Diese drei IS-Mamas wollen zurück nach Hause

Bild: Natalia Sancha / Ediciones El Pais S.L 2019

Drei Spanierinnen schildern in einem Interview, wie sie 2014 nach Syrien kamen, dort mit ihren Ehemännern im IS-Kalifat lebten. Nach dem Tod zweier ihrer Männer wollen sie nun mit ihren 15 Kindern zurück nach Spanien.

"Das Einzige, was wir wollen, ist weg von hier. Man kann uns nicht dafür bestrafen, dass wir das Haus gehütet haben und auf unsere Kinder im IS-Kalifat aufgepasst haben", sagen einstimmig Yolanda Martínez, Luna Fernández und Lubna Miludi.

Die drei gebürtigen Spanierinnen machten sich mit ihren Ehemännern nach Syrien auf. Das war im Jahr 2014. Inzwischen ist das Kalifat zusammengebrochen, sie leben nun im Camp Al Hol im Nordosten des Landes nahe der irakischen Grenze. In dem Lager befinden sich insgesamt 73.000 Menschen, von denen 92 Prozent Frauen und Minderjährige sind. Die Bedingungen sind gefährlich, es mangelt an allem, die hygienischen Umstände sind kaum tragbar.

Zusammen haben die drei Rückreisewilligen 15 Kinder. Ein Ehemann, ebenfalls Spanier, sitzt in einem kurdischen Gefängnis ein, die anderen beiden sind tot. Insgesamt befinden sich in dem Lager 19 spanische Staatsangehörige, die sich dem IS angeschlossen haben oder in Syrien geboren wurden.

Ehemänner getötet

Die beiden aus Madrid stammenden Frauen Yolanda Martínez (34) und Luna Fernández (32) haben je vier Kinder. Fernández ist gerade mit ihrem fünften Kind schwanger. Sie passt auf weitere vier Kinder auf, die aus der Beziehung von ursprünglich in Spanien wohnenden Marokkanern stammen, welche in der "Hölle von Baguz" am Euphrat getötet wurden. Baguz war einer der letzten Bastionen in einem vier Quadratkilometern großen Gebiet, das als letztes noch vom IS in Syrien gehalten wurde. Am 23. März 2019 fiel es, gleichzeitig bedeutete diese Niederlage das Ende des IS-Kalifats.

Im Interview mit der spanischen Zeitung "El País" bekräftigen die drei Mütter ihren Wunsch, nach Hause zu wollen. "Wenn doch nur Spanien mich hier rausholen könnte, ich will weg von hier. Aber sie dürfen mich nicht von meinen Kindern trennen", sagt Fernández.

Die drei Frauen im Video-Interview:

Lubna Miludi, sie kommt ursprünglich aus Marokko, ist die dritte Spanierin, die zusammen mit ihren drei Sprösslingen in dem Lager wohnt. Ihr Mann, Omar el Harshi, ist jener Häftling, der in einem kurdischen Gefängnis einsitzt.

So kamen sie nach Syrien

Die drei Frauen sagen, dass ihre Ehemänner sie unter Vorspiegelung falscher Tatsachen nach Syrien gelockt hätten. Sie hätten ihnen damals vor fünf Jahren ein neues Leben in der Türkei versprochen; also machten sie sich auf den Weg. Doch eines nachts zwangen sie ihre Frauen, illegal die Grenze nach Syrien zu überschreiten und sich dem IS-Joch zu beugen. Die zum Islam konvertierten und mit dem traditionellen Niqab verhüllten Frauen geben an, dass sie vor der Reise bereits 10 Jahre lang mit ihren Männern verheiratet waren. Sie lernten sich in der Zentralmoschee M-30 von Madrid kennen. Ihre Ehemänner seien "Angestellte des Islamischen Staates gewesen, hätten nie gekämpft und auch nicht den IS-Terror für gut befunden", führen sie in dem Interview aus.

Nun wollen sie nach Spanien zurückkehren. Doch dort drohen ihnen mehrere Gerichtsverfahren. Unverständlich für die IS-Mütter, die sich damit rechtfertigen, in Syrien "lediglich zu Hause auf ihre Kinder aufgepasst zu haben".

Einen Fall gibt es in Syrien, bei dem auch Österreicher betroffen sind. So soll die Spezialeinheit Cobra zwei IS-Kinder aus einem Lager holen - mehr dazu hier.

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