Klimastudie: Diese Länder haben weniger Corona-Fälle

Laut einer neuen Studie hat das Klima Auswirkungen auf die Verbreitung des Coronavirus.
Laut einer neuen Studie hat das Klima Auswirkungen auf die Verbreitung des Coronavirus.
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Dass im letzten Sommer in Österreich die Coronazahlen zurückgingen, könnte mit den hohen Temperaturen zusammenhängen - das sagt eine neue Studie.

Angesichts der rasanten Ausbreitung von SARS-CoV-2 im Winter 2020/2021 auf der Nordhalbkugel erhoffen sich viele Bewohner und politische Entscheidungsträger in den entsprechenden Ländern Erleichterung, wenn das Wetter wieder wärmer wird. Auch in Österreich zeigten die Coronazahlen einen Rückgang im Sommer 2020, gefolgt von einem Wiederaufflammen, als die kühleren Temperaturen kamen.

Tatsächlich sind viele virale akute Atemwegsinfektionen, wie Influenza A und B, Rhinovirus und Coronavirus klimaabhängig und weisen solche saisonalen Muster auf. Einige Viren haben eine bessere Stabilität in Umgebungen mit niedriger Temperatur, niedriger Luftfeuchtigkeit und geringer UV-Strahlung. Außerdem neigen Menschen im Winter dazu, sich mehr in geschlossenen Räumen aufzuhalten, was die Ausbreitung von Krankheiten begünstigen kann. Zusätzlich sinkt der Vitamin-D-Spiegel beim Menschen im Winter tendenziell, was das Immunsystem schwächen kann. Daher scheint ein Zusammenhang zwischen den klimatischen Bedingungen und der Ausbreitung von SARS-CoV-2 naheliegend.

Statistisches Modell zeigt Auftreten von Covid-19 im Abstand zum Äquator

Eine Studie, an der auch die WU Wien und das IIASA in Laxenburg in Niederösterreich beteiligt waren, zeigt durch ein statistisches Schätzverfahren, mit welchem Prozentsatz die Anzahl der CoV-Fälle seit Beginn der Pandemie mit der Nähe zum Äquator abnehme. Es wurden globale Daten verwendet, um die Beziehung zwischen klimatischen Bedingungen und der Ausbreitung von COVID-19 unter Kontrolle mehrerer wichtiger Störfaktoren zu untersuchen.

Der Äquatorist eine gedachte Linie, die einmal um die Erde herumreicht und sie in eine Nordhalbkugel und eine Südhalbkugel teilt. Das Wort kommt aus dem Lateinischen und heißt soviel wie „Gleichlinie“. Gemeint ist damit, dass Nordpol und Südpol vom Äquator gleich weit weg sind. In den Ländern am Äquator ist das Klima tropisch, also das ganze Jahr über heiß und feucht. Es gibt dort also keine Jahreszeiten.

Zu diesem Zweck gingen die Forscher zurück von der Wirkung zur Ursache und regressierten das Auftreten von COVID-19 (logarithmisch transformiert) auf Länderebene gegen den Breitengrad eines Landes. Der Breitengrad erfasst jedes Klima, da unterschiedliche Breitengrade auf der Erde unterschiedlich viel Sonnenlicht erhalten. Je weiter ein Land vom Äquator entfernt ist, desto geringer ist der Winkel der Sonnenstrahlen, die es erreichen, desto weniger UV-Strahlung erhält es und desto niedriger ist seine Temperatur. Außerdem beeinflusst der Breitengrad auch die Luftfeuchtigkeit, da die Wasserverdunstung temperaturabhängig ist.

Die Analyse umfasste:

● Daten zu Flugreisen, um einen möglichen Übertragungsweg von SARS-CoV-2 über Länder hinweg zu erfassen, aber auch die Abgelegenheit eines Ortes, die den Bedarf an Flugreisen erhöhen könnte

● Fahrzeugkonzentration und Urbanisierung zur Erfassung von Unterschieden im Übertragungspotenzial von SARS-CoV-2 innerhalb eines Landes

● COVID-19-Testintensität zur Kontrolle der Stärke der COVID-19-Antwort eines Landes und der COVID-19-Detektionsverzerrung bei länderübergreifenden Vergleichen

● Handynutzung zur Kontrolle der Geschwindigkeit, mit der sich Informationen über Verhaltensänderungen zur COVID-19-Prävention innerhalb eines Landes verbreiten

● Gesundheitsausgaben zur Erfassung von Unterschieden im Engagement der Länder für die Gesundheit der Bevölkerung

● Altersquotient zur Erfassung von länderübergreifenden Unterschieden in der Altersstruktur und der Familienzusammensetzung, die die Ausbreitung von SARS-CoV-2 beeinflussen können

● Einkommen zur Kontrolle von Unterschieden in der wirtschaftlichen Entwicklung und in der Verfügbarkeit von allgemeinen Ressourcen zur Eindämmung der Ausbreitung von SARS-CoV-2

Wärme und Sonnenlicht reduzieren die Ausbreitung von SARS-CoV-2

Die Ergebnisse stimmten mit der Hypothese überein, dass Wärme und Sonnenlicht die Ausbreitung von SARS-CoV-2 und das Auftreten von COVID-19 reduzieren, was auch von den meisten früheren Studien vorgeschlagen wurde.
Es zeigte sich, dass ein Anstieg des absoluten Breitengrades um ein Grad mit einem Anstieg der COVID-19-Fälle pro Million Einwohner um 4,3 Prozent verbunden ist. Demnach weist ein Land, das 1.000 Kilometer näher am Äquator liegt, durchschnittlich 33 Prozent weniger Fälle pro Million Einwohner auf. Steigende Temperaturen und längere Sonneneinstrahlung im Sommer können die Wirkung von Maßnahmen des öffentlichen Gesundheitswesens zur Kontrolle der Ausbreitung von SARS-CoV-2 verstärken. Umgekehrt kann die Gefahr eines Wiederaufflammens der Epidemie im Winter zunehmen. Unsere Ergebnisse deuten jedoch weder darauf hin, dass die Krankheit im Sommer verschwindet, noch dass Länder, die sich in der Nähe des Äquators befinden, die Krankheit ohne wirksame Maßnahmen des öffentlichen Gesundheitswesens eindämmen können.

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