Die Karriere von Brian Stemmle wird ewig mit den Hahnenkammrennen verbunden sein. Der Kanadier stürzte 1989 schwer. Der Ritt auf der Streif kostete dem damals 22-Jährigen beinahe das Leben. Stemmle, ein aufstrebendes Abfahrts-Talent, fädelte bei der Steilhang-Ausfahrt mit dem Ski m Netz ein, stürzte spektakulär. Der Kanadier zog sich einen Beckenbruch und einen Darmriss zu, wurde mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus nach Innsbruck geflogen. Er erinnert sich nur noch daran, dass ihn die schnell herbeigeeilten Sanitäter ständig fragten: "Schmerzen?" Und er nur "Yes" antwortete.
Fünf Tage lag das kanadische Abfahrtstalent im Koma, erhielt 25 Bluttransfusionen und wachte ausgerechnet am Geburtstag seines Vaters wieder auf. Seine Eltern, die ins Spital eilten, haben ihn unter den vier Patienten im Zimmer gar nicht erkannt, so geschwollen war sein Gesicht, erzählte Stemmle dreißig Jahre später. Am Nach drei Monaten im Krankenhaus und eineinhalb Jahren Reha konnte der Kanadier aber auf die Skipiste zurückkehren, beendete schließlich 1999 seine Karriere.
Einen vergleichbaren Sturz bei der Steilhang-Ausfahrt wird es aber nicht mehr geben. Ski-Fans ist noch die Fahrt von Bode Miller über die Plastik-Verkleidung in Erinnerung. Zu Stemmles Zeit wäre dies noch eine bedrohliche Situation gewesen. Schon vor dem dramatischen Rennen 1989 kam es zu hitzigen Diskussionen, so zeigte auch Marc Girardellis Vater Helmut neben der späteren Unfallstelle einen Graben auf. Der damalige Rennleiter Toni Sailer wiegelte die Beschwerden aber ab. "Halt die Klappe, Helmut", soll Österreichs Ski-Ikone gesagt haben.
Stemmle fädelte schließlich mit der Skispitze im Teil des Fangzaunes ein, der nicht mit Plastik verdeckt war, es hebelte ihn an der heiß diskutierten Stelle aus. Zuvor erklärten die Organisatoren auch, nicht ausreichend Plastikmaterial zu haben, um die gesamte Stelle an der Steilhang-Ausfahrt abzudecken – mit fatalen Folgen.
Denn der Kanadier zog schließlich gegen die Organisatoren, den Kitzbüheler Skiklub, vor Gericht. Und gewann. Stemmle erhielt eine Schadensersatzzahlung.
Insgesamt fuhr der heute 56-Jährige dreimal auf ein Weltcup-Stockerl, ein Sieg blieb ihm verwehrt. Sein Name wird aber immer mit Kitzbühel verbunden bleiben. Nicht zuletzt deshalb, weil er mittlerweile als Experte für das kanadische Fernsehen von den Hahnenkammrennen berichtet.
Stemmle ist aber nicht das einzige Sturzopfer. Denn die Streif hat auch andere Weltklasse-Speed-Läufer abgeworfen. Andreas Schifferer stürzte etwa 1996 beim Zielsprung schwer, landete mit einem Schädel-Hirn-Trauma drei Tage lang im Koma. Der Radstädter schaffte aber die Rückkehr in den Weltcup, gewann 1998 die Abfahrts-Kristallkugel. 2003 folgte er schließlich dem Energetiker Martin Weber, verließ Frau und Kind für ihn. Zuletzt meldete sich Schifferer beim jetzigen Head-Rennleiter Rainer Salzgeber. "Schiffi erkundigte sich nach einem Skischuh, mit dem er auf der einen Seite richtig schnell Skifahren - und den er andererseits bequem beim Apres-Ski tragen kann", sagte Salzgeber beim "Blick".
2008 kam Scott Macartney an derselben Stelle ebenfalls zu Sturz, blieb zunächst regungslos liegen. Der US-Amerikaner erlitt eine Hirnblutung und eine Lungenquetschung. "Wenn man ihm eine Frage stellt, benötigt Scott für die Antwort länger als vor dem Sturz", erzählte sein langjähriger Servicemann Sepp Zannon.
2009 erwischte es den Schweizer Daniel Albrecht. Auch der amtierende Kombinations-Weltmeister stürzte mit 138 km/h beim Zielsprung, lag mit einem schweren Schädel-Hirn-Trauma drei Wochen lang im Koma. Er kämpfte sich in den Ski-Weltcup zurück, trat 2012 aber endgültig ab.
Aus rot-weiß-roter Sicht ist der schwere Sturz von Hans Grugger noch allgegenwärtig. 2013 krachte der Sieger von vier Weltcuprennen in der Mausefalle mit dem Kopf wuchtig auf die pickelharte Piste. Auch er erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und eine Lungenverletzung, zeitweise schwebte er sogar in Lebensgefahr. Grugger überlebte, versuchte es noch einmal im Ski-Weltcup, zog aber bald einen Schlussstrich. Mit seiner Frau, der ehemaligen ÖSV-Läuferin Ingrid Rumpfhuber, hat er eine siebenjährige Tochter.