Vor über acht Monaten schockierte eine Gruppenvergewaltigung einer 23-jährigen Inderin in einem Bus die Welt. Die Frau starb nach ihrem Martyrium, die Täter kamen vor Gericht. Nun wurde in Neu-Delhi der jüngste der Täter schuldig gesprochen. Der Jugendliche wurde zu drei Jahren Jugendarrest verurteilt, er war zum Tatzeitpunkt erst 17.
die Welt. Die Frau starb nach ihrem Martyrium, die Täter kamen vor Gericht. Nun wurde in Neu-Delhi der jüngste der Täter schuldig gesprochen. Der Jugendliche wurde zu drei Jahren Jugendarrest verurteilt, er war zum Tatzeitpunkt erst 17.
Beim ersten Urteil nach der mörderischen Gruppenvergewaltigung erhälte der Jugendliche die höchstmögliche Strafe, er muss drei Jahre in Haft. Sein Verteidiger Rajesh Tiwari sagte am Samstag, das Jugendgericht habe den damals 17-Jährigen allerdings nicht in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen. Dem jungen Mann war vorgeworfen worden, die Studentin mit anderen Männern in einem Bus entführt, vergewaltigt und ermordet zu haben. Er hatte erklärt, nicht schuldig zu sein. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Eltern des Opfers entsetzt
Die Eltern des Opfers reagierten empört und wollen alle Angeklagten hängen sehen. Sie kündigten an, das Urteil anzufechten. Der Vater sagte: "Meine Tochter ist tot und nachdem wir dieses Urteil gehört haben, sind wir auch tot." Der Anwalt der Familie berichtete, dass der Angeklagte in sechs von 13 Anklagepunkten schuldig gesprochen worden sei, darunter Mord, Gruppenvergewaltigung, Vernichtung von Beweismaterial und Verabredung zur kriminellen Handlung.
Die Familie des Opfers sagte nach der Entscheidung, das Urteil sende ein falsches Signal an andere potenzielle jugendliche Täter. "Wenn er (der Jugendliche) die Tat eines Erwachsenen begangen hat, dann sollte er auch wie ein Erwachsender behandelt werden", sagte die Mutter vor dem Gerichtsgebäude. "Wir wollen alle fünf Angeklagten hängen sehen."
Erwachsene Täter erwartet Todesstrafe
Der Mordprozess gegen die volljährigen Verdächtigen vor einem Schnellgericht in Neu Delhi dauert noch an, dieses Urteil wird in den kommenden Tagen oder Wochen erwartet. Beobachter gehen davon aus, dass die Männer die Todesstrafe erhalten. Ein weiterer mutmaßlicher Täter wurde im März erhängt in seiner Gefängniszelle aufgefunden; eine Untersuchung über die Todesumstände dauert noch an. Das Urteil gegen den Jugendlichen war viermal verschoben worden. Anwälte wollten vorher höchstrichterlich klären lassen, ob alle Unter-18-Jährigen automatisch unter das Jugendstrafrecht fallen. Vergangene Woche hatte das Verfassungsgericht den Weg für den Urteilsspruch freigemacht.
Die Vergewaltigung hatte weltweit für Aufsehen gesorgt, in ganz Indien Proteste ausgelöst und ein Schlaglicht auf die im Land grassierende Gewalt gegen Frauen geworfen. Viele Demonstranten forderten den Strang für alle Vergewaltiger, auch den Jugendlichen in der Gruppe. In Indien können Gerichte nur bei erwachsenen Tätern in Ausnahmefällen die Todesstrafe verhängen.
Die Chronologie der tödlichen Vergewaltigng - bitte umblättern
Die Chronologie der tödlichen Vergewaltigung
Sexuelle Übergriffe auf Frauen wurden in Indien lange verharmlost oder totgeschwiegen. Doch die Vergewaltigung einer Studentin Ende 2012 löste eine Protestwelle aus.
16. Dezember 2012: In einem Bus in Neu Delhi vergewaltigen und foltern sechs Männer eine 23-jährige Studentin und verprügeln ihren Freund. Am Folgetag nimmt die Polizei vier Verdächtige fest, später zwei weitere. Die Frau schwebt in Lebensgefahr.
18. Dezember: Demonstranten verlangen die Todesstrafe für Vergewaltiger. Die Opposition fordert im Parlament schärfere Gesetze.
23. Dezember: Bei gewalttätigen Protesten gibt es mehr als 100 Verletzte.
27. Dezember: Der Zustand des Opfers verschlechtert sich. Die Frau wird nach Singapur ausgeflogen, wo sie am 29. Dezember stirbt.
3. Jänner 2013: Die Justiz erhebt gegen fünf Beschuldigte Anklage wegen Mordes, Vergewaltigung und Entführung. Ihnen droht die Todesstrafe. Das Alter des sechsten Beschuldigten wird geprüft.
21. Jänner: Die mutmaßlichen Vergewaltiger stehen in Neu Delhi für erste Anhörungen vor einem der neuen Schnellgerichte, die nach dem Tod der Studentin eingerichtet worden waren.
28. Jänner: Ein Jugendgericht bescheinigt einem Beschuldigten, dass er nicht volljährig ist. Damit drohen ihm maximal drei Jahre Haft.
2. Februar: Bei einer Anhörung plädieren die Angeklagten auf nicht schuldig. Indien verschärft die Strafen für sexuelle Gewalttäter. Nun reichen sie von mindestens 20 Jahren Haft bis zur Todesstrafe.
5. Februar: Der Prozess gegen fünf Beschuldigte beginnt.
11. März: Der mutmaßliche Drahtzieher wird erhängt in seiner Zelle gefunden.
11. Juli: Das erwartete Urteil gegen den zur Tatzeit 17-Jährigen wird zunächst um zwei Wochen und dann erneut mehrfach verschoben.
28. August: Vergewaltiger sollen in Indien mit dem Versprechen, das Opfer zu heiraten, keine Strafmilderung mehr bekommen. Das habe das Verfassungsgericht entschieden, berichtet die "Times of India".
31. August: Der zur Tatzeit 17-Jährige wird zu drei Jahren Jugendarrest verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
APA/red.