden werden nunmehr von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) mitbetreut.

Unterstützung für die Protestveranstaltung der linken ÖH-Koalition aus Fachschaftslisten (FLÖ), Fraktion Engagierter Studierender (FEST), Grünen und Alternativen StudentInnen (GRAS) und Verband Sozialistischer StudentInnen (VSStÖ) gab es auch von der größten Einzelfraktion, der VP-nahen AktionsGemeinschaft (AG).

"Der Sozialdemokratie nicht würdig"

Laut dem ÖH-Vorsitzenden Florian Kraushofer (FLÖ) soll mit der Demo die Wut darüber ausgedrückt werden, dass Bildung und Wissenschaft in der neuen Regierung keine Rolle spielen, was sich auch darin ausdrücke, dass Wissenschaft der Wirtschaft untergeordnet werde. "Wissenschaft folgt aber einer anderen Logik, in der Grundlagen- aber auch angewandten Wissenschaft muss es möglich sein, dass Forschung auch einmal ins Leere geht, sie kann nicht immer rentabel sein."

Seine Stellvertreterin Julia Freidl (VSStÖ) nannte das Bildungsprogramm der neuen Regierung "der Sozialdemokratie nicht würdig". Sie appellierte an die Regierung, die Proteste nicht zu ignorieren und der Bildung einen stärkeren Stellenwert zu geben. "Erster Schritt wäre die Wiedereinführung eines Wissenschaftsministeriums."

"Wer hat uns verraten - Sozialdemokraten!"

In Wien zogen rund 7.000 Studenten (Polizeiangabe) lautstark mit Trillerpfeifen, Tröten und unter Topfgeklapper durch die Straßen. Sie skandierten "Wer hat uns verraten - Sozialdemokraten! Und wer war mit dabei - die Volkspartei".

"Seid's wo angrennt", fragten Teilnehmer auf einem Transparent, andere verkündeten den "Winterschlussverkauf - Minus 100 Prozent auf Wissenschaft" und forderten in Anlehnung an Harry Potter ironisch "Dumbledore for Wissenschaftsminister", "Unsere Bildung ist Eure Gesundheit" ließen Demonstranten der Meduni Wien wissen. Der Demozug der Uni für Bodenkultur rückte mit Traktor, Trommelgruppe und Blaskapelle an.

Weniger Andrang in Bundesländern

1.100 Menschen haben sich in Graz laut Schätzungen der Exekutive der ÖH-Protestkundgebung angeschlossen. Überwiegend Studenten, aber auch Lehrende und Vertreter der Rektorate nahmen an der Kundgebung am Sonnenfelsplatz nahe dem Uni-Hauptgebäude teil. Danach zog eine Gruppe weiter in die Grazer Innenstadt.

Etwa 150 Studenten gelangten danach unbehelligt in den Landtag, wo eben eine Sondersitzung beendet worden war. Sie hielten dort unter anderem eine Gedenkminute für das "verstorbene Wissenschaftsministerium" ab. Nach rund 45 Minuten zogen sie freiwillig ab, kündigten aber an wiederzukommen, bis es das Ministerium wieder gebe.

Aktionen auch in Salzburg, Klagenfurt und Innsbruck

In Salzburg zählte die Polizei 800 bis 1.000 Teilnehmer, in Klagenfurt rund 300. Die ÖH Uni Innsbruck hat das Ministerium "zu Grabe getragen".

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