Im Irak wurde der 20-jährige Ali B. festgenommen, am Samstag sofort nach Deutschland überliefert. Eine erste Vernehmung soll bereits stattgefunden haben.
Die Festnahme passierte offenbar in letzter Sekunde. Wie Bundespolizei-Chef Dieter Romann gegenüber "Bild" erklärte, wollte sich Ali B. in ein Nachbarland des Irak absetzen. Bevor ihm das gelang, klickten die Handschellen.Romann dazu: "Diesen außergewöhnlichen Einsatz der Bundespolizei in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit den kurdischen Sicherheitsbehörden sind wir auch der Mutter des toten Kindes schuldig."
Das sagt die Mutter von Ali B.
Die kurdische Regionalregierung wollte offenbar, dass Ali B. nach Deutschland abgeschoben wird. Deutsche Beamte flogen daraufhin umgehend nach Ebril, um den Tatverdächtigen abzuholen.
Die Mutter des 20-Jährigen hätte sich jedoch gewünscht, dass ihr Sohn seine Strafe im Irak bekommt. Gegenüber der "Deutschen Welle" meinte sie zudem, dass sie nicht glaube, dass ihr Sohn allein schuldig sei. "Vielleicht hat der Türke das Verbrechen begangen", soll er ihr gesagt haben. Bei dem "Türken" handelt es sich um einen 35-Jährigen, der kurz nach seiner Festnahme wieder freigelassen wurde, da kein dringender Tatverdacht bestand.
Ali B. habe seiner Mutter erklärt, dass er sich nicht mehr erinnern könne, was passiert ist. Der Grund: Er sei zu betrunken gewesen.
Während Flug geschlafen
Letztendlich wurde der Tatverdächtige aber nach Deutschland ausgeliefert. Den kurdischen Boden haben die Beamten jedoch nicht betreten. Ali B. wurde den deutschen Polizisten erst im Flugzeug übergeben.
Erst nachdem der 20-Jährige Platz genommen hat, durften die Passagiere in den Flieger steigen. Ali B. durfte mit keinem Fluggast in Kontakt treten. Das habe ihn aber auch nicht sonderlich gestört, wie Beamte der "Bild" berichteten. Während des Flugs soll der Killer geschlafen haben.
Per Hubschrauber zur Vernehmung
Um 20.35 landete die Maschine schließlich in Frankfurt. Ali B. musste warten, bis alle Passagiere das Flugzeug verlassen haben. Unterdessen positionierte sich eine Spezialeinheit mit einem Fahrzeug am Hinterausgang. In Handschellen und mit Sandalen wurde er zu einem Helikopter gefahren, der ihn in das Polizeipräsidium Wiesbaden brachte.
Noch am Samstag habe die erste Vernehmung stattgefunden. Nun soll er dem Haftrichter vorgeführt werden.
(slo)