Tabakkonzerne starten Anti-Raucher-Kampagne

"Tabakkonzerne haben Zigaretten bewusst mit genug Nikotin versetzt, um Abhängigkeit zu erzeugen und aufrechtzuerhalten", heißt es in der erzwungenen Werbung. (Video: Tamedia/US Department of Justice)
Philip Morris & Co. müssen in den USA ein Jahr lang jeden Tag über die Gesundheitsrisiken des Rauchens aufklären – weil sie in der Vergangenheit die Öffentlichkeit belogen haben.
In den USA haben die Tabakkonzerne ihre von der Justiz angeordnete Werbekampagne gegen das Rauchen gestartet. "Rauchen tötet im Schnitt 1.200 Amerikaner – täglich", heißt es in den sehr schlichten Anzeigen mit schwarzer Schrift auf weißem Grund in den großen US-Sonntagszeitungen.

Ein Gericht habe R.J. Reynolds Tobacco, Philip Morris USA, Altria und Lorillard dazu verpflichtet, eine Erklärung zu den gesundheitlichen Folgen des Rauchens abzugeben, erklären die Konzerne in der Anzeige.

Jahrzehntelang die Öffentlichkeit belogen

Weiter heißt es: "Jedes Jahr sterben mehr Menschen an den Folgen des Rauchens als durch Mord, Aids, Suizid, Drogen, Autounfälle und Alkoholkonsum zusammen." Aufgeführt werden zudem diverse Krankheiten, für die das Rauchen verantwortlich ist. Dann: "Tabakkonzerne haben Zigaretten bewusst mit genug Nikotin versetzt, um Abhängigkeit zu erzeugen und aufrechtzuerhalten. Wenn Sie rauchen, verändert Nikotin ihr Gehirn – deswegen ist es so schwierig aufzuhören."

Das Urteil erging bereits vor elf Jahren. Richterin Gladys Kessler hatte 2006 in einer mehr als 1.600 Seiten starken Begründung geurteilt, dass die Tabakkonzerne das Gesetz brachen, indem sie die Öffentlichkeit jahrzehntelang über die gesundheitlichen Gefahren des Rauchens belogen. Sie ordnete eine Gegendarstellung an – über die genaue Wortwahl stritten die Anwälte beider Seiten jahrelang.

CommentCreated with Sketch.4 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. 2014 einigten sie sich schließlich, dass die Anzeigen in allen wichtigen Sonntagszeitungen abgedruckt, zur Hauptsendezeit im Fernsehen ausgestrahlt und auf den Packungen zitiert werden müssen – und zwar ein Jahr lang.

"Bedeutender Sieg für die öffentliche Gesundheit"

Die Krebs-Gesellschaft in den USA, die bei der Formulierung der Anzeigen mitgewirkt hat, nannte die Werbekampagne einen "bedeutenden Sieg für die öffentliche Gesundheit". Die Tabakindustrie habe Millionen von Menschen mit ihren Produkten gezielt abhängig gemacht, mit Produkten, von denen sie wussten, dass sie die Hälfte der Menschen vorzeitig töten würden. (mch/20 Minuten)

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