Syrien: Dort Koran-Gebete, hier Soldaten-Selfies

Einige der letzten islamistischen Rebellen-Kämpfer verlassen die belagerte Vorstadt Ost-Ghouta in Syrien. Unter den Augen der Assad-Soldaten beteten sie ein letztes Mal.

Todfeinde, die sich seit Wochen bis aufs Blut bekämpfen, stehen nur wenige Meter voneinander entfernt: Islamistische Rebellen beten gemeinsam ein letztes Gebet, bevor sie die Busse des Evakuierungskonvoi besteigen. Nur wenige Meter entfernt knipsen Soldaten der Syrischen Armee des Diktators Baschar al-Assad Selfies.

Die Szene stammt aus Ost-Ghouta, einer Vorstadt der syrischen Haupstadt Damaskus. Bis vor wenigen Tagen war sie seit Beginn des syrischen Aufstandes im Jahr 2011 in der Hand islamistischer Rebellen.

Rebellen stimmten Evakuierung zu

Nach wochenlangen Bombardierungen und Kämpfen haben die Regierungstruppen von Baschar al-Assad und seine iranischen und russischen Verbündeten die Vorstadt nach und nach zurückerobert. Die letzten Rebellenkämpfer im Viertel Harasta und ihre Familien stimmten schließlich zu, die Gegend freiwillig zu räumen. Dafür erhalten sie freien Durchzug durch das vom Regime kontrollierte Gebiet in die Rebellenprovinz Idlib im Nordwesten.

"Surreale" Szenen nach erbarmungslosen Kämpfen

Nach den blutigen Kämpfen voller Gräueltaten scheint die Szene, die ein Reporter aufnahm und auf Twitter stellte beinahe surreal. Islamistische Kämpfer und Assad-Soldaten nur wenige Meter voneinander entfernt. Die Stimmung scheint teilweise noch angespannt. Der Kontrast zwischen den betenden Islamisten und den gelöst Selfie knipsenden Soldaten könnte nicht frappierender sein.

Der Reporter Danny Makki teilte auf Twitter mehrere Videos, die den Ablauf der Evakuierungen zeigen. Zunächst schaufeln Bagger die zuvor durch massive Erdaufschüttungen abgesperrte Schnellstraße frei.

Anschließend verlassen fast 1.000 Rebellenkämpfer und deren Familien in Dutzenden Bussen das umkämpftes Viertel.

Nur wenige Kämpfer haben sich noch im Viertel Douma verschanzt. Auch sie werden wohl in den kommenden Tagen unter dem unaufhörlichen Artilleriebeschuss und den Luftangriffen aufgeben und der Evakuierung zustimmen. Anderenfalls steht ihnen ein blutiges Ende bevor.

(red)

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