Ein unbekannter Täter kontaktierte vergangene Woche via Festnetz einen Haushalt in einer Marktgemeinde im Bezirk Melk. Dort hob ein 13-jähriger Bursche ab. Dem erklärte der Mann am Telefon, dass er Microsoft-Mitarbeiter sei und sich auf seinem Laptop Schadsoftware befände bzw. dass es bereits zahlreiche Hackerversuche gegeben habe.
Der 13-Jährige glaubte die Geschichte und gewährte dem Anrufer über die zuvor heruntergeladene Remotedesktopsoftware Supremo die Kontrolle über seinen Laptop. Kurze Zeit später kam die 39-jährige Mutter von der Arbeit nach Hause und fragte ihren Sohn, was los sei. Dieser übergab seiner Mutter den Laptop bzw. das Telefon.
Der „Microsoft-Mitarbeiter“ stellte sich in weiterer Folge mit den Namen Peter Smith vor und gewann zunächst auch das Vertrauen der Mutter. Diese wechselte vom Festnetz auf ihr Handy bzw. vom Laptop des Sohnes auf ihren Stand-PC und lud auch dort die Remotedesktopsoftware herunter. Von diesem Zeitpunkt sah sie vorwiegend nur mehr einen „blauen Bildschirm“ mit den Worten „WORK SECURITY“ vor sich. Zweimal gab das Opfer eine Ziffernkombination ein, ohne zu wissen, wofür diese gebraucht werde.
Als der Täter schließlich nach der nächsten Tankstelle bzw. dem nächsten Supermarkt fragte, wo das Opfer insgesamt fünf "Steam"-Karten (vorwiegend für Software und Computerspiele verwendbar) im Wert von jeweils 100 Euro kaufen sollte, roch die 39-Jährige den Braten und beendete das Telefonat.
Der Laptop, der Stand-PC sowie das Handy der Geschädigten wurden heruntergefahren bzw. abgedreht. Ebenfalls wurden die Passwörter für das Amazon-Konto, Mail-Konto sowie Facebook geändert. Bei den drei angegebenen Konten waren sämtliche Zugangsdaten inkl. Bankdaten gespeichert. Die Opfer erstatteten Anzeige bei der Polizei.
Die Bankkonten bei der Raiffeisenbank wurden am Tag darauf von der Familie gesperrt. Insgesamt kam es bei den beiden Jugendkonten des Sohns und der Tochter (11) zu Abbuchungen im Gesamtwert von 178,99 Euro, sodass diese quasi leergeräumt waren. Auch gab es zwei gescheiterte Zugriffe auf das Amazon-Konto.