Terror-Experte: "Manifest ist wertloses Stück Papier"

Der Terror-Experte Nicolas Stockhammer über den Anschlag in Deutschland, den mutmaßlichen Täter und die Hintergründe.
Bestürzung und Schock einen Tag nach dem Attentat in Halle (Sachsen-Anhalt). Ein rechtsextremer 27-jähriger Deutscher soll am Mittwoch aus Hass eine Frau und einen Mann erschossen haben, mehrere Personen wurde schwer verletzt.

Ein größeres Blutbad konnte nur verhindert werden, weil die Türe einer Synagoge standhielt, als der Täter sie durch rohe Gewalt öffnen wollte. Drinnen kauerten dutzende Menschen, die den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur begehen wollten.

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Trend zu Einzeltätern



CommentCreated with Sketch.10 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Derzeit gehen die Behörden von einem Einzeltäter aus, der nicht in ein rechtsextremes Netzwerk eingebettet war. "Das ist sehr realistisch", sagt Politikwissenschaftler Nicolas Stockhammer zu "Heute.at". Er ist Experte für Sicherheit und Terror. "Wir sehen einen Trend zu Einzeltätern sowohl im neonazistischen als auch dschihadistischen Bereich." Derzeit wird aber geprüft, ob es Mitwisser und Helfer in Online-Foren gab.

Aufgrund der engmaschigen Überwachung der Szene durch die Sicherheitsbehörden sei es für Einzelpersonen leichter, unentdeckt Anschläge zu planen. Das heiße nicht, dass sie sich nicht mit Gleichgesinnten austauschen. Das geschehe im Internet.

Der mutmaßliche Täter hat sich selbst als "Versager" bezeichnet, laut seinem Vater hatte er wenig soziale Kontakte. "Diese Täter fühlen sich nicht integriert und schwach. Sie projizieren ihre Unzulänglichkeiten auf Minderheiten, in diesem Fall 'die Juden'", so Stockhammer. "Die Frustration mit dem eigenen Leben und der Drang 'etwas zu tun', haben sich hier in einer Schreckenstat entladen."

Stream und Manifest



Wie bereits der Attentäter von Christchurch (Neuseeland), der am 15. März diesen Jahres 51 Menschen in Moscheen ermordete, stellte der Deutsche ein "Manifest" und einen Livestream seiner Bluttat ins Internet.

Mehr als eine halbe Stunde lang lief der Stream, in dem der mutmaßliche Terrorist zuerst eine Frau vor der Synagoge und anschließend einen Mann in einem Dönerladen erschießt. "Liveübertragungen im Internet sind ein Trend im rechtsextremen Terror. Sie sollen Nachahmungstäter anstacheln und die Propaganda des Täters verbreiten", so Stockhammer.

Gleiches gilt auch für das Pamphlet des Attentäters von Halle. Der Terror-Experte kennt den Inhalt: "Es handelt sich, wie immer in diesen Fällen, um ein grobes, mit Verschwörungstheorien durchzogenes Machwerk. Ein wertloses Stück Papier."

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