Am kommenden Mittwoch startet im Wiener Straflandesgericht ein Prozess gegen sechs Islamisten, denen die Mitgliedschaft an einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen wird. Die Gruppe um Thomas Al J. (26), der mit 15 zum Islam konvertiert war und sich "Ismail" rufen ließ, soll die Ziele der Al-Qaida und verwandter Terror-Netzwerke unterstützt haben.
Am kommenden Mittwoch startet im Wiener Straflandesgericht ein Prozess gegen sechs Islamisten, denen die Mitgliedschaft an einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen wird. Die Gruppe um Thomas Al J. (26), der mit 15 zum Islam konvertiert war und sich "Ismail" rufen ließ, soll die Ziele der Al-Qaida und verwandter Terror-Netzwerke unterstützt haben.
Zudem sollen sie zwei Wiener Jugendlichen dabei geholfen haben, die im Mai 2009 die Bundeshauptstadt verlassen hatten, um sich in Pakistan in einem Lager der radikal-islamischen Hizb-i-Islami-Milizen ausbilden zu lassen. Thomas Al J. soll außerdem Reisen zu Terror-Camps organisiert und versucht haben, Ende 2009 mit seiner Familie und mehreren Mitangeklagten nach Somalia zu gelangen, "um sich dort den Al Shabaab-Milizen anzuschließen und mit diesen zu kämpfen und diese auch auf sonstige Weise zu unterstützen", wie der 77 Seiten starken Anklageschrift zu entnehmen ist.
Mit Flugsimulator für Anschlag geübt?
Nachdem das gescheitert war, soll der Mann bis zu seiner Festnahme am 15. Juni 2011 die fundamentale Website "ansarulhaqq.com" betrieben und dabei für die Al-Qaida und den Dschihad eingetreten sein. Wie die späteren Ermittlungen ergaben, soll er außerdem daheim am Computer mit einem Flugsimulator immer wieder einen Angriff auf den Berliner Reichstag "nachgespielt" haben. Dass dies als mögliche Vorbereitung auf einen konkreten Anschlag gedient haben könnte, wird in der Anklage allerdings nicht behauptet.
Für den Staatsanwalt steht dessen ungeachtet fest, dass der 26-Jährige innerhalb der sechs Angeklagten - allesamt streng gläubige Islamisten im Alter zwischen 23 und 49 - als "Führungsperson" agiert hatte und "seine Führungsverantwortung durch aktives Handeln wahrnahm".
Jugendlicher aus Wien starb bei Kampfhandlungen in Pakistan
Thomas Al J. war auch eng mit jenen beiden Burschen bekannt, die nach Pakistan gingen, um dort den "Kampf gegen die Ungläubigen" aufzunehmen. Der Jüngere der beiden, der damals erst 16 Jahre alte Kerim Ben A., landete nach der Ausbildung zum bewaffneten Dschihadisten bei der "Islamischen Bewegung Usbekistan" und wurde dort "für temporäre Kommandoaktionen wie Anschläge auf Konvois der pakistanischen Armee oder der alliierten Verbände herangezogen", heißt es in der Anklageschrift.
Im Alter von 18 starb der angeblich fanatische Wahabit, der in Wien seiner Mutter den Alkohol-Konsum untersagt und seiner Schwester deren Freund "verboten" hatte, weil dieser "kein richtiger Moslem" sei, bei Kampfhandlungen. Ein seinen "Märtyrertod" verherrlichendes Video war von Islamisten auf YouTube platziert worden.
Afghane verlangte in Wien Vollverschleierung Angehöriger
Der zweite Jugendliche, der gebürtige Afghane Maqsood L., hatte von seiner Mutter und seiner Schwester aus religiösen Gründen die Vollverschleierung verlangt und es als seine "Pflicht" angesehen, "in den Dschihad zu gehen" (Anklage). Er schloss sich der Staatsanwaltschaft Wien zufolge ab Juli 2010 der Al-Qaida an und lernte dort den deutschen Staatsbürger Yusuf O. kennen, wobei die beiden "vom Al-Qaida-Rekrutierer Scheich Younis Al-Mauretani den Auftrag erhielten, sich nach Europa zu begeben, um dort für Al-Qaida Geld zu sammeln, Personen zu rekrutieren, sich auf nicht näher spezifizierte Operationen vorzubereiten und für solche Operationen bereit zu halten" (Anklage).
Während Maqsood L. im Mai 2011 nach Berlin reiste, um diese Vorgaben umzusetzen, tauchte Yusuf O. in Wien auf und wurde laut Anklage vom Kreis um Thomas Al J. unterstützt, indem er mit Spenden bedacht wurde bzw. einige Angeklagte bestrebt waren, im Bekanntenkreis finanzielle Zuwendungen einzusammeln.
Strenge Sicherheitsvorkehrungen
Gegen Maqsood L. (22) und Yusuf O. (26), der als Gründer der "Deutschen Taliban Mujaheddin" (DTM) gilt, läuft seit Ende Jänner 2012 vor dem Berliner Kammergericht ein Terror-Verfahren. Bei den beiden war einschlägiges Datenmaterial - etwa Pläne zum Bau von Bomben und ein Strategiepapier der Al-Qaida gefunden worden.
Auch das Wiener-Verfahren wird unter hohen Sicherheitsvorkehrungen stattfinden. Richterin Daniela Zwangsleitner, die den Prozess leiten wird, hat vorerst bis 22. Juni zehn Verhandlungstage anberaumt.