Submerged ersetzt Gewalt durch Atmosphäre

Ein Spiel, das ohne Gewalt, Action und Nervenkitzel auskommt und trotzdem eine Reise ums Überleben darstellt? Genau das will Submerged sein.
Ob das pazifistische Konzept des emotionalen Entdeckungsgames von Uppercut Games für PlayStation 4, Xbox One und PC aufgeht, haben wir getestet. Das Third-Person-Indie-Game Submerged spielt in einer vergessenen, teils von Wasser verschlungenen Welt. In der Rolle der fürsorglichen Schwester Miku kümmert sich der Spieler um den durch rätselhafte Umstände erkrankten kleinen Bruder Taku.

So besteigt das Duo ein kleines Boot, um einerseits Heilung für den kranken Buben zu finden und andererseits das Rätsel um die versunkene Stadt zu lösen. Entgegen traditionellen Spielen gibt es hier aber keine Kämpfe, keine Herausforderungen und keine Schockmomente.

Vielmehr bewegt man sich durch eine ruhige, fast mystische fremde Welt, steht der versunkenen Zivilisation staunend gegenüber und verliert sich in der Wasserwelt. Das Gefühl zu vermitteln, dass man auf sich allein gestellt ist, das vermittelt Submerged perfekt. Und jenes, diese Welt erkunden zu wollen.

Der Tod lauert nirgends

Nicht nur gewaltlos kommt die Welt von Submerged daher, sondern es fehlen sämtliche Elemente, die mit dem Tod verbunden sind. Die Lebewesen, die es entgegen dem ersten Eindruck doch in der versunkenen Stadt gibt, sind Beobachter statt Gegner. Auch Versagen kann man nicht, unvorsichtiges Vorgehen wird ebensowenig bestraft. Man spaziert durch die Welt, entdeckt immer wieder neue Ecken, staunt und bewundert.

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Und doch ist es eine Geschichte vom Überleben. Nur nicht vom eigenen, sondern dem des kleinen Bruders an unserer Seite, der dringend Medizin braucht. Genau das ist der Punkt, in dem das gewaltlose Spiel einen emotionalen Einschnitt zugute des Friedens machen muss. Selbst wenn man Vorräte zu spät findet, passiert nicht viel, außer dass man ein Stück des Weges zurückreisen muss. Immerhin: Konsequent ist das vom Spielprinzip, dem Hineinfühlen in die Situation schadet es aber.

Von Walen und anderen Wasserwesen

Wunderbar atmosphärisch wurde die versunkene Stadt mit ihrer Tierwelt umgesetzt. Zwar ist ein Abtauchen in die Fluten nicht möglich, was später erklärt wird, aber aus der Wasseroberfläche erheben sich verfallene Ruinen, die Wasserwege lassen die einst prächtigen Straßen unter einem vermuten und der Tag-Nachtwechsel reißt den Spieler zwischen märchenhafter Idylle und hoffnungsloser Einsamkeit hin und her.

So richtig lebt man sich ins Spielprinzip hinein, wenn Vögel, im Schatten fast unsichtbare Menschen und menschenähnliche Kreaturen einem mit leuchtenden Augen neugierig beobachten. Schippert man nachts über den schimmernden Ozean und bricht wenige Zentimeter vom eigenen Boot entfernt ein riesiger Wal durch die Wasseroberfläche, dann sind das die Momente, die einem das Spiel bemerkenswert vermitteln kann. Hier ist man geneigt, innezuhalten und jedes noch so kleinste Detail in sich aufzunehmen.

Die letzte Konsequenz fehlt

Leider gelingt Submerged diese Faszination nicht konsequent genug. Zwar bietet das Adventure zwar tolle Effekte wie eingeschränkte Sicht und Blitzen bei heraufziehenden Stürmen, mysteriöses Leuchten der Algen im nächtlichen Wasser oder die Spiegelung der Sonne auf Gebäuden - einzig: in anderen Effekten schleichen sich Enttäuschungen ein. Auftauchende Wale schieben zwar das Boot beiseite, lassen es danach aber nicht realistisch schwanken. Unsichtbare Barrieren lassen die vermeintliche Weite der Welt plötzlich eng erscheinen. Und bis zu zehnminütige Kletterpassagen auf Wolkenkratzern lassen die geschätzt 15-jährige Miku weder ermüden, noch nur das Gefühl aufkommen, sie könnte abstürzen.



Die Kletterpassagen und die Vorratssuche sind es auch, die sich zum Ende der vier- bis fünfstündigen Reise abzunützen beginnen. Ist anfangs noch jeder Fund ein Abenteuer, macht sie die hundertprozentige Aufstöber-Garantie schnell zur Routine. Die "Hauptziele" sind gut markiert, Überraschungen gibt es viel zu selten für den Spieler. Gegenstände wie das Fernglas erweisen sich als nutzlos, da man die in der Ferne liegenden Orte sowieso besuchen wird. Bleibt die eigens eingeführte Sprache, mit der Miku Monologe führt, und die Storyschnipsel, die sich langsam zu einem Gesamtbild formen, die dann doch für eine passende postapokalyptische Stimmung sorgen.

Fazit: Wunderschöne Welt mit Schwächen

Anspruchsvolles Setting statt Gewalt, Atmosphäre statt Action, Entdeckergeist statt Zeit- und Sammeldruck. Submerged bietet, auch von der grandios ruhigen Musik hinterlegt, ein erfrischend entspannt-fantastisches Adventure mit allem, was ein ganz, ganz großes Game braucht. Top zeigt sich die mysteriöse Story, die emotionale Bindung zur Spielwelt und ihren Charakteren und der anfängliche Forscher- und Entdeckerdrang. Gerade deshalb ist es so schade, dass Submerged es nicht schafft, den Entdeckergeist über die gesamte Länge so hochzuhalten, wie das in den anfänglichen Spielmomenten der Fall ist. Bitter, denn man hat das Gefühl, dass hier nur ganz kleine Details das riesige Spektakel behindern.

Um aber fair zu bleiben: Ein Bauchfleck ins Nass, um die Wasserwelt heranzuziehen, ist Submerged auf keinen Fall - das weite mysteriöse Meer wird aber zu einem nicht ganz so großen, rätselhaften See. Action-Fans werden sich mit dem Game sowieso nicht allzu anfreunden können. Submerged ist aber ein Spiel, dass vor allem jene Entdecker zur Hand nehmen sollten, die sich ohne Zeitdruck und Gefahr einer versunkenen Welt mit wunderschönen Bildern hingeben wollen. (rfi)

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