64 Millionen Euro: Das ist die Summe des Bilanzverlusts der "Wiener Symphoniker" mit Stand Ende 2015. Umgelegt würde das eine" fiktive Schuldentilgungsdauer von rund 93 Jahren" bedeuten, so ein aktueller Stadtrechungshof-Bericht. Der Jahresfehlbetrag für 2015 beträgt rund 1,3 Millionen Euro.
Kritik des Stadtrechungshofs: Die hohen Kosten würden hauptsächlich durch Personalkosten verursacht.
Auslastung zum Teil gering
Die Regelung im Kollektivvertrag 2015 sieht "eine stufenweise Verpflichtung für die einzelnen Orchesterangehörigen vor", heißt es im Stadtrechnungshofbericht. Das heißt: Feiertage, Krankheiten, Urlaube und Co. verringern die Anzahl der maximalen Dienste pro Monat. Doch: Gleichzeitig kommt es, wenn die Maximal-Zahl an Diensten in einem Monat nicht erreicht wird, "zu keiner aliquoten Reduzierung des Gehalts", so der Stadtrechnungshof. Daher wurde überprüft, "inwieweit diese Maximalzahlen an Diensten tatsächlich vom Verein Wiener Symphoniker genutzt wurden".
Ergebnis: Die Auslastung beim Schlagwerk liegt etwa bei nur 74,9 Prozent, bei der Harfe liegt sie sogar bei lediglich 67,9 Prozent. Dagegen liegt die Auslastung bei der 2. Violine bei ganzen 96,8 Prozent.
Kritik: "Verlorene Dienste" werden nicht nachgeholt
Interessant: Bis zu vier "Über-Dienste", also solche, die in einem Monat zuviel gemacht wurden, können laut Kollektivvertrag 2015 in den Folgemonat übertragen – und wieder abgebaut – werden. Wenn aber die Maximal-Zahl an Diensten nicht geleistet wird, ist es "nicht möglich, die in einem Monat nicht ausgenutzte Zahl an Diensten in den Folgemonaten leisten zu lassen."
Stadtrechnungshof: 2.994,50 Dienste gingen in neun Monaten "verloren"
Laut Stadtrechnungshof gingen durch diese Regelung zwischen April und Dezember 2015 170 Dienste bei der 1. Violine verloren, ganze 448 Dienste beim Kontrabass und 342 Dienste beim Violoncello. Insgesamt gingen in diesem Zeitraum 2.994,50 Dienste verloren.
"Daraus war erkennbar, dass ein Großteil der Instrumentengruppen im Beobachtungszeitraum von neun Monaten in einem Ausmaß von rund ein bis zwei Monatsverpflichtungen keine Dienste leisten musste."
Ein Monat daheim – mit vollen Bezügen
Die Kritik des Stadtrechnungshofs: In bestimmten Instrumentengruppen "lag die Auslastung bei z.B. nur rund 12 Prozent". Beispielsweise habe ein Musiker der Gruppe Schlagwerk im April 2015 bei 28 Solldiensten "keinen einzigen Dienst" erbracht. Dafür war die Schlagwerk-Auslastung in den Sommermonaten Juli und August so hoch, dass laut Stadtrechnungshof zusätzliche Musiker angestellt werden mussten.
Bilanzverlust stieg, Subventionen der Stadt erhöht
Weitere Kritik des Stadtrechnungshofs: Der Bilanzverlust stieg von rund 58,12 Millionen Euro im Jahr 2012 auf rund 64,08 Millionen Euro im Jahr 2015.
Und: Die Subventionen durch die Stadt Wien seien für das Jahr 2016 gegenüber dem Jahr 2015 um 0,84 Prozent gestiegen. Das bedeute für das Jahr 2017 eine Erhöhung von 100.000 Euro.
"Der Verein Wiener Symphoniker war als Dienstleistungsbetrieb vor allem durch Personalkosten belastet", so der Stadtrechnungshof. Und: Das administrative Personal sei um rund 18 Prozent gestiegen. Die Orchestergröße blieb mit 126 Musikern gleich. Laut Stadtrechnungshof wären "laut Statuten auch nur 100 Orchestermitglieder möglich". Der Stadtrechnungshof fordert die MA7 auf, "die jährliche Förderungsvereinbarung auch von der vollständigen Umsetzung aller notwendigen Reformschritte abhängig zu machen."
Kulturabteilung: "94 Prozent Auslastung 2016"
Die zuständige MA 7 (Kulturabteilung der Stadt Wien) verweist auf bereits erfolgte Einsparungen durch den neuen Orchesterkollektivvertrag 2015 – es gebe etwa lukrativere Tourneen und Maßnahmen wie Freistellung mit Gehaltsabzug.
Außerdem "deckten die Eigenerlöse 2016 annähernd ein Drittel der Kosten des Orchesterbetriebs ab", betont die MA 7. Und: "Die Auslastung der Orchestermusiker betrug 2016 94 Prozent – ein internationaler Spitzenwert", wird betont. Die Kulturabteilung weist außerdem die Erfolge der "Wiener Symphoniker" hin – 157 Auftritte im Jahr 2016, davon 99 in Wien. Außerdem strömten im Jahr 2016 370.000 Besucher zu den Konzerten. (gem)