Die Aufregung im Vorfeld war groß: Die ARD zahlte 20 Millionen für die Realisierung von 16 Folgen "Babylon Berlin". Und das, obwohl der öffentlich-rechtliche Sender die Serie erst 2018 ausstrahlen dürfen, ein Jahr nach dem Pay-TV-Sender Sky, der die andere Hälfte des Megaprojektes realisierte. Das passt vielen Gebührenzahlern nicht.
Wie auch immer man dazu steht: Das Experiment "Babylon Berlin" ist auf künstlerischer Ebene ganz klar gelungen. Regisseur Tom Tykwer entführt uns auf eine Reise ins Berlin des Jahres 1929, in dem nichts so ist, wie es scheint. Damit reicht die Produktion fast an internationale historische Hits wie "Boardwalk Empire" oder "Peaky Blinders" heran.
Die Story zieht einen sofort in ihren Bann
Bei "Babylon Berlin", das auf einem Roman von Volker Kutscher basiert, ist für jeden Zuschauer etwas dabei: Gesellschaftskritik, Psycho-Thriller, Krimi, Historiendrama. Getragen von einer spannender Hauptfigur – Kommissar Gereon Rath ermittelt 1929 für die "Sitte", bewegt sich in einem Sumpf aus Sexparties, Drogen und Korruption. Wer gut und wer böse ist, ist unklar. Das erzeugt Spannung. Rath bekämpft zudem seine eigenen Dämonen. Ein Trauma im ersten Weltkrieg macht ihn zum psychischen Wrack.
Die Schauspieler sind top
Das Ensemble vereint einige der besten Schauspieler Deutschlands in einem Projekt, zum Beispiel Lars Eidinger, Fritzi Haberlandt, Peter Kurth und Christian Friedel. Viele Gesichter sind kaum bekannt. Tykwer widersteht der Versuchung, die üblichen Publikumslieblinge zu besetzen (etwa Iris Berben). Eine Wucht ist Hauptdarsteller Volker Bruch als Kommissar Rath, der das Gebrochene und Geheimnisvolle seiner Figur perfekt darstellt.
Deutsche Serie - internationaler Verkaufsschlager
Schon vor der Ausstrahlung gelang es, die Serie in über 60 Länder zu verkaufen. In den USA etwa wird "Babylon Berlin" beim Streaming-Giganten Netflix laufen. Das beweist: Die Serie spielt zwar in Berlin, die Geschichten über Korruption, Klassenkampf und persönliche Dämonen von Kommissar Gereon Rath sind aber universell. Der Erfolg zeigt auch, dass deutsche Produktionen im Ausland nicht auf Nazis und Stasi-Geschichten fokussiert sein müssen.
Die Ausstattung transportiert uns in die Vergangenheit
Hier stimmt einfach jedes Detail: 70 Personen kümmerten sich allein um die Ausstattung. Der Zuschauer kann voll in die Welt der späten 1920er Jahre eintauchen. Rauschende Partys beschwören das "Great Gatsby"-Feeling herauf. Klar, manchmal erkennt der Experte Gebäude als Studio-Kulissen oder Menschenmengen auf Plätzen, die per Computer generiert wurden. Aber ohne Tricksen geht es nicht, dafür müsste das Budget noch viel höher sein.
Die ersten vier Folgen von "Babylon Berlin" sind derzeit auf Sky verfügbar. Im Herbst 2018 zeigt ARD die Serie.