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Tennis-Star im Krieg: "Bereit, auf Russen zu schießen"

15 Jahre lang tourte der Ukrainer Alexandr Dolgopolov als Tennis-Profi um die Welt, nun kämpft der 33-Jährige in seiner Heimat. 
Heute Redaktion
18.03.2022, 15:22

Dolgopolov gewann in seiner Karriere drei Titel, war im Jänner 2012 die Nummer 13 der Weltrangliste, spielte ein Preisgeld von über sieben Millionen US-Dollar ein, bevor er 2021 zurücktrat. Nun befindet sich der Ex-Tennisspieler in seiner Geburtsstadt Kiew, um sein Heimatland im Ukraine-Krieg zu verteidigen. 

Umgang mit Waffe gelernt

"Das ist mein Zuhause. Man muss es verteidigen. Ich bin es mir selbst schuldig, hier zu sein. Ich konnte nicht tatenlos zusehen", erklärte der Tennis-Star der "L´Equipe" seine Beweggründe für den Einsatz im ukrainischen Militär. Noch vor der russischen Invasion brachte Dolgopolov seine Mutter und seine Schwester in die Türkei, lernte dort selbst, mit einer Waffe umzugehen. Und kehrte daraufhin in die Ukraine zurück. Seine Freundin und das gemeinsame Kind flohen derweil aus Kiew. 

"Ich kann jetzt mit einer Pistole umgehen, ein ehemaliger Soldat brachte es mir bei", meinte der ehemalige Tennis-Profi, und meinte gegenüber "Eurosport": "Ich bin in der Lage, eine Person sicher zu treffen und ich habe mehr Selbstvertrauen." 

"Bereit, auf Russen zu schießen"

Danach wurde Dolgopolov deutlich. Er erklärte, warum er sich als Soldat meldete. "Ich kenne Freunde, deren Familie ausgelöscht wurde. Sie töten unsere Kinder, sie töten unsere Frauen. Ich bin bereit, auf einen Russen zu schießen. Wenn du ihn nicht erschießt, wird er dich töten. Das ist Krieg", so die drastischen Worte des 33-Jährigen. 

Nach einer abenteuerlichen Rückkehr ist Dolgopolov nun zurück in Kiew, erklärte seine Aufgaben. "Wir werden Material in andere Städte liefern. Das ist sehr riskant, man kann in einen Kampf geraten. Aber ich habe ja eine kugelsichere Weste", so der 33-Jährige. 

Scharfe Kritik an russischen Spielern

An die Rückkehr auf den Tennisplatz denkt Dolgopolov nicht. Stattdessen fordert der 33-Jährige allerdings, dass auch russische Spieler und Spielerinnen nicht mehr auf der Tennis-Tour aufschlagen dürfen. Diese können aktuell unter neutraler Flagge antreten. "Russland sollte von allem, was es mit der restlichen Welt verbindet, ausgeschlossen werden. Die sagen: ,Ich bin für den Weltfrieden.´ Aber das ist doch Scheiße. Komm in die Ukraine und sag es mir ins Gesicht", so der 33-Jährige mit harscher Kritik in Richtung von Daniil Medwedew und Co. "Zu sagen, dass sie mit all dem nichts zu tun haben, ist nicht wahr."

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