Teenie-Sittenwächter kommt nach 31 Tagen Haft frei

Der junge Tschetschene (m.) wurde der Richterin vorgeführt.
Der junge Tschetschene (m.) wurde der Richterin vorgeführt.Denise Auer
Jener Tschetschene (15), der in Wien einen 15-Jährigen verprügelte, muss in Haft – aber nicht lange. Nächsten Montag ist er schon wieder frei.

Israil C. ist kein durchschnittlicher 15-Jähriger. Der Sohn zweier Tschetschenen wirkt mit seinen etwa 1,80 Meter und dem aufrechten Gang deutlich älter. Narben auf seinen trainierten Oberarmen ("Ich mache Streetworkout") und sein stoischer Blick lassen schnell erkennen, dass mit ihm nicht zu spaßen ist.

"Er hat mein Volk beleidigt"

"Er hat mein Volk beleidigt, hat sich schlecht über Tschetschenen geäußert. Deshalb hat er Fäuste bekommen", sagte der in Österreich geborene 15-Jährige am Wiener Landesgericht über das gleichaltrige Opfer. Am 12. August hatte Israil C. gemeinsam mit zwei Anderen ("Ich kannte sie aus dem Park") dem türkisch-stämmigen Jugendlichen in Wien-Floridsdorf mehrere Faustschläge und Tritte verpasst und ihn im Gesicht verletzt. Täter und Opfer kannten sich voher nicht. Ein 13-jähriger Freund des Opfers soll der Tschetschenen-Community verraten haben, dass vor einiger Zeit Chat-Kontakt zu einem tschetschenischen Mädchen bestand. Wenig später lauerten ihm die jugendlichen Täter vor einem Supermarkt auf.

Das "Heute" -Video vom Vorfall

Verteidiger Wolfgang Blaschitz betritt den Vorwurf, dass Israil C.  als "Sittenwächter" aktiv gewesen wäre. "Es war eine ganz andere Motivation. Weil das Opfer Tschetschenen geschimpft haben soll, wollte ihm mein Mandant einen Denkzettel verpassen. Aber es war kein Gewaltexzess", sagte er vor Gericht. Das Video des Vorfalls, das "Heute" vorliegt, stützt diese Version nicht.

Video vom Vorfall vor Gericht kein Thema

Die Staatsanwaltschaft hatte aber offenbar keine Möglichkeit oder kein Interesse, sich das Video anzuschauen. Am Urteil hätte der Grund der Tat aber ohnehin keinen Unterschied gemacht: Wegen versuchter schweren Körperverletzung gab es 12 Monate Haft, davon 11 Monate auf Bewährung (nicht rechtskräftig). An das Opfer müssen die Eltern des Angeklagten zudem 200 Euro Schmerzensgeld berappen. Da der 15-Jährige bereits seit 18. September in U-Haft war, wird er am kommenden Montag entlassen. Dann soll er eine Männerberatungstherapie besuchen. Ein drakonisches Urteil sieht anders aus...

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