Bei einer Studie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) wurden die demographischen und religiösen Veränderungen in Wien ab 1971 untersucht. Ergebnis: Der Anteil der Katholiken sinkt, dafür steigt der der Muslime.
Bei einer Studie der Österreichischen wurden die demographischen und religiösen Veränderungen in Wien ab 1971 untersucht. Ergebnis: Der Anteil der Katholiken sinkt, dafür steigt der der Muslime.
Blickt man in die Zukunft, wird in gut 30 Jahren nur noch ein Drittel der Bundeshauptstädter katholisch sein, der Anteil der Muslime wird bis 2046 mit 21 Prozent hingegen beinahe doppelt so hoch sein, wie das WIREL-Projekt der ÖAW zeigtBei der Studie wurden auch die Ergebnisse der Bundeshauptstadt mit anderen großen Städten Europas verglichen.
Das letzte Mal wurde im 2001 die Religionszugehörigkeit im Rahmen der Volkszählung erfasst, auf Basis dieser wurde später geschätzt. 2011 lebten in Wien demnach 41 Prozent Katholiken, 4 Prozent Protestanten, neun Prozent Orthodoxe, vor allem Serbisch-Orthodoxe, zwölf Prozent Muslime, 0,5 Prozent Juden, drei Prozent mit anderen Religionen und 30 Prozent ohne Bekenntnis.
Immer mehr Menschen traten aus der katholischen Kirche aus, Migration stärkte vor allem Muslime und orthodoxe Christen. Der Trend gehe in Richtung Privatisierung und Individualisierung der Religion, so einer der Studienautoren. Statt fixem Messebesuch am Sonntag bewege sich die Hauptstadt in Richtung Spiritualität und privatem Glauben.
Kirchenaustritte stagnieren
Die Zahl der Kirchenaustritte habe nun aber den Plafond erreicht. Deshalb werde auch die Zahl der Menschen ohne Bekenntnis laut WIREL nicht steigen, sondern sogar leicht sinken: Sind es heute 30 Prozent, werden es 2046 nur mehr 27 Prozent sein. Katholiken wird es dann allerdings nur noch 33 Prozent geben, Protestanten bleiben bei 4 Prozent.
Ein Grund, warum der Anteil der Muslime sowie der Orthodoxen in Zukunft steigen wird: Sie sind vergleichsweise „junge“ Religionen - muslimische Jugendliche gehören zu den religiösesten ihrer Altersklasse, generell ist der Altersdurchschnitt der muslimischen Bevölkerung geringer. Deshalb rechnen die Experten 2046 mir 21 Prozent Wienern, die dem Islam angehören (2011: etwa 12 Prozent). Die Orthodoxen wachsen von rund neun auf 11 Prozent. Keine Veränderung prognostizieren die WIREL-Ergebnisse bei Juden und anderen Religionen.
Vererbung des Glaubensbekenntnisses
Vor allem muslimische und jüdische Frauen bekommen überdurchschnittlich viele Kinder - Tendenz sinkend. Gleichzeitig gibt es einen Anstieg bei interreligiösen Partnerschaften. Hier steht die Religion aber oft im Hintergrund, gemischt-religiöse Familien bekommen durchschnittlich weniger Kinder und diese werden meist ohne Bekenntnis erzogen.
Grundsätzlich gelte: Je innerstädtischer und dichter besiedelt, desto diverser. Nur an den wenig besiedelten Stadträndern gebe es noch einen hohen Anteil an Katholiken.