Tausende Türken gehen gegen Frauentötungen auf Straße

Demonstrationen Türkei
Demonstrationen TürkeiReuters
In der Türkei protestieren Tausende Frauen, aber auch viele Männer, gegen Frauentötungen und häusliche Gewalt. In der Kritik steht die Erdogan-AKP.

In Istanbul, aber auch in vielen anderen türkischen Städten wie Antalya, Ankara und Adana, kommt es derzeit zu Großprotesten. Die Tausenden Frauen und vielen Männer riefen Slogans gegen Frauentötungen und häusliche Gewalt. Hintergrund ist ein möglicher Rückzug der Regierung bei einem internationalen Abkommen gegen Gewalt an Frauen, gegen Vergewaltigungen in der Ehe und gegen weibliche Genitalverstümmelung.

Die Regierungspartei AKP von Parteivorsitzendem und Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte das Abkommen vor wenigen Wochen als "falsch" bezeichnet und einen möglichen Rückzug davon zumindest angedeutet. Die Türkei hatte das Abkommen zwar 2012 als Gesetz festgeschrieben, international wird aber kritisiert, dass es nicht umgesetzt werde und damit Gewalt an Frauen durch Partner, Ehemänner und Verwandte gesuldet werde.

Zwist selbst in Erdogans Familie

Laut offiziellen Zahlen wird in der Türkei beinahe jeden Tag eine Frau ermordet. Beobachter gehen davon aus, dass die AKP mit dem Ausstieg aus dem Abkommen für Frauen vor allem islamistische und erzkonservative Gruppen ansprechen will. Aus diesen Kreisen kam immer wieder der Ruf nach dem Ende des Abkommens, das angeblich Homosexualität fördern und Ehen sowie Familien zerstören würde.

Doch selbst in der AKP regt sich Widerstand gegen die Ausstiegspläne, viele AKP-Mitglieder stellen sich auch offen vor das Abkommen. Selbst in der Familie des Präsidenten herrscht deswegen Zwist. Während eine Organisation, an der Erdogans Sohn Bilal beteiligt ist, sich gegen die Frauen-Konvention ausspricht, ist Erdogans Tochter Sümeyye bei einer Organisation tätig, die das Abkommen unterstützt.

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