Zwei Beamte überraschen das Duo im Supermarkt, es kommt zu einem Handgemenge. Plötzlich fallen vier Schüsse: Florian P. ( 14) wird tödlich getroffen, Roland T. (16) verletzt.
Eine große Gruppe von Jugendlichen steht Mittwochnachmittag vor der Merkur-Filiale in Krems (NÖ). Die Burschen haben demonstrativ lässig ihre Hände in den Hosentaschen, ziehen an ihren Zigaretten. Die Mädchen haben rote Augen, Tränen auf den Wangen, sie schluchzen. Rechts neben dem Eingang brennen einige Grablichter, dazwischen Zettel mit der Aufschrift Wir werden Dich nie vergessen und Bruder, ich liebe Dich. Sie zeugen von den furchtbaren Geschehnissen der vergangenen Nacht:
- 2.28 Uhr: In der Merkur-Supermarktfiliale in Krems wird an der Laderampe der stille Alarm ausgelöst - ein Einbruch! Die örtliche Polizei und der Geschäftsführer werden verständigt und machen sich sofort auf den Weg.
- 2.44 Uhr: Beinahe zeitgleich treffen die Streifenbeamten und ein Merkur-Mitarbeiter an der Landersdorfer Straße 8 ein. Der Angestellte schließt auf, zu dritt betritt man den stockdunklen Supermarkt.
- 2.55 Uhr: Vor dem Fleischlagerraum kommt es zum plötzlichen Kontakt der beiden Polizisten mit Florian P. (14) und Roland T. (16). Laut Staatsanwalt Friedrich Kutschera war das Duo mit einem Schraubenzieher - damit hatten die Burschen den Rollbalken aufgebrochen - und einer Gartenharke bewaffnet. Ein Handgemenge entwickelt sich, beide Polizisten machen von ihrer Dienstwaffe Gebrauch. Ein Projektil trifft Florian P. von hinten in Herznähe, Roland T. erleidet zwei Oberschenkeldurchschüsse. Blutend brechen die beiden - amtsbekannten - Einbrecher zusammen.
- 3.55 Uhr: Florian P. erliegt im Krankenhaus Krems seinen schweren Verletzungen.
Wir bedauern den Ausgang dieses Vorfalls, der genau untersucht wird, betonte Roland Scherscher vom Landespolizeikommando NÖ Mittwochmittag. Beide Polizisten seien erfahrene Beamte, die regelmäßig an Einsatztrainings teilgenommen hätten. Wer den tödlichen Schuss abgegeben hat und ob der Waffengebrauch gerechtfertigt war, ermittelt - wie in derartigen Fällen üblich - jetzt eine unabhängige Kommission, hier vier Fahnder des Landespolizeikommandos Oberösterreich. Weder die einschreitenden Beamten noch der verletzte Roland T. seien zurzeit vernehmungsfähig, erklärte dazu Kutschera. Eine Obduktion des Getöteten sowie Gutachten werden noch folgen.
Ich sagte noch zu ihm: Mach keinen Unsinn
Um 23 Uhr habe ich noch mit ihm telefoniert, ihn gefragt, wo er ist, erinnert sich Sabine (13) gegenüber Heute an das letzte Gespräch mit ihrem Freund Florian P. Er hat gesagt, er ist unterwegs. Ich habe ihn gebeten, keinen Unsinn zu machen. Hätte er auf mich gehört!, ist die Schülerin fassungslos. Gemeinsam mit Freunden trauert sie vor dem Supermarkt um den Verstorbenen. Ein Polizei-Projektil beendete die nur drei Wochen währende Liebe.
Auch Monteur Robert P., Florians Vater, ist am Boden zerstört: Ich hatte mein Handy nicht bei mir, habe erst in der Früh von einem Kunden erfahren, dass mein Sohn im Spital ist. Sein Tod ist für mich unbegreiflich und schrecklich. Im Herbst wollte Florian ins Polytechnikum gehen, gemeinsam mit ihm hätte er bereits nach Lehrstellen gesucht, erklärt P. im Heute-Gespräch.
Claus Kramsl und Robert Loy