Wien

Teuerung, Inflation: "Schulstart kostet mich 200 Euro"

Für viele Familien ist der Schulstart kaum leistbar. Die Nachfrage nach günstigen Schulartikeln ist dementsprechend groß, die Caritas hilft.
Yvonne Mresch
28.08.2023, 16:20
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"Ich komme in die erste Klasse und ich brauche noch Hausschuhe", erklärt die kleine Bea stolz. Die Sechsjährige kauft mit Papa Matthias im Carla Mittersteig ein. Dort bietet die Caritas kostengünstige Schulartikel an, die von Privatpersonen oder Firmen gespendet werden.

Schultaschen um 5 statt 150 Euro

Für Matthias ist das Angebot eine wichtige Unterstützung. Er sei zwar nicht armutsbetroffen, jedoch: "Wir spüren die Teuerungen. Gerade für das erste Schuljahr muss man sehr viel kaufen und das kostet Geld", so der Vater. "Ich gebe etwa 200 Euro aus, allerdings helfen auch die Verwandten mit. Die Schultasche zum Beispiel hat die Oma beigesteuert." Im Handel zahle man dafür bis zu 150 Euro, bei "Carla" sind Schultaschen bereits ab 5 Euro erhältlich. Aber auch vermeintliche Kleinigkeiten wie Stifte, Spitzer oder Blöcke würden ins Geld gehen. 

Der Andrang im Caritas-Laden ist groß. Jung und Alt suchen dort nach kostengünstigen Materialien. "Ich bin Volksschullehrerin und kaufe Spielsachen für meine erste Klasse", erzählt die 26-jährige Julia. Die Grundausstattung zu Schulbeginn sei teuer, das merke sie auch in Gesprächen mit Eltern. Eine Reihe weiter kauft Isabella ein. Die 65-Jährige holt Spielsachen für ihre Enkel – spendet aber auch selbst: "Ich kann etwas Gutes tun und gleichzeitig Sachen retten, bevor man sie wegschmeißt. Das ist doch ideal", strahlt sie. Die Teuerungen spüre auch sie, gibt die Pensionistin zu. 

Jedes vierte Kind in Wien armutsgefährdet

8.500 Schüler aus 54 Schulen beteiligten sich heuer an der Spendenaktion der Caritas. Benötigt wird sie mehr denn je, denn die Kosten für Schulsachen sind im Vergleich zum Vorjahr um rund zehn Prozent gestiegen – wir berichteten. "Vielen Eltern bereitet der Schulstart Sorge", sagt Caritas Wien-Direktor Klaus Schwertner. 1.400 Euro würden Familien für ein Schuljahr in der Volksschule oder Unterstufe ausgeben. "Das ist eine enorme Belastung und für viele so nicht bewältigbar." Beinahe jedes vierte Kind in Wien ist armutsgefährdet. Die Caritas fordert unter anderem eine Gesamtreform der Sozialhilfe Neu.

Für Bea dreht sich nun alles um den ersten Schultag: "Ich freue mich auf die Schule", strahlt sie. Zuerst gilt es noch, alle Materialien einzukaufen: "Ich weiß noch nicht, was ich aussuchen werde. Große Wünsche habe ich nicht."

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