"Mädchen trauen sich nicht Kleider anzuziehen"

Haram: Schulbücher und Sommerkleid
Haram: Schulbücher und SommerkleidBild: zVg
Für den Wiener Bildungsdirektor ist Wiesingers Buch eine "ganz entscheidende Quelle der Information". Die Lehrerin selbst ortet "Mutlosigkeit".
"Sie haben die Attentäter verteidigt", erzählt Susanne Wiesinger, die derzeit wohl bekannteste heimische Lehrerin, in "Wien heute" über die Reaktion ihrer Schüler auf die "Charlie Hebdo"-Attentate in Paris. Die Stadt sei "mutlos insofern, dass man vielleicht nicht die Position der FPÖ einnehmen will".

Aber das Problem werde schlimmer, wenn man es nicht angeht. Und dank ihrem Buch (siehe rechts) reagiert nun endlich auch die Politik: Wiens Bildungsdirektor Heinrich Himmer kündigte Verschärfungen bei Schulsuspendierungen an: Begleitende Programme bei Psychologen werden zum "Pflichtprogramm", sodass eine Suspendierung "nicht zum Urlaub wird, sondern Schüler erkennen: Hier braucht es tatsächlich eine Verhaltensänderung."

Weiters werde ein Maßnahmenpaket erarbeitet. Himmer habe sich bereits mit Wiesinger getroffen, Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) wünsche sich ein baldiges Treffen. Laut Stadtschulrat sind 28 Prozent der Wiener Volksschüler Muslime, 31 Prozent Katholiken. Bei Neuen Mittelschulen sind Muslime mit 40 Prozent in der Mehrheit. 25 Prozent sind katholisch, 14 Prozent serbisch orthodox.

Schulbücher sind haram

Susanne Wiesinger schildert in ihrem Buch Erfahrungen an einer Brennpunkt-Schule in Wien-Favoriten mit muslimischen SchülerInnen. Und zeigt verstörende Beispiele – etwa bei der Unterrichtslektüre: Es genügt, wenn die 17-jährige Schwester einer Hauptperson in einem Buch einen Freund hat. "Das geht nicht! Wieso hat die einen Freund? Ich lese dieses Buch nicht, das geht gar nicht. Die ist nicht verheiratet. Das ist verboten."

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. Fächer wie Biologie bleiben laut der Autorin bei muslimischen Schülern auf der Strecke, die Lehrer werfen meist irgendwann entkräftet und frustriert das Handtuch: Der Sexualkunde-Unterricht ist ein Albtraum. Immer mehr Schüler weigern sich, Biologiebücher mit nach Hause zu nehmen. Denn darin sind Bilder von nackten Menschen, und das ist "harm".

Immer wieder kommen Lehrer erschöpft und aufgebracht ins Lehrerzimmer und knallen die Hefte auf den Tisch: "Ich scheiß jetzt drauf, mir ist das alles schon wurscht. Dann ist die Erde halt eine Scheibe!" Der Islam beeinflusse nicht nur den Unterrichtsstoff – es sollen sogar inoffizielle Kleidungsvorschriften herrschen: Letzten Sommer fand sie ein

Mädchen heulend auf der Toilette. Es hat sehr lange gedauert, bis sie ängstlich und zitternd herauskam: "Ich darf mein Sommerkleid nicht mehr anziehen. Die wollen mir das zerschneiden."

Sogar Lehrerinnen müssten sich dem Druck beugen: Kurze Latzhose oder Minirock: Jedes von beiden war schon zu viel. Beide Kolleginnen wurden von der Direktion aufgefordert, sich anders anzuziehen. Wenn Frau Wiesinger im Unterricht über diese Themen spricht, entgegnen die Schüler: "Alles, was wir wissen müssen, steht im Koran. Das Wichtigste ist nicht dieses Leben, sondern das Leben nach dem Tod im Paradies. Wir müssen uns rein halten und gute Muslime sein." (red)

Nav-AccountCreated with Sketch. heute.at TimeCreated with Sketch.| Akt:
ÖsterreichNewsÖsterreich

ThemaCreated with Sketch.Weiterlesen