Wien

Supermarkt abgefackelt – Polizist: "Ihr seid Idioten"

Ein ziemlich patscherter Einbruchsversuch in Wien-Floridsdorf endete mit einem Supermarkt-Großbrand. Drei Männern drohen dafür nun Haftstrafen.
Christian Tomsits
06.04.2023, 17:12
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Drei junge Männer (21, 22, 22) hatten beim Versuch einen Bankomaten zu knacken, einen Supermarkt in Wien-Floridsdorf in Brand gesetzt.  Die seither inhaftierten Verdächtigen aus Österreich und Afghanistan müssen sich dafür Anfang Mai gemeinsam am Wiener Landesgericht verantworten – ihnen wird schwerer Einbruchsdiebstahl und Brandstiftung vorgeworfen. Der geschätzte Schaden beträgt weit über zwei Millionen Euro.

Anwalt Roman Tenschert übernimmt Verteidigung

Ein Mitglied des Trios hatte einer Bekannten in Deutsch-Wagram das Auto weggenommen. Ohne ihr Bescheid zu geben, heckte der Zweite im Bunde (Verteidigung: Roman Tenschert) einen in seinen Augen sicherlich genialen Einbruchsplan aus. Zu dritt fuhren sie in der Nacht auf den 22. Oktober mit dem kleinen Chevrolet nach Jedlersee zu einem Supermarkt, der im Foyer einen Bankomaten beherbergte – auf diese Beute hatten es die Männer abgesehen.

Top-Jurist Roman Tenschert verteidigt das angebliche Mastermind des völlig fehlgeschlagenen Bankomat-Coups vor Gericht.
Sabine Hertel

Was sie nicht wussten: Der Bankomat befindet sich hinter Sicherheitsglas, wodurch selbst gepanzerte Fahrzeuge Probleme hätten, bei einem Aufprall bis zum Bankomaten vorzudringen. "Ihr seid echt Idioten, da hättet Ihr es auch mit einer Fahrradrikscha versuchen können, das geht mit so einem winzigen Auto einfach nicht!", soll ein Polizeibeamter bei der Vernehmung gesagt haben.

Trotz Vorbereitung schlug Coup völlig fehl

Dabei hatten sich die Hobby-Kriminellen sogar ernsthaft auf ihren ersten großen Coup vorbereitet. Einer der Angeklagten hatte bei einem Baumarkt ein Schweißgerät, ein Brecheisen, weiße Einweg-Overalls, sowie Handschuhe und einen Benzinkanister besorgt. An einer Tankstelle befüllten die drei das Behältnis mit Benzin. Sie hofften darauf, durch einen Brand nach dem Einbruch gleichzeitig alle Spuren zu verwischen und den gestohlenen Pkw zu beseitigen – beides scheiterte kläglich. Das Auto kam meterweit vor dem unbeschädigten Bankomat, in dem übrigens auch Farbpatronen gewartet hätten, zum stehen und konnte von Ermittlern identifiziert werden.

Top-Anwalt Roman Tenschert meinte zu "Heute" sein Mandant habe zwar den Einbruch geplant, "aber das Übergreifen der Flammen vom Auto auf den Supermarkt war so sicherlich nicht beabsichtigt". Er hofft auf ein mildes Urteil und stützt seine Verteidigung darauf, dass sein Mandant einen Komplizen kurz nach der Tat ebenfalls "Idiot" nannte und ihm gleichzeitig vorwarf, er habe den ganzen Supermarkt abgefackelt. Das zeige klar, dass alles aus dem Ruder lief. Die Unschuldsvermutung gilt. Längere Haftstrafen drohen.

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