Studie: 78 Prozent für Cannabis (nur) auf Rezept

Otto Lesch, Professor und Facharzt an der Wiener Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie mit Patientin Gisela Bors und Allgemeinmediziner und dem Gründer der Arbeitsgemeinschaft "Cannabis als Medizin" Kurt Blaas
Otto Lesch, Professor und Facharzt an der Wiener Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie mit Patientin Gisela Bors und Allgemeinmediziner und dem Gründer der Arbeitsgemeinschaft "Cannabis als Medizin" Kurt BlaasBild: Denise Auer
Überraschendes Fazit einer repräsentativen Befragung: Die Bevölkerung ist gut über Cannabis als Medizin informiert.
"Ich war machtlos. Ich konnte meine Hand nicht bewegen", erzählt Gisela Bors. Die 58-Jährige leidet seit ihrer Geburt an "Morbus Wilson", einer Krankheit, bei der sich Kupfer im gesamten Körper ansammelt. Dadurch kommt es zu Krämpfen und Zittern. "Ich habe alles probiert, mir wurde Botox in die Fußsohlen gespritzt, ich habe kinesiologische und homöopathische Therapien gemacht. Ich war am Ende", erzählt Bors. Was ihr half? Die 58-Jährige erfuhr von Kurt Blaas, einem Arzt, der in seiner Ordination in Wien-Neubau Cannabismedizin anbietet.

Was in Deutschland möglich ist – dass Schwerstkranke medizinisches Cannabis auf Rezept bekommen – ist in Österreich weit weg. Hier dürfen derzeit nur synthetische Extrakte aus der Pflanze verwendet werden.

"Mir wurde Dronabinol verordnet", erzählt Bors. Die Wirkung des Medikaments, das THC – also ein Cannabinoid, das im Hanf vorkommt – enthält, auf die Patientin: "Es lindert den Schmerz und ich kann jetzt schreiben", erzählt Bors, die das Medikament auch von ihrer Krankenkasse im Burgenland bewilligt bekam. Nachsatz: "Ich wünsche mir für andere Patienten, dass sie das auch von der Kasse genehmigt bekommen."

Medizinalhanf: Österreicher gut informiert

Eine aktuelle Studie ergibt, dass die Österreicher überraschend gut über Medizinalhanf informiert sind.

CommentCreated with Sketch. zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. In der repräsentativen Befragung der "Peter Hajek Public Opinion Strategies GmbH" wurden 1.000 Österreicher ab 16 Jahren befragt. Die Umfrage im Auftrag der Flowery Field GmbH und der Arbeitsgemeinschaft Cannabis wurde zwischen 31. August und 14. September durchgeführt.

Meinungsforscher Peter Hajek führte die Studie durch: "Die Bereitschaft, Medizinalhanf zuzulassen, ist hoch  sofern Ärzte und Apotheken die Kontrollhoheit haben. Generelle Cannabis-Legalisierung, Eigenanbau zu medizinischen Zwecken und Kauf ohne Rezept in Hanfshops werden strikt abgelehnt. Hier ist die Bevölkerung sehr klar. Die Befragten trennen sehr strikt zwischen medizinischem Nutzen unter ärztlicher Anleitung und dem Übergang zum möglichen nichtmedizinischen Konsum unter dem Deckmantel Medizinalhanf."
Meinungsforscher Peter Hajek führte die Studie durch: "Die Bereitschaft, Medizinalhanf zuzulassen, ist hoch sofern Ärzte und Apotheken die Kontrollhoheit haben. Generelle Cannabis-Legalisierung, Eigenanbau zu medizinischen Zwecken und Kauf ohne Rezept in Hanfshops werden strikt abgelehnt. Hier ist die Bevölkerung sehr klar. Die Befragten trennen sehr strikt zwischen medizinischem Nutzen unter ärztlicher Anleitung und dem Übergang zum möglichen nichtmedizinischen Konsum unter dem Deckmantel Medizinalhanf."
Spannend: Auf die Frage, was ihnen spontan zum Thema Hanf einfällt, geben 890 Befragte eine Antwort. 77 Prozent geben an, dass ihnen medizinisches Cannabis bekannt sei, bei Befragten mit Schmerzpatienten im persönlichen Umfeld sind es sogar 83 Prozent. 86 Prozent ist bekannt, dass medizinisches Cannabis schmerzstillend ist.

78 Prozent für Cannabis auf Rezept

Spannend: 78 Prozent stimmen der Aussage sehr oder eher zu, dass medizinisches Cannabis nur unter ärztlicher Verschreibung und Anwendung erhältlich sein" soll. Ebenfalls 78 Prozent der Befragten sind sehr oder eher dafür, dass "medizinisches Cannabis nur auf Rezept in Apotheken erhältlich sein" soll.

"Die Bereitschaft, Medizinalhanf zuzulassen, ist hoch – sofern Ärzte und Apotheken die Kontrollhoheit haben. Generelle Cannabis-Legalisierung, Eigenanbau zu medizinischen Zwecken und kauf ohne Rezept in Hanfshops werden strikt abgelehnt", erläutert Peter Hajek die Ergebnisse der Studie.

Experten fordern: "Behandlung mit Cannabisblüte"

Kurt Blaas, Gründer der Arbeitsgemeinschaft "Cannabis als Medizin", fordert: "Man sollte die Behandlung mit Cannabisblüte einführen." Der Grund: "Es wirkt einfach besser." In Österreich seien derzeit nur zwei Präparate verschreibbar – Dronabinol und CBD.

Otto Lesch, Facharzt an der Uniklinik für Psychiatrie, fordert eine neue Gesetzeslage, auch, um die Barrieren für die Forschung abzubauen: "Die Cannabispflanze ist kein Allheilmittel, aber potenziell dort sehr wirksam, wo Opiate versagen." Das Problem derzeit: "Die bürokratischen Schikanen sind enorm."

Lesch macht außerdem auf die Gefahren von Alkohol und Nikotin aufmerksam. "Ich würde die Erreichbarkeit einschränken."

"Jeder Mensch hat das Recht, für seine Schmerzen die besten Medikamente zu finden", fordert Lesch.

Die Neos sprachen sich in einer ersten Reaktion für den "professionellen Einsatz von Cannabis zu medizischen Zwecken" aus.

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