Sturzgefahr! ÖAMTC fordert Blinker für E-Tretroller

Weil sich E-Tretroller instabiler fahren als Fahrräder und Handzeichen Stürze und Unfälle verursachen können, will der ÖAMTC dass Hersteller neue Roller serienmäßig mit Blinkern ausstatten.
Weil sich E-Tretroller instabiler fahren als Fahrräder und Handzeichen Stürze und Unfälle verursachen können, will der ÖAMTC dass Hersteller neue Roller serienmäßig mit Blinkern ausstatten.Sabine Hertel
Wegen wackeliger Handzeichen beim Abbiegen sollen neue Roller ab Werk Blinker bekommen. "Heute" macht mit dem nachgerüsteten Prototyp die Testfahrt.

In europäischen Städten sind die E-Tretroller längst angekommen, fahren darf sie in Österreich jeder – ohne  Schutzausrüstung oder Ausbildung. Nach vorläufigen Zahlen gab es laut ÖAMTC im Jahr 2020 über 2.087 Unfälle mit Personenschaden und 19 Todesfälle, bei denen E-Tretroller involviert waren. Rechtlich sind die Roller Fahrrädern gleichgestellt, Lenker müssen jede Richtungsänderung rechtzeitig anzeigen. Weil das Fahrverhalten von Rollern aber instabiler ist als bei Fahrrädern, erhöhen Handzeichen die Sturz- und Unfallgefahr noch weiter. Zur Lösung haben Experten für eine Live-Demo im Wiener Mobilitätspark Erdberg Roller mit Blinkern ausgestattet. Wie nutzerfreundlich die Bedienung tatsächlich ist, hat "Heute" in einer Probefahrt getestet (Fotos unten).

E-Roller keine Spielzeuge

Weil die 25 km/h schnellen Elektrofahrzeuge sehr leise sind, werden sie im Straßenverkehr gerne übersehen und überhört. Die Top drei unter den Unfallursachen sind Missachtung von Verkehrsregeln, Alkohol und vergessene Richtungszeichen. Bei den vorwiegend jungen Nutzern – die 25- bis 35-Jährigen sind am häufigsten in Unfälle verwickelt – steht statt Sicherheit der Spaßfaktor im Vordergrund. "Die Geräten wirken harmlos und mit Radausweis können sie bereits von 10-Jährigen gefahren werden. Für die Nutzung braucht es aber Geschicklichkeit, gute Balance und Risikobewusstsein. Das darf trotz des optischen Spielzeug-Charakters nicht vernachlässigt werden", macht ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger aufmerksam. Von Herstellern fordert der ÖAMTC neue Roller ab Werk freiwillig mit Blinkersystemen auszustatten, die direkt in das Bedienkonzept integriert sind.

Stabiles Abbiegen mit kleinen Schwächen

Als Lösungsbeispiel haben Techniker an einem Roller LED-Blinkern aus dem Fahrrad-Zubehör vorne und hinten am Fahrzeug angebracht. Wer wie die "Heute"-Redakteurin noch nie auf einem E-Roller gestanden ist, wird überrascht sein, wie stark die Fahrzeuge Gas geben. Vor der ersten Fahrt im Fließverkehr sollte jedenfalls eine Übungseinheit eingelegt werden. Im direkten Fahrvergleich mit und ohne Blinker zeigt sich: Die Abbiegemanöver sind durch die Blinker um vieles stabiler und damit sicherer. Ohne sie ist Abbiegen eine Balanceübungen mit ausgestreckten Händen und Füßen – und auf unebenen Straßen wie Kopfsteinpflaster noch gefährlicher. Um die Bedienfelder links am Lenker zu erreichen, ist nur ein wenig Daumenakrobatik nötig. Weil der Blinker nicht nur ein, sondern auch wieder ausgeschaltet werden muss, geht der Blick zur Kontrolle auch immer mal wieder nach unten.

ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl zeigt die Handhabung des Prototypen zur Demonstration vor.
ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl zeigt die Handhabung des Prototypen zur Demonstration vor.Sabine Hertel

Zu den Schwächen der Nachrüstung erklärt Techniker Steffan Kerbl: "Die Nachrüstung ist je nach Rollertyp einfach bis mittelschwer umsetzbar und funktioniert prinzipiell gut. Schwächen zeigt das System bei der Anordnung der Bedienknöpfe mit oben-unten statt links-rechts. Außerdem wäre ein Tipp-Blinken mit drei Blink-Sequenzen wie im Pkw besser". Hersteller könnten die Blinker ab Werk aber ohne diese Schwächen ideal an die Fahrzeuge anpassen. Auch am Rollerpreis würde die Aufrüstung für den Verbraucher kaum einen Unterschied machen. 

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