Syrer schießen türkischen Kampfjet ab

Bild: Reuters/EPA/Archivbilder

Die syrischen Streitkräfte haben Presseberichten zufolge am Freitag ein türkisches Militärflugzeug abgeschossen. Syrische Sicherheitskreise haben den Abschuss des Kampfjets bestätigt. Über die genauen Umstände des Zwischenfalls war zunächst nichts bekannt.

Bei dem Flugzeug soll es sich um eine F-4 "Phantom" mit zwei Besatzungsmitgliedern handeln. Der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan erklärte am Abend, es sei noch unklar, ob das Flugzeug abgestürzt sei oder abgeschossen wurde. Türkische Schiffe und Hubschrauber suchten zusammen mit syrischen Schiffen nach der Besatzung. Über deren Schicksal gebe es keine Neuigkeiten, sagte Erdogan.

Er könne auch nichts zu Behauptungen sagen, die beiden Soldaten seien von Syrien in Gefangenschaft genommen worden. Er habe auch keine sicheren Informationen über eine Entschuldigung Syriens, sagte Erdogan. Frühere Berichte in türkischen Medien waren widersprüchlich. Einige berichteten, das Flugzeug sei in syrischen Hoheitsgewässern abgestürzt. Der Fernsehsender CNN Türk meldete, die Türkei habe Syrien kontaktiert und um die Erlaubnis gebeten, nach den Besatzungsmitgliedern zu suchen.

Gespannte Beziehungen könnten sich noch verschlechtern

Dagegen meldete die Zeitung Hürriyet, das Flugzeug sei in internationalen Gewässern abgestürzt. Die beiden Soldaten seien gefunden und wohlauf. Der Zwischenfall könnte die ohnehin schon gespannten Beziehungen beider Staaten weiter verschlechtern. Die Türkei gehört zu den schärfsten Kritikern des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad, seitdem dieser mit militärischer Gewalt gegen die Opposition vorgeht. Viele Syrer haben auf der Flucht vor den Auseinandersetzungen in der benachbarten Türkei Schutz gesucht.

Die türkische Regierung plädierte für die Einrichtung von Schutzkorridoren in Syrien, um Flüchtlinge vor Übergriffen zu bewahren. Da dies aber den Einsatz von Soldaten erfordert hätte, nahm die türkische Regierung von solchen Überlegungen Abstand, solange der UN-Sicherheitsrat kein Mandat dafür erteilt. Die gewaltsamen Auseinandersetzungen sind in Syrien unterdessen fast zum Alltag geworden. Auch am Freitag wurden Angriffe und Überfälle gemeldet. Das Staatsfernsehen berichtete, "bewaffnete terroristische Gruppen" hätten 25 Menschen aus dem Dorf Darat Assa entführt und getötet.

"Brutales Massaker"

Es handle sich um ein "brutales Massaker". Rebellen berichtete, sie hätten 25 Angehörige einer Assad-treuen Miliz getötet. Aktivisten der Opposition berichteten, in der nordsyrischen Stadt Aleppo hätten Regierungssoldaten das Feuer auf eine Anti-Assad-Demonstration eröffnet und zehn Menschen getötet. Die Demonstranten seien auf dem Weg zu einem Platz in der Innenstadt gewesen, als plötzlich von vier gepanzerten Fahrzeugen aus das Feuer auf die Menge eröffnet worden sei.

Am Vortag waren Kämpfe und Übergriffe aus dem ganzen Land gemeldet worden; 125 Menschen sollen dabei ums Leben gekommen sein. Viele dieser Informationen kommen von Oppositionellen aus Syrien. In den meisten Fällen sind sie kaum überprüfbar, weil die syrische Führung Journalisten nicht frei arbeiten lässt. Dennoch ist offenkundig, dass Syrien immer weiter in einen Bürgerkrieg abzudriften droht. Ein vom UN-Gesandten Kofi Annan im April unterbreiteter Friedensplan trug bisher keine Früchte.

UN fürchtet, dass Syrien-Krise außer Kontrolle gerät

Der UN-Vermittler warnte am Freitag, der Syrien-Konflikt drohe rasch auf die ganze Region überzugreifen, wenn "einflussreiche Mächte" nicht entschlossen für Frieden sorgen. "Ich fürchte, wir nähern uns dem Tag, an dem es zu spät sein wird, um noch zu verhindern, dass diese Krise außer Kontrolle gerät", sagte Annan am Freitag. Er plädiert dafür, den Iran ungeachtet politischer Widerstände im Westen in die Suche nach Frieden für Syrien einzubinden. "Ich habe klar gemacht, dass der Iran Teil der Lösung sein sollte", sagte der Sonderbeauftragte von UN und Arabischer Liga für Syrien.

Er arbeite intensiv mit verschiedenen wichtigen Regierungen an einem Treffen der von ihm angeregten Syrien-Kontaktgruppe am 30. Juni in Genf. Eine der dafür noch zu überwindenden Schwierigkeiten sei die Zusammensetzung dieses Gremiums. Während Russland ebenso wie Annan für die Einbeziehung des Iran neben Saudi-Arabien ist, lehnen die USA dies bisher vehement ab.

Bisher über 10.000 Todesopfer

Durch die Auseinandersetzungen sind in Syrien mittlerweile 1,5 Millionen Menschen von humanitärer Hilfe abgeschnitten. Das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Fragen erklärte am Freitag in Genf, Helfer hätten immer mehr Probleme, die Menschen zu versorgen. Bisher war die Weltorganisation von einer Million hilfsbedürftiger Zivilisten in Syrien ausgegangen.

Seit Beginn des Aufstands gegen Assad im März 2011 sind nach UN-Schätzungen mehr als 10.000 Menschen getötet worden. Mindestens 500.000 Menschen sind auf der Flucht im eigenen Land. Allein in der nordsyrischen Provinz Idlib seien 350.000 Menschen auf Hilfe angewiesen, in der Stadt Homs seien es 250.000 Personen. Insgesamt habe sich die Zahl der Hilfsbedürftigen seit März auf 1,5 Millionen verdoppelt.

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